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Restaurierung des alten Gerichtsgebäudes in Düsseldorf

Von der ursprünglichen blauen Farbigkeit im Entree des alten Gerichtsgebäudes in Düsseldorf war nicht mehr viel zu sehen. Und auch sonst befanden sich das Gebäudeinnere und die Fassade in keinem guten Zustand. Ziel war es, den Charakter des denkmalgeschützten Gebäudes zu erhalten und gleichzeitig einer neuen Nutzung zu entsprechen, denn es sollte Teil und Ausgangspunkt des neuen Andreas Quartiers werden.

Das historische Gebäude
Felix Dechant entwarf das Gebäude, das von 1913 bis 1923 auf dem Gelände des alten frühklassizistischen Statthalterpalais’ des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg erbaut wurde. Der mehrflügelige Gebäudekomplex gruppiert sich um fünf Lichthöfe in drei Geschossen mit Attikageschoss und Walmdach. Die Straßenfronten des Gebäudes sind mit Klinkern verblendet, um trotz des gewaltigen Bauvolumens eine Einbindung in die frühneuzeitliche Backsteinarchitektur der Altstadt zu gewährleisten. Ein Teil der frühklassizistischen Fassade des abgerissenen Statthalterpalais wurde in den Neubau integriert. Matthias Berg, verantwortlicher Denkmalpfleger, beschreibt das Gebäude als „spätwilhelminische Prachtarchitektur, die den Status des Rechts und des Staates nach außen zeigen sollte.“ An der Hauptfassade rahmen Eckrisalite die zurückversetzte Mittelpartie, der ein Vollsäulenportikus ionischer Ordnung vorgelagert ist und dessen Architrav reiche Bauplastik schmückt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gerichtsgebäude erweitert: Von den 1950er Jahren bis 2012 prägten Bürogebäude das Areal, darunter ein zehnstöckiges Hochhaus aus den 1960er Jahren, die für die Neu- und Umbauten im Andreas Quartier abgerissen wurden.
 
Restaurierung der Kernbereiche
Um das neobarocke Gebäude in das Andreas Quartier integrieren und nutzen zu können, bedurfte es einer Restaurierung und Sanierung. „Denkmalpflegerisch haben wir uns auf bestimmte Kernbereiche festgelegt, die öffentlich zugänglich sind“, erklärt Denkmalpfleger Matthias Berg. „Dazu gehören die Fassaden des Gebäudes und im Inneren der Eingangsbereich mit der großen Halle, die dahinterliegende große Verteilhalle, die Flure in der ersten, zweiten und dritten Etage – soweit sie öffentlich sichtbar sind – und die vier Nebentreppenhäuser. Dementsprechend sind auch diese Bereiche restauriert worden, während in anderen Teilen des Gebäudes der Bauherr freier im Umgang mit der historischen Bausubstanz war“, führt Berg weiter aus.
 
Bewahrung der historischen Fassade
Die Firma Nüthen Restaurierungen aus Erfurt startete 2014 mit der Restaurierung: „Begonnen haben wir mit Teilen der Fassaden“ erklärt Bauleiter Christian Gierke. Die Hauptarbeit bestand generell darin, Ziegel und Natursteine auszutauschen. Für weitere Arbeiten an der Fassade nutzten die Restauratoren mineralische Farben und Lasuren. Der Putz an der Klosterfassade blieb erhalten und wurde partiell ergänzt. „Hier erfolgte der Grundanstrich und die aufliegende Lasur mit KEIM Soldalit“, erinnert sich Sandra Meinholz, leitende Restauratorin vor Ort, und führt weiter aus: „Es gibt einen Bereich der Fassade an der Liefergasse, an dem das Gesims aus Beton gefertigt wurde. Hier erfolgte eine Betonsanierung mit anschließendem Anstrich mit KEIM Concretal, auf den wir dann mit Naturschwämmen zwei weitere Farbtöne gestupft haben, um den Naturstein zu imitieren.“ Die Arbeiten an der Fassade dauerten drei Jahre und waren Anfang 2017 abgeschlossen.
 
