Flexibles Wohnen im exklusiven Ambiente
Wohnhaus EN 65,
Stuttgart

Exklusiver Stil oder günstiger Wohnraum – das war für einen Investor in Stuttgart die entscheidende Frage. Er entschied sich für das hochpreisige Segment und baute ein Wohnhaus mit flexiblen Wohnmöglichkeiten: Durch das Einziehen von Trennwänden kann der Vermieter den unterschiedlichen Ansprüche seiner zukünftigen Mieter nachkommen und auf deren Bedürfnisse individuell reagieren.

Zunächst stand die Frage der Nutzung an erster Stelle. Eine Sanierung des Einfamilienhauses mit Satteldach aus den frühen 1960er Jahren erschien unwirtschaftlich. Der hohe Wert des Grundstückes und die durch den bestehenden Bebauungsplan schlechte Ausnutzungsmöglichkeit des Anwesens schlossen eine dichte Bebauung mit kleinen Wohnungen aus. Stattdessen wurde mit dem Architekturbüro SFA Simon Freie Architekten der Abriss und der Bau eines dreistöckigen kubischen Wohnhauses mit Flachdach realisiert. „Der Eigentümer wollte etwas Edles und Extravagantes haben“, sagt der Planer Christof Simon. Berufstätige Menschen zwischen 25 und 40 Jahren, „bei denen das Geld keine große Rolle spielt“, sollte das angesprochene Klientel darstellen: Also gestaltungs- und qualitätsbewusste, eher leistungs- als preisorientierte Mieter. „Die Mieter sollen sich um möglichst wenig kümmern müssen“, beschreibt Simon in diesem Zusammenhang die Idee eines Wäsche-, Essens- und Hausmeisterservice. Das dreistöckige Gebäude ist für maximal sechs Wohnungen ausgelegt, durch die flexible Raumaufteilung sind aber nur drei große Wohnungen über die gesamte Etage realisierbar. Hier können sich die Vermieter barrierefrei ausbreiten und die Innenraumgestaltung ist durch nicht tragende Trennwände flexibel machbar. Die äußere kubische Form wird durch ein Flachdach geprägt. Die Umsetzung erforderte ein langes Ringen mit dem Bauamt. Der Fall kam sogar auch auf den Schreibtisch des Baubürgermeisters und wurde schließlich durchgewunken. Die beiden Obergeschosse haben eine Grundfläche von je 280 m², das Untergeschoss hat 140 m². Die nach Süden offene, 24 m breite Glasfassade ist vom Gebäudekubus leicht zurückgesetzt und schließt mit einem durchgängigen, 1,5 m breiten Balkon im ersten und zweiten Obergeschoss ab. Das nochmals zurückversetzte Erdgeschoss hat eine großzügige Veranda, Säulen fangen die Obergeschosse auf. Im Gegensatz zur Glasfront in Richtung Süden haben die Ost- und Westseiten keine Fenster.
Vom architektonischen Konzept sollte ein Rahmen die Südansicht des Gebäudes eingrenzen. Die Geschosse sind mit Querriegeln markant getrennt. Seitlich ist das Gebäude durch zwei senkrechte Betonständer abgetrennt. Die Balkonbrüstung wirkt filigran und durchlässig und soll auch nicht durch einen Sichtschutz verändert werden, die die Querriegel dann mächtiger erscheinen lassen. „Dickere Längsachsen würden das architektonische Konzept stören“, sagt Architekt Simon.
Bei einem Quadratmeterpreis von 14 Euro können die Mieter zwischen verschiedenen Wohnlösungen entscheiden. In den beiden Obergeschossen sind in jeder Ebene zwei Nutzungseinheiten mit je 140 m² oder alternativ eine Einheit mit 280 m² möglich. Ausgehend von zwei kubischen Servicezellen können mit Zwischenwänden entweder eine offene oder auch sehr geschlossene Lösungen mit abgetrennten Raumeinheiten verwirklicht werden. In den Servicezellen sind nicht veränderbare Räume wie Küche, Bad und WC vorgesehen. Damit ist der nördliche Bereich, vorgegeben durch die Lage der Servicezelle, für die Bereiche Schlafen, Kochen, Essen und Eingang definiert. In dem nach Süden orientierten Wohnbereich dagegen sind der Phantasie in der Raumaufteilung fast keine Grenzen gesetzt.
Das Konzept des Investors ist aufgegangen. Seit der Fertigstellung im letzten Jahr sind die Wohnungen regelmäßig vermietet. Bereits der erste Mieter nutzte die Möglichkeit, die gesamte Wohnfläche von 280 m² zu bewohnen. „Es hat sich herausgestellt, dass die Bewohner die Offenheit der Grundrisse annehmen und ihr Bedürfnis nach abgeschlossenen Räumen meist nur auf einen Schlafraum beschränkt haben wollen“, so der Architekt. Und dass der Bedarf nach exklusivem Wohnen in Stuttgart vorhanden ist, zeigt ein prominentes Beispiel. Der ehemalige Profi-Fußballspieler des VfB Stuttgart, Alexander Fanerud, genoss von der Wohnanlage nicht nur den Blick auf den Württemberg, einem der schönsten Aussichtspunkte in Stuttgart, sondern seine Wirkungsstätte war auch zum Greifen nah. Das Mercedes Benz Stadion liegt gerade mal 1,5 km Luftlinie entfernt. Rüdiger Sinn, Stut­t­gart
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Baudaten

Objekt: Lofthaus EN65, Stuttgart
Bauherr: Andreas Schweickhardt, München
Architekt: SFA Simon Freie Architekten, Stuttgart
Mitarbeiter: Matthias Lindenthal,
Bettina Paucke, Rainer Goutrié

Fachplaner

Tragwerksplanung: Michael Fleck, Schrozberg

Projektdaten

Grundstücksgröße: 1 213 m2

Grundflächenzahl GRZ: 0,26

Geschossflächenzahl GFZ: 0,53

Nutzfläche gesamt NF: 1 231,05 m²

Hauptnutzfläche HNF: 702,94 m²

Nebennutzfläche NNF: 528,11 m²

Brutto-Geschossfläche BGF: 1 324,71 m²

Brutto-Rauminhalt BRI: 3 938,15 m²

Gesamt netto: 1 148 739 €

Brutto-Rauminhalt BRI brutto/m³: 347,12 €

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