Privates Schwimmbad, Schloss Eybesfeld

Ein Pool hebt ab
Privater Pool Schloss Eybesfeld/A

Kunst ist auf Schloss Eybesfeld allgegenwärtig. Pichler & Traupmann setzten auch den Pool wie eine Skulptur in den Landschaftsgarten. Ein lila Sonnendeck umfließt das Wasser im Gras und entschwebt wie ein fliegender Teppich über den gläsernen Garderoben.

Schloss Eybesfeld ist ein besonderer Ort. Denn Bertrand und Christine Conrad-Eybesfeld verankern ihr geschichtsträchtiges Erbe mit moderner Kunst und Architektur intensiv mit der Gegenwart. Es ist ein ständiges work in progress, längst haben Max Neuhaus, Sol Lewitt, Heimo Zobernig und andere hochkarätige Künstler ihre Spuren im Park hinterlassen. Die Familie wohnt im Schloss, das Erdgeschoss aber lag brach. Die Architekten Pichler & Traupmann sollten es zur gartennahen Wohnung mit Terrasse plus Balkon für die Mutter, Carport, Patio und Schwimmband umplanen. Sie bündelten die außenliegenden Funktionen zu einem Raumband, dessen Plattformen in unterschiedlichen Höhen um das Schloss mäanderten und an seinen Öffnungen andockten. Diese Idee aber kam Adrian Geeuze von West 8, der den Garten gestaltete, in die Quere: Er befand, dass das Schloss ein Solitär im Park bleiben müsse.

Also transformierten Pichler & Traupmann ihr Konzept zum Freibad, das sich nun wie eine weitere Land-Art-Pretiose vor dem alten Garten­turm ausbreitet. Die schwebenden Ebenen wurden zur raffinierten Skulptur mit integriertem Pool verdichtet. Sie ist aus Stahlbeton gegossen und mit hochglänzendem, lila Kunstharz beschichtet: Polyurethan für die Liegelandschaft, druckwasserresistentes Polyurea für das 15,25 m lange, 6,75 m breite Becken. Alles strahlt satt violett. „Wir wollten, dass der Beton die für ihn typische Signatur des Bauens verliert“, so die Architekten. „Das Freibad sollte wie ein Kunstobjekt mit einer homogenen Oberfläche wirken, das einen Kontrast zum Rasen bildet.“

Radikal skulptural

Die Wasseroberfläche liegt auf einer Ebene mit dem Gras, im Süden schwappt gleichsam ein ausladendes, zyklamefarbenes Sonnendeck über die lange Beckenkante. An seiner Schmalseite im Osten aber bildet die artifizielle Badelandschaft eine trapezförmige Ein- und Ausstiegsrampe aus, die nahtlos in eine schräg ansteigende Ebene mit anatomisch geformten Sitzmulden übergeht. Als horizontales Liegeplateau entschwebt sie wie ein fliegender Teppich über einem umlaufenden Glasband. Es belichtet die Raumgruppe mit der Infrastruktur für ungetrübte Badefreuden– Toilette, Umkleiden, Duschen, Lagerraum, Schwimmbadtechnik.

Sie liegt leicht abgesenkt in der Erde hinter dem Becken. Boden, Zugangsrampe, erdberührende Mauern und die Untersicht der Plattform sind wie aus einem Guss in dasselbe Kunstharzlila getaucht. Alle Innenwände und selbst die Ablageborde für Handtücher aber sind aus reinem Glas. „Bei so einem kleinen Objekt darf man keine Kompromisse machen“, so Pichler & Traupmann. Keine Folie trübt die Durchsicht: Man ist hier en famille. Keine Stütze stört die atemberaubende Transparenz: Frei kragt das Sonnendeck 7,11 m über den Scheiben aus, die gleitend in Fugen gelagert sind. Statisch wirkt es als Kragplatte. Ihr Querschnitt ist bei der Einspannung 70 cm dick und verjüngt sich bis zum sacht ausschwingenden Ende auf 20 cm. Auch die Geländer sind radikal puristisch: Nirostaläufe, als dynamische Linien über die Badeskulptur gehaucht. Die Beleuchtung ist im Boden eingelassen: das wirkt, als käme das Licht aus der Tiefe der Erde.

Die lila Platte hinter dem Bad ist ein Hartplatz, auf dem Ball oder Tischtennis spielen und ausgiebig feiern kann. Die Bank am Rand funktioniert wie ein Schranke: klappt man sie hoch, ist für Flutlicht gesorgt. Isabella Marboe, Wien

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