Noch einmal größer

Über Le Corbusier sind bereits so viele Bücher erschienen, dass man mit ihnen bequem eine gar nicht kleine Bibliothek füllen könnte. Gründe dafür sind zum einen der Einfluss des Architekten auf Architekten bis heute, zum anderen die schon vielfach und gut untersuchte Selbstinszenierung des Meisters, der sich und sein Werk wie kein zweiter für eine gezielte Außenwirkung kontrollierte. In dem jetzt vorliegenden Buch, dem Katalog zur großen Corbusier-Ausstellung im MoMA, wird eine Art von Richtigstellung probiert, die, und das sei gleich gesagt, nicht überzeugend gelingt. Es geht den Autoren darum nachzuweisen, dass Le Corbusier nicht, wie allgemein behauptet wird, gegen den Kontext gearbeitet hat (und hiermit zum Vater des Ikonolgischen wurde). Sie versuchen nachzuweisen, dass diese vielfach unterstellte Rücksichtslosigkeit im Gegenteil ein verständiges Eingehen auf Raum und Landschaft sei. Und so folgen ihm die Autoren durch die (Reise)Landschaften Europas und Asiens, Nord-Amerikas und Nord-Afrikas, und wer sich beim Durchblättern des hochwertig gemachten Katalogs schon wunderte über die zahlreichen Skizzen, der versteht die Häufung von gezeichneter Landschaft schließlich als das Muster, das die These von der Kontextualisierung ikonologischer Gebäude und Ensembles stützen soll.

Wer dem folgen möchte, kann das tun, den anderen bleiben viele Geschichten, viele, viele Zeichnungen und ebenso die aktuelle fotografische Bestandsaufnahmen zahlreicher wichtiger Bauten durch den Fotografen Richard Pare. Corbusier, der sich selbst als erfahrenen Kapitän sah, der durch schwierige Gewässer manövriert, wird mit diesem Buch noch einmal größer, so scheint es. Mit Stichwortverzeichnis. Be. K.

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