Stadt gemeinsam weiterbauen

Bauen im Bestand kann und sollte weit mehr sein als das Schließen einer Baulücke oder die Sanierung von Einzelgebäuden. Die Stadt weiterbauen und gestalten ist für die PlanerInnen von Teleinternetcafe gleichbedeutend mit einem kooperativen Stadtentwicklungsprozess, der neben den üblichen Beteiligten auch die NutzerInnen aktiv miteinbezieht. Leona Lynen, als Mitglied der ZUsammenKUNFT Berlin eG selbst in die Entwicklung eines vorgestellten Projekts involviert, beschreibt in ihrem Beitrag das Werkstattverfahren von Quartiersprojekten im urbanen Kontext.

Die Stadt ist eine Baustelle, die immer im Werden ist und die niemals schlüsselfertig an die Stadtgesellschaft übergeben werden kann. Auf verschiedenen Maßstäben ringen in ihrer Entstehung vielfältige Kräfte und Akteure miteinander, die bis­weilen ein sehr unterschiedliches Verständnis von Stadt und lebenswerten Räumen haben. In diesem Spannungsfeld aktualisiert sich der Bestand ständig und entwickelt sich in vielschichtigen Dimensionen weiter. Um dieser Komplexität gerecht zu werden, erfordert das Anpassen und Weiterbauen von Stadt ein Handeln jenseits des Denkens in Zuständig­­kei­ten, eine starke Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen und zugleich die Fähigkeit, eine mutige Vision für die Zukunft zu formulieren.

Kaum ein Projekt verdeutlicht diese Haltung derzeit prägnanter als das Haus der Statistik in Berlin, das nach über 10 Jahren Leerstand gemeinwohlorientiert entwickelt wird. Im Bestand und durch ca. 65 000 m² Neubau entstehen Räume für Kunst, Kultur, Soziales und Bildung, bezahlbares Wohnen sowie ein neues Rathaus für den Bezirk Berlin-Mitte und Verwaltungsnutzungen. Der Städtebau für das urbane Quartier wurde Anfang 2019 von der Planungsgemeinschaft Teleinternetcafe und Treibhaus Landschaftsarchitektur in einem integrierten Werkstattverfahren entworfen. Seither begleiten die PlanerInnen aus Berlin und Hamburg die Kooperationsgemeinschaft „Koop5“ aus Verwaltung, landeseigenen Unternehmen und Zivilgesellschaft, die gemeinsam und gleichberechtigt die Entwicklung des Quartiers Haus der Statistik verantworten.

Architektonischer Urbanismus

Ganz im Sinne eines koproduktiven Miteinanders verortet sich das planerische Wirken von ­Teleinternetcafe und Treibhaus jenseits von Top-down und Bottom-up: Entwerfen wird als Methode begriffen, als Werkzeug und Kommunikationsmedium, um zwischen den verschiedenen Akteuren zu vermitteln. Mit ihrem Ansatz des architektonischen Urbanismus schaffen sie Schnittstellen zwischen Berufsfeldern, die an anderer Stelle bis heute scharfe Grenzen zwischen ihren Kompetenzen, Perspektiven und Ansätzen ziehen.

Im Spannungsfeld von Alt und Neu

Der städtebauliche Entwurf der eingespielten Planergemeinschaft Teleinternetcafe und Treibhaus für das Quartier Haus der Statistik konnte nach einem sechsmonatigen, intensiven und dialogischen Verfahren überzeugen. Das ca. 32 000 m² große Plangebiet, in dem ein neues urbanes Quartier mit einer besonderen programmatischen und sozialen Mischung entstehen soll, liegt im Spannungsfeld unterschiedlicher Strukturen und Vorstellungen von Stadt: Eingespannt zwischen Alexan­derplatz und einem aufgelockerten Wohngebiet der Nachkriegsmoderne treffen hier diverse großstädtische Strukturen und zeitliche Schichten Berlins aufeinander. Das Plangebiet und seine jüngste Geschichte bilden den Ausgangspunkt für einen alternativen Weg der gemeinwohlorientierten Stadt­entwicklung und ermöglichen zugleich ein wirkungsvolles Neben- und Miteinander von Alt und Neu.

