Lebendiges Bild einer Ikone

Eine Bibliografie der Literatur über die Kapelle Notre-Dame du Haut hätte Romandicke. Und doch gibt es, so die Autorinnen des hier vorliegenden Bandes, immer noch eine Menge an Details, die nicht genannt wurden, die verstreut sind, die nicht dezidiert der Frage zum Beispiel folgen: Wer sind eigentlich die Auftraggeber? Oder: Warum hat der Agnostiker Le Corbusier den Auftag angenommen? Warum hat die Kirche ihn beauftragt? Welche Rolle spielt die Ikone der Architekturgeschichte im Werk des Meisters und: Wie haben Kollegen,
Kritiker, Wegbegleiter damals auf den Bau reagiert, wie heute?

Ein Manifest des neuen Irrationalismus sei die Kirche, eine frühe Ikone der Postmodernen ... Die Autorinnen lassen das alles aufscheinen und reflektieren das Meiste nüchtern, wie allerdings in einem teils angestaubt wirkenden Sprachduktus (Übersetzungseffekt?). Mit Skizzen, historischen Baustellenfotografien und vielen professionellen Fotos vom Zustand heute erzeugt die Publikation tatsächlich ein komplett wirkendes, in der Widergabe der Geschichte in vielen Zitaten lebendiges Bild. Dass der Bau durch einen Klosterneubau von Renzo Piano ein Gegenüber erhalten hat, wird eher am Rande und hauptsächlich über ein paar Fotos vermittelt. Be. K.

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