Low³ – Ökowohnen von Anfang an

Technische Hochschule für Architektur, San Cugat, Barcelona

Einige der Besucher studierten die Küchenkräuter im Vorgarten, wunderten sich über die OSB-Platten im Inneren und vermuteten eher ein Gartenhaus. Der Beitrag der Technischen Hochschule für Architektur aus San Cugat, Barcelona, ist ein Gegenentwurf zum gängigen Öko-gleich-Hightech-Verständnis: Mit dem Haus stellte das Team die Frage nach der existenziellen Funktion eines Hauses und nach den wirklichen Bedürfnissen seiner Nutzer – und diese sind vor allem ständig im Wandel. Also entwickelte das Team ein System, das durch extreme Modularität flexibel erweitert, verkleinert oder versetzt werden kann.

Aufgebaut ist es als Haus im Haus, zwei geschlossene Raumeinheiten mit jeweils einer Hülle. Der äußere Raum funktioniert wie ein Wintergarten als Klimapuffer zwischen innen und außen. Seine Hülle ist aufklappbar und ermöglicht eine natürliche Durchlüftung und ein Wohnen in der Landschaft. Die Konstruktion besteht aus Stahl, darauf sind transluzente Polycarbonatpaneele und ein Solarthermiepaneel montiert. Tageslicht erhellt die äußere Raumeinheit, suggeriert einen sichtgeschützten Außenraum und spart Beleuchtungsstrom.

Im Dach sind 24 Photovoltaik-Module integriert, die ca. das 1,2-fache der benötigten Energie produzieren. Die Dämmebene liegt aber in der inneren Hülle, einem Sandwichpaneel aus OSB-Platten mit einem Kern aus Holzfaserdämmplatten. Sie umgibt den eigentlichen Wohnraum.

Das Haus wächst mit den Bedürfnissen und dem Budget der Nutzer. Es kann nicht nur vergrößert, sondern auch hochwertiger ausgebaut werden. Das ist die Stärke des Hauses: Es ist eines der wenigen, das mit seinem gezeigten Prototyp mit Wohn- und Schlafraum, Küche und Bad Low Budget bleibt, dank günstiger Materialien. Auch unter dem Aspekt des Lebenszyklus und Werthaltigkeit kann das Haus punkten: Die Materialien sind lösbar miteinander verbunden und können wiederverwertet oder verkauft werden. So bleibt die Wertigkeit der verbauten Materialien auch bei einem Umbau bestehen. So charmant und richtig die Low-Budget-Low-Impact-Idee ist, der Gartenhauscharakter des Low³-Basismodells wird vor allem Öko-Idealisten begeistern.

Thematisch passende Artikel:

Halle-a-lectures

Ausstellung und Vorträge zum Bauweltpreis an der Hochschule Regensburg

Architekten der Hochschule Regensburg starten am 17. März Vortragsreihe zum Bauweltpreis "Das erste Haus". Unter dem Titel "halle-a-lectures" startet die Fakultät Architektur der Hochschule...

mehr
Ausgabe 2014-10

Siza-Pavillon gewinnt renommierten Backsteinpreis www.backstein.com

Aus über 500 Einreichungen aus fünf Kontinenten hatte die fünfköpfige Jury auszuwählen und Prof. Andreas Meck, Gesamtsieger Fritz-Höger-Preis 2011, Alexander Schwarz, Partner und Design Director...

mehr

Wann sieht man ein Haus als ein Haus?

Symposium zum Thema Raumwahrnehmung am 15. Januar 2010, Oldenburg

Zur Verabschiedung von Professor Holm Kleinmann veranstaltet der Fachbereich Architektur der Jade Hochschule in Oldenburg und das Institut für Architektur + Städtebau Oldenburg (IASO) ein...

mehr

Haus der Zukunft

Rosenheimer Wettbewerbsteam stellt Solar Decathlon Beitrag vor

Im Rahmen des ersten Forschungstags im Kompetenzfeld „Energieeffiziente Gebäude und Technologien“ an der Hochschule Rosenheim präsentiert die Abteilung Forschung & Entwicklung am 5. Mai 2010 das...

mehr
Ausgabe 2010-06

Individuell und sinnlich

Mitten in Barcelona eröffnete die Hotelgruppe Mandarin Oriental 2009 ihr erstes Fünf-Sterne-Luxushotel in Südeuropa. Das ehemalige Bankgebäude wurde von Studio OAB, Carlos Ferrater & Associados...

mehr