Nachhaltig und hellInternationale Schule, Seeheim-Jugenheim
Elfmal in Folge wurde das Schuldorf in Seeheim bereits als Umweltschule ausgezeichnet, daher wurden auch für den Neubau der Internationalen Schule Aspekte wie Ökologie und Nachhaltigkeit vorausgesetzt. Die architektonische Umsetzung von Angela Fritsch Architekten kam diesem Anspruch nach und hat bereits in der Vorzertifizierung der DGNB den Status Silber erhalten.
Die Internationale Schule Seeheim-Jugenheim ist Teil des 1954 eröffneten Schuldorfes Bergstraße und begann ihren Unterricht im September 2005. Die Schule wächst seitdem Jahr um Jahr um eine weitere Klasse. Dem noch im Aufbau befindlichen Raumbedarf kam man nun mit einem Neubau nach, der exklusiv von der Internationalen Schule genutzt wird.
So wie das Lernen allgemein besonders effizient auf subtiler Ebene erfolgt, drängt sich auch der Neubau nicht vordergründig als „Öko-High-Tech“ auf. Die äußere Erscheinung ist in erster Linie zeitgemäß und Neugierde erweckend – gibt aber gleichwohl noch keinen Hinweis auf die Nutzung. Die Gebäudekubatur reagiert auf den Campuskontext und vermittelt zwischen den vorhandenen Gebäudefiguren. Daraus resultierte ein ungleiches Polygon mit fünf Kanten, die als Stellvertreter für die fünf Kontinente gelesen werden können und an die Herkunft der Schüler aus aller Welt erinnern. Den Farben der fünf Olympiaringe entlehnt, wurde ein Spektrum von 40 Farbvarianten einseitig auf vertikale Alulamellen eingebrannt, so dass die Fassaden je nach Blickwinkel farbig oder monochrom erscheinen. Die farblosen Rückseiten reflektieren dezent die Farben der ihnen gegenüberliegenden Lamellen. Die Vertikallamellen umhüllen gleichförmig die beiden Obergeschosse, die dadurch an Körperhaftigkeit gewinnen und mittels einer deutlichen Fuge über einem Schotterbeet zu schweben scheinen. Zum Campus hin erscheint der Neubau 2-geschossig und wird über Rampen und eine Treppe erreicht, die nur punktuell andocken und die Fassaden durchstoßen. Zum benachbarten Wald hin kragen die beiden Geschosse über ein in den Hang geschobenes Sockelgeschoss aus Sichtbeton aus und definieren einen großzügigen Eingangsbereich. Im Sockelgeschoss befinden sich neben dem Foyer das Café und eine Mediathek sowie die Verwaltung.
Innenraumkonzept
Vor allem aber beginnt hier die Sitzstufenanlage, die sich theatergleich zum 1. OG aufweitet und das kommunikative Herz der Schule darstellt. Es ist nämlich nicht das sture Abarbeiten von Listen zur
Zertifizierung für Nachhaltigkeit, was das Gebäude auszeichnet,
sondern der kluge Umgang mit Ressourcen im Allgemeinen. Der
zentrale Raum des Fünfecks ist Flurbereich, Zentralerschließung, Lichthof und Forum für Veranstaltungen, die weit über den schulischen Alltag hinausreichen. Anstelle dunkler Flure und achsensymmetrischer Hierarchien, wie sie klassische Lehrtempel „auszeichneten“, gibt es hier ein lichtdurchflutetes Atrium, zu dem sich alle Klassenräume orientieren. Die Freiflächen vor den Klassenzimmern sind groß genug, um auch als Aufenthalts- und Arbeitsflächen genutzt zu werden. Gleichzeitig befinden sich hier (hell, freundlich und einsehbar) die Schließfächer und darüber ein horizontales Spiegelband zur Decke, was zusätzliche Leichtigkeit und Transparenz bringt. Statt eines konventionellen Glasdaches schließt eine 3-lagige Pneu Membrane (ETFE 200 m/100 m) die Öffnung im Dach, was Kunstlicht fast überflüssig macht und auf dunkle Winternachmittage bzw. Abendveranstaltungen beschränkt. Der Primärenergiebedarf des Luftkissendaches ist um ein Vielfaches geringer als der eines Glasdachs, nicht zuletzt durch die wesentlich leichtere Stahlkonstruktion. Rundum verlaufende Lamellenfenster führen die unvermeidliche Warmluft aus der Sonneneinstrahlung zwischen der Membrane und der Horizontalmarkise ab, dienen aber ebenso als Rauchabzugsöffnung.
Materialwahl
Die Klassenräume verfügen alle über Holz-Alu-Fenster mit 3-fach-
Isolierverglasung und Jalousetten als Sonnenschutz in Ergänzung zu den Außenlamellen. Auch hier zeigt sich der Gedanke, Materialien differenziert einzusetzen, denn Holz ist nachhaltig und natürlich, wohingegen das Aluminium einen hohen Primärenergieaufwand erfordert, dafür aber langlebig und formstabil ist, was die Notwendigkeit an Wartungsarbeiten deutlich verringert. Auch die Vorhangfassade besteht aus einer Holz-/Alukonstruktion, um jedem Material seine spezifische Stärke zu entlocken. Im Atrium zeigt sich ein großer Anteil an Sichtbeton, der pflegeleicht ist, als Speichermasse dient und die Lüftungsanlage unterstützt, deren Frischluft über einen Erdkanal zur Vorkonditionierung geführt wird. In der abgehängten Gipskarton-
Decke in den Obergeschossen befinden sich breite offene Schlitze, damit die Speicherfähigkeit des Betons optimal genutzt werden kann. Die Klassenräume werden über Vertikalschächte mit der vortemperierten Frischluft versorgt, die unsichtbar in Schrank- und Spindwänden integriert sind. Dort wird die Zuluft von oben ein- und die Abluft über den Sockel wieder abgeführt. Im Atrium sorgt die Pneu Membrane für eine angenehme Akustik, im EG sind die Gipskarton-Decken perforiert, um Schallabsorption zu gewährleisten.
Ferner ist auch das Thema Begrünung nur punktuell aufgegriffen worden, was dadurch an Ausdrucksstärke gewinnt und eine Analogie zum Wald darstellt, an dessen Rand die Internationale Schule liegt. Frank F. Drewes