Das Quartier Haus der Statistik soll vielfältige und langfristig bezahlbare Raumangebote eröffnen. Die Frage, welche Art von Stadt hier entstehen soll, ist zentral und hat in der Vergangenheit schon etliche Diskussionsrunden beschäftigt. Für die Initiative Haus der Statistik – die 2015 den Anstoß gab, den 50 000 m² großen Gebäudekomplex in bezahlbaren Wohnraum sowie Arbeits­räume für Kunst, Kultur, Soziales und Bildung ­umzuwandeln und mit Neubau in ähnlicher Größenordnung zu erweitern – ist die vorhandene Bestandsbebauung Identitätsträger und wertvolle Flächenressource zugleich. Gleichwohl zielt das städtebauliche Konzept von Teleinternetcafe und Treibhaus nicht nur auf eine bauliche Antwort auf die dringend benötigten bezahlbaren Raumangebote ab. Der Entwurf versteht sich als robuste Basis für eine strategische, prozesshafte und kooperative Raumproduktion im Herzen Berlins, an der die aus der Initiative erwachsene ZUsammenKUNFT Berlin eG zusammen Koop5 beteiligt ist.

Ein neuer Stadtbaustein

Grundlage für das städtebauliche Konzept von Teleinternetcafe und Treibhaus bildet die Haltung, dass die umgebenden Strukturen der Nachkriegsmoderne nicht 1 : 1 fortgeführt werden. Das Quartier Haus der Statistik soll als eigenständiger Stadtbaustein ablesbar werden, der sich von der Umgebung unterscheidet und sich dennoch stark mit seiner Nachbarschaft verzahnt. Nach Außen erhält das Quartier zukünftig einen klaren Rand und bezieht sich differenziert auf den Kontext, nach Innen entsteht ein vielfältiges räumliches Angebot.

Den Ausgangspunkt der Überlegungen bildet ein vernetzendes Freiraumgerüst, das eine hohe Durchlässigkeit für FußgängerInnen und RadfahrerInnen ermöglicht. Im Binnenraum werden drei sorgfältig proportionierte, durchlässige Hofbereiche ausgebildet, womit u. a. vielfältige ­Bewegungs- und Begegnungsräume entstehen.

Kuratierte Erdgeschosse

Als Motor des Quartiers Haus der Statistik sollen die Erdgeschosszonen gemeinwohlorientiert sein und eine große Nutzungsmischung abbilden. Die Nutzungen sind gemischt, erproben unübliche Konstellationen und schaffen Zonen der Begegnung und aktiven Teilhabe. Um diese Qualitäten der Erdgeschosse zu erreichen, sieht der städtebauliche Entwurf vor, die Erdgeschosse zu „kuratieren”. Es sollen bezahlbare Angebote geschaffen werden, die eine vielfältige Nutzerschaft und die bestehenden Nachbarschaften adressieren. Das neue Quartier liegt nicht als isolierte Insel in der Mitte Berlins, sondern wird durch den bunten Nutzungsmix mit der Nachbarschaft verknüpft.

Zielsetzung für die Freiräume: Vielfalt und Mehrdimensionalität

Das Zusammendenken mit dem umliegenden Freiraum findet seinen Ausdruck in einer konsequent geteilten Autorenschaft, in der LandschaftsplanerInnen, wie Sparringspartner Treibhaus Landschaftsarchitektur, von Anfang an in den Entwürfen konzeptionell mitdenken.

Robuste Gerüste für ein Stück Stadt, das immer im Werden ist

Das Haus der Statistik schafft einen Gegenentwurf zur üblichen Verwertungslogik in der Stadt. Jenseits von Politik, Verwaltung und einer aktiven Stadtgesellschaft wird in der Entwicklung auch PlanerInnen eine verantwortungsvolle Aufgabe zuteil. Abseits des Denkens in Zuständigkeiten gilt es, gemeinsam Lösungen für ein vielfältiges Zusammenleben in der Stadt zu entwickeln.

