Jenga-Architektur in und umManhattan
Herzog & de Meuron stapeln schon wieder ganz schön, und hoch

Das Spiel heißt Jenga und funktioniert wie folgt: Jeweils drei Hölzer liegen nebeneinander auf wiederum dreien darunter, allerdings um 90 Grad gedreht. Darüber wiederum drei Hölzer, wiederum um 90 Grad gedreht, insgesamt wächst der Turm so 18 Schichten (Geschosse) hoch. Nun muss der erste Spieler aus einer der, ich nenne es einmal Geschosslagen, ein Holz herausziehen und es oben, wieder um 90 Grad gedreht, ablegen. Das gleiche macht der nächste Spieler. Da das Baumaterial endlich ist – der Turm ernährt sich aus eigener Substanz – wird er zunehmend löchriger und – weil die Kräfteverteilung komplexer wird – zunehmend instabiler. Kurz vor dem Einbruch, der immer kommt, steht der hölzerne Turm geschossweise verschoben und auch leicht verdreht da.

Die Basler Herzog & de Meuron spielen offensichtlich gerne, eines ihrer neuesten Pro­jekte mitten in Manhattan nennen sie Jenga Tower. Nicht Holz, Stahl und Glas beherrschen die Konstruktion, die mit ihre 145 Wohnungen auf 57 Ebenen in der 56 Leonard Street steht; stehen wird, die Bauarbeiten für den Turm, dessen Wohnungen zwischen 2,3 und 22 Mio. € kosten, sollten gerade eben beginnen. Der Bankencrash ganz in der Nähe könnte jedoch auch den Superreichen den Geschmack an Luxusinvestitionen verdorben haben, denkt man. Sollte doch gebaut werden, könnte man einen weiteren und ebenfalls „Jenga Tower“ genannten Bau sehen. Der noch Projekt seiende und wesentlich simpler konfigurierte Stapel stammt vom ständigen Freund und Mitbewerber Rem Koolhaas, und soll stehen im nördlich liegenden Jersey City. Be. K.

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