Kostbare Bibel

Im Rahmen der Architekturbiennale 2012 hatte Valerio Olgiati 41 Architekturgrößen gebeten, ihm für sein Projekt „Pictographs of contemporary Architects” Bildmaterial zuzusenden, das er dann in einem von ihm entworfenen transitorischen Extra-raum in den Arsenale auffächerte. Die Bilder sollten das zeigen, was die Architekten selbst in einem engen ikonografischen Bezug zu ihrer Arbeit ansehen, Schlüsselbilder vielleicht, die erklären können, warum Sou Fujimoto, Antón Garcia-Abril, Go Hasegawa, Jacques Herzog & Pierre de Meuron, Christian Kerez, Hans Kollhoff (einziger Deutscher), Winy Maas (MVRDV), Peter Märkli, Kazuyo Sejima oder Miroslav Šik so oder anders entwerfend über die Welt nachdenken.

Das ist die Absicht. Beim Durchblättern der zwischen drei und zehn eingereichten Motive überkommt den Leser dann aber das Bedenken, dass es so einfach nicht funktionieren kann. Denn die hier erst am Buchende kommentierten Bilder sind teils so allgemein wie persönlich intim, dass hier nur der produktiv vermuten kann, der sich intensiv mit den jeweiligen Architekten beschäftigt hat. Dem könnten die Bilder vielleicht etwas sagen. Zum Beispiel, dass die Mythen, die manche um ihr Werden aufbauen, sich tatsächlich in ein paar wenigen Bildern abbilden, allgemeinen wie speziellen. Das Buch ist schön gemacht, der Preis ist hoch, eine kostbare Bibel also, vor dem Einschlafen meditierend anzuschauen. Immerhin. Be. K.

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