Standpunkt I
Forschungs- und Entwicklungsteam Prof. Dr.-Ing. Gerhard Hausladen zum Thema „Energiekonzepte“

Inzwischen ist das Thema „Energiekonzepte“ auch in den Gemeinden und Städten angekommen. Viele Bürgermeister und Räte machen sich Gedanken, wie sie ihre Kommune in Zukunft mit Energie versorgen sollen. Und auch private Bauherren überlegen, woher die Energie für Wärme und Warmwasser herkommt. Je höher der Ölpreis klettert, desto hektischer wird die Suche. Als Architekten und Planer beteiligen wir uns an dem Wettrennen. Wir zaubern Niedrigst-Energie-Gebäude mit jeglicher Nutzungsarten an allen erdenklichen Orten und versuchen, möglichst viel erneuerbare Energien zu erhaschen. „Der Gesetzgeber schreibt uns das ja auch vor“, denken wir und meinen, damit schon unsere Pflicht erfüllt zu haben.

Die Notwendigkeit, alternative Konzepte zu der heutigen Energieversorgung zu realisieren, ist dringend geboten. Blinder Aktionismus hilft uns jedoch nicht weiter! Wird in unkoordinierten Schnellschüssen Kapital gebunden, bleibt für Sinnvolles weniger Spielraum. Bauherren und ihre Berater, aber auch Gemeindevertreter und ihre Verwaltung stehen dabei vor dem Dilemma, aus der unüberschaubaren Vielzahl der gut gemeinten oder offensiv beworbenen Maßnahmen auszuwählen. Doch nicht immer ist ein prämiertes Konzept auch an einem anderen Ort und zu anderen Rahmenbedingungen mit Erfolg gekrönt. Bei Energiekonzepten verhält es sich wie mit guter Architektur: Für den jeweiligen Ort sowie für die Bewohner und Nutzer muss ein spezifisches Konzept entwickelt werden.

Wie kommt man zu einer nachhaltigen Energieversorgung? Ein zukunftsfähiges Energieversorgungskonzept berücksichtigt die Verbraucher und die Erzeuger gemeinsam. Gebäude und Anlagentechnik bilden auch in der Stadt eine untrennbare Einheit. Geringer Energieverbrauch in den Gebäuden und regenerative, regionale Energieversorgung des Restbedarfs müssen gemeinsam geplant werden. Soll ein Gebäudekomplex mit einem Biomasse- oder Pflanzenölheizwerk aus heimischen Ressourcen, einer Kraft-Wärme-Kopplung auf Biogasbasis, mit einer vorwiegend solaren Lösung oder mit Hilfe oberflächennaher Geothermie beziehungsweise mit einer Abwärmequelle versorgt werden? Hier ist es notwendig, zuerst die im Gebäude benötigte Energiemenge und ihr Temperaturniveau zu analysieren.

Dann geht es um die vorhandenen und zukünftig möglichen Versorgungskonzepte in der Kommune. Wir müssen Synergie-Effekte prüfen und die regional vorhandenen Energiepotentiale ermitteln. Dabei ist ein Energieleitplan für das gesamte Gemeinde- oder Stadtgebiet unerlässlich, auf dem die Lösungen für die einzelnen Neubauten oder Sanierungen aufbauen.

Wir haben aus diesem Grund den „Energienutzungsplan“ erfunden und entwickeln seine Methode weiter. Energienutzungsplan klingt wie Flächennutzungsplan. Damit weiß jeder, was gemeint ist! Der Energienutzungsplan koordiniert als Masterplan die einzelnen Energiekonzepte in der Kommune und stimmt sie mit den regionalen Energiepotentialen ab. In unseren Projekten zeigt sich immer wieder: Die politisch schnell dahingesagte Energievision und Energiewende sowie das vom Bauherren meist unbedacht geforderte Niedrigst-Energie-Gebäude lässt sich nur mit interdisziplinärem Wissen in einem gemeinsamen Prozess umsetzen, bei dem es um die gesamte Gemeinde und die Einbindung in die Region geht.

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