Mit mineralischen Produkten...
Betritt der Besucher den Innenraum des ehemaligen Gerichtsgebäudes, empfangen ihn faszinierende Freitreppen und ein großes Tonnengewölbe mit Kassettengliederung und Blattrosetten. An den Wänden leuchtet blaue Farbe. Dies war nicht immer so. „Der Zustand vor der Restaurierung innerhalb des Gebäudes war katastrophal: Es war dunkel und verschmutzt, zum Teil waren sogar Gipsplatten und Holzverkleidungen an die Wände genagelt“, erinnert sich Christian Gierke. „Unter den letzten Oberflächen entdeckten wir im Foyer den historischen Bestand der Farbfassungen, anhand dessen wir in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt die Musterflächen anlegten.“
 
... in alten Techniken restauriert
Im ersten, zweiten und dritten Obergeschoss rekonstruierten die Restauratoren die historische Steinimitationsmalerei mit einer Stupf-Wickeltechnik. „Mit einem festen Nesseltuch haben wir den ersten Farbton gewickelt und anschließend wurde der zweite Farbton mit einem Naturschwamm gestupft – eine sehr zeitintensive und aufwendige Technik.“, erklärt Christian Gierke.
Das Schablonieren – eine der ältesten bekannten Maltechniken – fand in der Deckenbemalung der Treppenhäuser großflächig Anwendung. Die Restauratoren rekonstruierten die Malereien in Form und Farbe nach historischem Befund. Anhand dieser Befunde fertigten sie mehrschlägige Schablonen an, mit deren Hilfe sie die unterschiedlichen Farben aufstupften. „Hier arbeiteten die Restauratoren über Kopf ganz oben im Treppenhauskopf“, erklärt Gierke. Zu den weiteren Restaurierungsarbeiten im Innenbereich, die sich von Januar bis Oktober 2017 erstreckten, zählten auch die Freilegung und der Neuanstrich der Stuckdecken sowie die Kunststeinrestaurierung und -reinigung im Bereich der Treppen und der Sockel.
 
Überzeugungsarbeit mit Herausforderungen
„Durch das Zusammenspiel des dunkelblauen Anstrichs mit den steinimitierend gestalteten Wänden sowie den Architekturelementen Säulen und Sockel aus Naturstein und Kunststein ergibt sich eine feierliche, aber auch eine expressive Farbigkeit“, resümiert Matthias Berg und erklärt weiter: „Es hat gegenüber Architekt und Investor viel Überzeugungsarbeit gekostet, die blaue Farbe wieder zu rekonstruieren, denn beide waren für eine grauweiße Lösung. Aber wir konnten historische Befunde vorweisen. Und in einem Fachbeitrag aus einer Bauzeitschrift von 1928 wurde das Innenraumkonzept konkret beschrieben, unter anderem diese blaue Farbigkeit. Das hat Investor und Architekt letztendlich überzeugt.“ Ebenso erkannte der Bauherr, dass breite Flure und dicke Wände Nutzfläche kosten und plante deshalb, alles zu entkernen. „Das wollten wir nicht, weil die baulichen Strukturen zur Geschichte des Baus dazugehören“, so Berg. Im zweiten und den darüber liegenden Stockwerken willigte der Denkmalschutz in eine teilweise Nutzung der alten Flurflächen als Bäder, Küchen und sonstige Nebenräume ein. Die Fassade zur Straßenseite blieb unverändert, die zu den übrigen Seiten weitgehend erhalten. „Dabei mussten wir, um die Charakteristik des Gebäudes zu erhalten und der neuen Nutzung Genüge zu tun, natürlich Kompromisse eingehen“, erinnert sich Berg. Und auch für die Restauratoren war diese Baustelle eine Herausforderung, denn „wir mussten mit den verschiedenen anderen Gewerken parallel arbeiten und diese alle unter einen Hut zu bekommen war nicht immer einfach“, fügt Christian Gierke hinzu.
 
Sorgsame Erhaltung und gelungene Integration
Nach der sorgsamen Restaurierung und der gelungenen Umnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes ist die Eingangshalle des Altbaus heute mit Gastronomie für die Öffentlichkeit zugänglich, Büros, Wohnungen, ein Tagungs- und Seminarzentrum sowie Apartments eines Hotels befinden sich in den weiteren Teilen des Gebäudes. Zudem fanden die Verantwortlichen mit den modern gestalteten Wohneinheiten hinter dem Denkmal eine gelungene Lösung, alte und neue Architektur miteinander zu kombinieren.


Planungsdaten

Bauherr: Frankonia  Eurobau AG
Planung: slapa oberholz pszczulny | sop GmbH & Co. KG | architekten
Restaurierung: Nüthen Restaurierungen GmbH + Co. KG
Produkte: KEIMFARBEN GmbH, Diedorf

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