Die städtebauliche Planung von Teleinternetcafe und Treibhaus verstand es, diesen kooperativen Nerv zu treffen. In zahlreichen Veranstaltungen in der Werkstatt Haus der Statistik – einer Informations- und Mitwirkzentrale vor Ort – setzten sie sich intensiv mit den verschiedenen Bedürfnissen, Wünschen und wirtschaftlichen Vorgaben der beteiligten AkteurInnen auseinander. In zahlreichen Workshops, Planungslaboren, Kolloquien, Vernetzungsratschlägen, Themenabenden und Quartierslaboren kamen die PlanerInnen mit den Koop5 sowie einer großen Bandbreite an Interessierten aus der erweiterten Stadtgesellschaft und der unmittelbaren Nachbarschaft und zukünftigen NutzerInnen zusammen. Teleinternetcafe und Treibhaus konnten überzeugen, weil sie ihre Entwurfsidee verständlich und auf Augenhöhe auch denen vermittelten, die weniger geübt im Lesen von Plänen, dem Umgang mit Fachsprache und Maßstäben waren. Für PlanerInnen sind solche Prozesse mitunter sehr ressourcenintensiv.

Prozesshafte Planung und architektonische Setzung

Das produktive Spannungsfeld zwischen prozessualer Planung und architektonischer Setzung zieht sich wie ein roter Faden durch das mittlerweile fast 10-jährige Bestehen des Berliner Büros Teleinternetcafe. Zugrunde liegt der Glaube an eine offene Stadt, die stets im Werden ist und niemals fertig gebaut sein kann. Teleinternetcafe plädiert in ihren Arbeiten für prozesshafte Entwicklungen in einem abgestimmten Zielkorridor, die Kapazitäten für Aneignung und Transformation durch die späteren NutzerInnen schaffen. Dabei kann sich die Auseinandersetzung mit einzelnen Projekten über mehrere Jahre erstrecken. Ähnlich wie am Haus der Statistik gleicht der Entwurf für die Entwicklung des Kreativquartiers in München (Wettbewerb 1. Preis 2012, Rahmenplanung 2013–2014), eher einem strategischen Vorschlag denn einer städtebaulichen Planung.

Offenhalten von möglichen Zukünften

Das Kreativquartier ist ein Beispiel für einen Ort, der mehrfach einen Bedeutungswandel erfahren hat – vom Kasernen- zum Gewerbeareal, vom städtischen Betriebsgelände zur Keimzelle der kreativen Szene. Der von Teleinternetcafe formulierte Entwurf für das 20 ha große Areal – das in ein gemischt genutztes Quartier mit einer Neubebauung von 170 000 m² Geschossfläche, darunter 900 Wohnungen sowie Flächen für Gewerbe, Bildung und Kultur entwickelt werden soll – definiert keinen Endzustand. Der Entwurf liest das Quartier als vier unterschiedliche Teile und beschreibt ein Konzept für eine schrittweise Entwicklung in unterschiedlichen ­Geschwindigkeiten.

Ein Teil der Flächen kann ohne Verdrängungskonflikte bebaut werden. Die stärkere Verdichtung dieser Bereiche stellt einen Großteil des Wohnungsbedarfs her und wirkt wie ein Ventil für den Entwicklungsdruck des Gesamtquartiers. Die zwischengenutzten Bereiche werden entlastet, sodass Zeit für eine behutsame Transformation des Bestands gewonnen wird.

Diese schrittweise Entwicklung wird sowohl dem dringenden Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum gerecht als auch dem Raum für informelle Entwicklungen durch die vor Ort aktiven KünstlerInnen, Kreativen und Kulturschaffenden. Qualitäten im Bestand werden aufgezeigt, um diese im Prozess zu erhalten und gezielt zu fördern. Statt eines starren Masterplans wurde eine langfristige Gesamtstrategie formuliert, in der die Teilbereiche in gegenseitiger Abhängigkeit zueinanderstehen. Regeln und Etappenziele, die von verschiedenen Gremien und verantwortlichen AkteurInnen schrittweise evaluiert werden, strukturieren die mögliche Entwicklung und lassen gleichzeitig genügen Offenheit für sich verändernde Rahmenbedingungen. Der Umsetzungsprozess gleicht eher einem strategisch abgestimmten fortlaufenden Bauen im Bestand denn einer klassischen Maßnahme mit einem abgeschlossenen Entwicklungshorizont.

