Making Heimat in Deutschland

Es gibt zurzeit in Deutschland – bauwirtschaftlich gesehen – kein größeres Thema als das des bezahlbaren Wohnungsbaus. Warum das so ist, wird nicht schwer zu erkunden sein, der anhaltende Flüchtlingsstrom auch nach Deutschland hat die ohnehin mangelhafte Lage auf dem Markt bezahlbarer Wohnungen deutlich verschärft.

Konzepte sind gefragt, die Politik ist gefragt, Planer sind gefragt. Die Politik hat den Druck durch die Fluchtbewegung Hunderttausender auf dieses Land schon mal positiv eingeschätzt: Hierdurch würden Prozesse in Gang gesetzt, die (von der Politik!) lange verschleppt wurden: „Flüchtlinge [sind] das Bes-te, was der Architektur dieses Landes passieren konnte“, so Staatssekretär Gunther Adler vom BMUB. Das ist nichts weniger als das Eingeständnis des Scheiterns seitens der politisch Verantwortlichen. Immerhin, sie holen jetzt nach, gewinnen womöglich tatsächlich durch den Druck, den sie so vorher nicht gespürt haben. Zusammen mit den Kuratoren des deutschen Beitrags zur kommenden Architekturbiennale in Venedig und den Kollegen von der Bauwelt haben Mitarbeiter des Bundesbauministeriums im März in München das Ausstellungsprojekt „Making Heimat. Germany, Arrival Country“ offiziell vorgestellt. Und im Rahmen dessen bereits realisierte Unterkünfte für Flüchtlinge und Migranten besucht. Die Sammlung von Projekten, von denen die in München ein kleiner Teil sind, wurde im April abgeschlossen; vermutlich, um sie als Ganzes 1:1 im deutschen Pavillon in Venedig präsentieren zu können.

Wer Interesse hat oder wer trotz allem Projektaufnahmestopp mitmachen möchte mit eigenen Ideen und Vorschlägen, dem steht die Website als erste Anlaufstelle offen. Hier finden sich gut 40 Projekte aus Deutschland, der Schweiz oder den Niederlanden, die auf gänzlich unterschiedlichem Niveau – architektonisch, kostentechnisch, maßstäblich aber auch konzeptionell – die Frage beantworten helfen, wie wir schnell und günstig und einigermaßen nachhaltig zugleich Wohnraum aber eben auch Integration schaffen können. Die meisten der gezeigten Projekte – einige sind noch nicht realisiert oder erst in der Entwicklungsphase – repräsentieren den aktuellen Modul- oder Containerbau. Einige stehen prototypisch für größere Vorhaben in der nächsten Zukunft, andere für Bürgerinitiative (Werkstätten, Mitarbeit in bestehenden Unternehmen etc.).

In Venedig sollen alle hier gesammelten und möglicherweise weitere Projekte in
Szene gesetzt werden. Das „Arrival Country“ Deutschland hat dort dann die Chance, die internationale Plattform Architekturbiennale für eine positive Selbstdarstellung zu nutzen. Positiv im Hinblick auf eine Willkommenskultur, positiv im Hinblick auf erfolgreiche Anstrengungen, den Problemen der Flüchtlingsbewegung auch architektonisch angemessen zu begegnen. Be. K.

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