Einheitswippe auf „wabbeligem Grund“?

„Berlin bekommt das Denkmal, das keiner will“ titelte im vergangenen Jahr eine Tageszeitung online und zwei Dinge sollten damit gesagt sein: Das Freiheits- und Einheitsdenkmal, für dessen Bau sich 2007 der Bundestag durchgerungen hatte und dessen Realisierung 2015 dann endlich beschlossen wurde, wird gebaut und vielleicht doch nicht; denn niemand will es haben. 2016 war es nämlich schon mal auf Eis gelegt wegen „Kostenexplosion“ (von 5 auf 15 Mio. €). Anfang 2017 waren dann 3 Mio. € mehr da, nämlich 18 Mio. €. Für die Rekonstruktion der Kolonnaden auf der Schlossfreiheit. Aber weil dort eigentlich das Einheitsdenkmal hin sollte – man hatte schon Fledermäuse umgesiedelt – konnte man von dem endgültigen Aus des von niemandem wirklich geliebten Freiheitsdenkmals ausgehen, dessen Verzicht dem ehemaligen Präsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, eine „abgrundtiefe Verachtung des Beitrags der Ostdeutschen zur Freiheits- und Demokratie-Geschichte“ von Seiten des Haushaltsausschusses war. Aber „wer möchte schon eine Obstschale, wenn er Wilhelm haben kann?!“ fragten wir uns im letzten Jahr.

Im August dieses Jahres nun verkaufte das Land dem Bund den Bauplatz für das Denkmal und man ahnte schon, dass es nun doch losginge vor dem Schloss. Doch Pustekuchen, das Landesdenkmalamt Berlin sieht in einem Gutachten unabsehbare Schäden für den von der Wippe überbauten Sockel des Kaiser-Denkmals; über Auswirkungen der Aussagen des Gutachtens – „wabbeliger Baugrund“ – auf den Wiederaufbau des gegenüberliegenden Schinkel-Entwurfs der Bauakademie kann spekuliert werden. Aber wer war noch gleich Schinkel? Be. K.

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