So SoHo | Judd Foundation | 101 Spring Street, NYC www.juddfoundation.org

Minimalisten, Kunstliebhabern und Archi-tektur­historikern ist die Adresse 101 Spring Street in Manhattan ein Schrein. Das 1870 von Nicholas Whyte errichtete Gebäude aus Guss­eisen wurde in den Siebzigern zum Zentrum der Kunstszene und war Mitauslöser der Gen­trification, die den heruntergekommenen Cast Iron Historic District zum Hot Spot trans­formierte, der unter dem Namen SoHo (South of Houston Street) weltberühmt wurde.

Donald Judd erwarb das Gebäude 1968 zum Preis von 68 000 $ und bewohnte es bis zu seinem Tod im Jahr 1994 während seiner Aufenthalte in New York. Allerdings hatte Judd schon lange zuvor der Kunstwelt und Hektik New Yorks den Rücken gekehrt und in Marfa, Texas, seinen eigenen Kosmos geschaffen.

Judd bewohnte die 5 Etagen mit seiner Familie nach klaren Funktionstrennungen, so dass jedes Stockwerk eine eindeutige Nutzung hatte. Er befreite das Haus von störenden Einbauten und öffnete jede Etage weitgehend zu einem Allraum, in dem sich sorgsam ausgewähltes und selbstentworfenes Mobi­liar und Kunstwerke (eigene und die von Freunden wie Carl Andre, John Chamberlain, Claes Oldenburg, Dan Flavin und Frank Stella) die Waage hielten. Für grundlegende Renovierungen fehlte Judd das Geld, weswegen die Räume einen unprätentiösen und patinierten Eindruck vermittelten. 45 Jahre nach dem Erwerb von 101 Spring Street vollendeten die beiden Kinder Judds mit der Judd Foundation nun eine grundlegende Sanierung, die 3 Jahre dauerte.

Das New Yorker Architekturbüro ARO (Architecture Research Office) wurde mit der architektonischen Umsetzung betraut, die zum Ziel hatte, den Zustand zum Tode Judds, also von vor fast 20 Jahren, zu erhalten. Behindertengerechte Erschließung, Brandschutz, Klima, Besucher WCs und die unsichtbare Anpassung der offenen Erschließungstreppen als Hauptfluchtweg waren komplexe und aufwändige Unterfangen, da nichts von alldem die originale Raumatmosphäre beeinträchtigen durfte.

Seit Juni kann nun nach Voranmeldung das besichtigt werden, wo das Herz der New Yorker Kunstavantgarde in den Siebziger Jahren schlug und wie man mit 23 Millionen $ ein Gebäude so behutsam und authentisch saniert, dass man es ihm kaum ansieht. Heute ist 101 Spring Street das letzte singulär genutzte Gusseisen-Gebäude in SoHo und ist schon alleine deswegen ein einzigartiges Dokument vergangener Tage. Frank F. Drewes

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