Bezugsraum Quartier

Das Weiterstricken von Stadt kann bei Teleinternetcafe je nach Kontext bedeuten, mal eine bestehende Struktur sensibel weiterzuentwickeln, mal eine neue Setzung zu formulieren, die auch den Abriss von Bestandsgebäuden mit sich bringt. Der Zwischenmaßstab des Quartiers als feste Bezugsgröße alltäglicher Lebenswelten scheint dem Büro dabei besonders zu liegen.

Beispielhaft hierfür steht die klimagerechte Quartiersentwicklung des Plattenbauquartiers Nordhausen-Nord, die im Rahmen der IBA Thüringen vorangetrieben wird. Teleinternetcafe konnte den Wettbewerb um die Rahmenplanung (2017–2018) für sich entscheiden. Die Stadt Nordhausen will zur Vorreiterin des energetischen Wandels und Ressourcenschutzes werden. Die im Bestand verankerte graue Energie gilt es dabei als Ressource anzuerkennen und möglichst sinnvoll in der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Gebiets einzusetzen.

Klimawirksamkeit durch mehr Varianz im Bestand

Geleitet von einem möglichst sparsamen und ­effektiven Ressourceneinsatz setzte Teleinternetcafe im Entwurf statt auf Hightech-Lösungen im Neubau auf mehr Varianz im Bestand. Im Kern des Entwurfs geht es darum, durch minimale Eingriffe maximale Klimawirksamkeit zu erzeugen und ­klimagerechte Lebensstile zu befähigen. Der Entwurf sieht vor, die Quartiersmitte baulich und programmatisch zu verdichten. Die Einheiten der ­bestehenden Wohnhöfe mit ihren identischen Bestandsgebäuden bilden dabei eine wichtige Handlungsebene. Durch behutsame, bestandsnahe Umstrukturierung, Teilrückbau oder auch Aufstockung soll ein vielfältiges Grundrissangebot entstehen. Die Erdgeschossbereiche sollen Angebote beinhalten, die von allen Hofbewohnerinnen und Hofbewohnern genutzt werden können (z. B. Gästewohnung, Waschküche, Gemeinschaftsräume) oder Kombinationen des Wohnens und Arbeitens ermöglichen. Alle Bedürfnisse des Alltags werden durch kurze Wege und diverse Nutzungs- und Mobilitätsangebote in dem attraktiv gestalteten zentralen Stadtraum konzentriert. Die quartiersnahen Landschaftsräume werden punktuell programmiert und stärker miteinander verflochten. Die umliegende Landschaft soll extensiv gestaltet und als vielseitig nutzbare grüne Infrastruktur erlebbar gemacht werden.

Vorgefundenes umdeuten

Die Auseinandersetzung mit dem vor Ort Vorgefundenen bildet für Teleinternetcafe den Ausgangspunkt für die Suche nach neuen, offenen Formen von Stadt. Am Wohnquartier Galgenhalde in Ravensburg (2016, 1. Preis; B-Plan und Objektplanung 2016–2017) kann man ablesen, welche Qualitäten sich aus dem achtsamen, aber nicht verklärenden Umgang mit dem Bestand ergeben. Das bestehende Wohnquartier wird zur Schaffung von kostengünstigem Mietwohnungsraum schrittweise nachverdichtet. Dabei war es den PlanerInnen wichtig, über Jahrzehnte gewachsene Stärken des Wohnquartiers zu erhalten und mit ihrem Konzept zu unterstützen.

Die Neubebauung entwickelt die bestehende Struktur aus Zeilenbauten in einer zeitgemäßen Formensprache weiter. Über eine große Bandbreite von Wohnungsgrößen und -typen wird ein vielfältiges Raumangebot für künftige Bewoh-nerInnen geschaffen, das im Bestand derzeit nicht realisierbar ist. Durch die Neubebauung mit ihren großwinkligen Faltungen wird zudem die gleichförmige Homogenität der Räume gebrochen, ohne dabei die ursprüngliche Orientierung des Quartiers aufzugeben. Auch der Freiraum reagiert damit auf bestehende Geometrien, bricht diese jedoch wo nötig, um durch Neugliederung ein gut nutzbares Wohnumfeld zu schaffen.

