Person und Werk und Wirkung

Der Architekt ist eine Legende. Vielleicht, weil er gar nichts gebaut hat oder zumindest nicht bekannt ist, ob und wo. Der heute 91-jährige, auch Künstler seiende Yona Friedman ist aber ganz unstrittig Teil der internationalen Architekturgeschichte, weil seine Projekte andere Architekten inspiriert haben und das bis heute.

Urbane Megastrukturen sind sein Thema gewesen, räumliche Tragwerke und Systeme, die, meist über dem Bestand schwebend, mit ihren netzähnlichen Strukturen Möglichkeiten vorgeben wollen. Nun ist diesem Phänomen Friedman eine großartige Publikation gewidmet, die einmal von ihm selbst bestritten wird, dann von einem Autor, der sich schon länger mit Friedman befasst und hier nun Leben, Arbeit und Bedeutung des in Ungarn Geborenen reflektiert.

Das Buch mit zahlreichen, teils faksimilierten Texten von Friedman und rund 700 Fotos, Skizzen, Zeichnungen und Aquarellen gibt Über- und Einblick in Visionen zur Stadtentwicklung, mit deren Radikalität heutige Planer, aber insbesondere an Investorenfreundschaften orientierte Politiker nichts mehr anzufangen wissen.

Den Lesern wird in der – trotz unglaublich dichter Bildermenge – gut strukturierten Arbeit eine Persönlichkeit nahe gebracht, die für ein Werk steht, das heute noch den Diskurs bereichert, obwohl oder gerade, weil es immer Theorie und Anschauung geblieben ist. Womit wir eine Publikation haben, die nicht bloß den Architekturhistoriker, sondern jeden praktisch an der Stadt Arbeitenden angeht. Dass Friedman sie selbst noch in Händen halten darf, ist ein großes Glück. Mit einem längeren Interview von 2005 und (chronologisch aufgebauten) Bibliografien. Be. K.

Yona Friedman, The Dilution of Architecture – Manuel Orazi, The erratic universe of Yona Friedman. Hrsg. v. Nader Seraj. In Zusammenarbeit mit Archizoom – EPFL, Lausanne. Park Books, Zürich 2015, 582 S, 578 Farb- u. 183 sw-Abb.,

48 €, ISBN 978-3-906027-68-5

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