In diesem Projekt verdeutlicht sich der positive, wenn gleich differenzierte Umgang mit dem Bestand, der sich durch die Arbeiten von Teleinternetcafe zieht. Das, was vor Ort gefunden wird, wird sorgfältig und mit Bedacht gelesen. Gleichzeitig scheuen die PlanerInnen aber auch nicht vor Neuinterpretationen, also auch dem Abriss zurück. Bestand wird nicht konserviert, sondern stets situativ weitergedacht.

Radikal achtsam transformieren

Es wird deutlich: Die Arbeit im Bestand verlangt auch mal einen radikalen Ansatz. Vorgefundene Schichten vorangegangener Planungen sind in ihrer collagenhaften Überlagerung mitunter diffus und begraben einstmals geplante Qualitäten. Ihr Entwurf zum Stadtquartier Zschokkestraße in München (Wettbewerb ein 1. Preis, 2017, nicht realisiert) spiegelt deutlich den Mut, auch mit dem Bestand zu brechen, um neue Stadtbausteine zu befähigen.

Im 8,7 ha großen Plangebiet auf dem Gelände eines ehemaligen Busbetriebshofs ließ sich keine einheitliche, für den Stadtteil charakteristische Nachbarschaft ablesen. Vielmehr befindet sich das Areal in der Mitte einer diffusen Gemenge­lage zwischen einem 80 m hohem Wohnhochhaus, einer Kleingartenanlage, Gewerbe und ­Zeilenbauten aus den 1950er-Jahren. Ein Weiterstricken angrenzender Strukturen bot sich hier folglich nicht an. Vielmehr wurde in der räumlichen Heterogenität ein gestalterischer Ausgangspunkt und eine besondere Qualität des Stadtteils gesehen. Die Arbeit im Bestand wurde als Einladung verstanden, mit einer kraftvollen städtebaulichen Setzung ein eigenständiges Quartier mit neuen Qualitäten zu entwickeln. Die bestehenden Nachbarschaften sollten über eine neue, großzügige Grünvernetzung differenziert eingebunden werden. Die Kombination aus einem großen, offenen Park und einem kompakten, urbanen Quartier sollte dabei ein neues identitätsgebendes Zentrum für die weitere Umgebung entstehen lassen. Auch wenn das Quartier an der Zschokkestraße letztlich einen anderen Weg einschlagen wird, so bleibt die mutige Setzung, dass ein hohes Nachverdichten von bestehenden innerstädtischen Arealen durch kluge Fokussierung auch ein hohes Maß an Aufenthaltsqualitäten für die bestehende und neu hinzukommende Bewohnerschaft mit sich bringen kann.

Gemeinwohl-Planer

Die beleuchteten Projekte machen das komplexe Geflecht deutlich, in dem sich das Bauen im Bestand bewegt. In kooperativen Vorhaben wie dem Haus der Statistik wird deutlich, dass PlanerInnen wie Teleinternetcafe verstanden haben, dass ihre Rolle dabei weit mehr Aufgaben als das reine Entwerfen umfasst. Sie vermitteln und handeln aus, sie übersetzen und regen an. Zwischen den individuellen Interessen der Menschen vor Ort und den kollektiven Bedürfnissen der erweiterten Stadtgesellschaft schaffen sie Rahmen, in denen die unterschiedlichen AkteurInnen handeln können. Teleinternetcafe bedient sich hierzu geschickt der Schnittstelle von Architektur und Städtebau, um situativ auf unterschiedlichen Maßstäben passgenaue Lösungen zu entwickeln. Sie gehen mit einer architektonischen Denkweise an städtebauliche Fragestellungen heran und leiten architektonische Konzepte aus einer städtebaulichen Lesart ab. Ihre Gestaltungsprozesse zielen auf Transformationen vom Bestand, ohne dabei jedoch finale Endzustände zu definieren. Sie sind gezielt, aber zukunftsoffen. Im Ergebnis entsteht ein Stück lebendige Stadt.

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