Eigentlich fehlt nichts

Nach Venedig zu reisen hat immer schon gereizt; nicht bloß Kunsthistoriker oder souvenierhungrige Pauschaltouristen, Bildungsbürger und Schulklassen aus aller Welt. Auch und gerade Architekten und Ingenieure reisten und reisen immer noch in die Lagunenstadt, in der sie das vorfinden bis heute noch, was in der nächsten Heimat zu fehlen scheint: dichteste (Bau)Geschichte. Allerdings gehen die meisten dieser Reisenden davon aus, dass sich Venedig bis heute und bis auf wenige Ausnahmen der kontinuierlichen Fortschreibung von Baugeschichte verweigert hat; und zwar erfolgreich möchte man sagen mit Blick auf die steigende Attraktivität der Lagunenstadt. Und zugleich folgenreich, denn rund 60 000 Einwohnern noch stehen rund 20 Mio. Besucher jährlich gegenüber.

Wie aber kommt es, dass sich die Stadt, die seit ein paar Jahrzehnten zu einem Mekka für zeitgenössisches Bauen geworden ist, im Herzen offenbar immun gemacht hat gegen die Moderne oder gar Zeitgenossenschaft in der Architektur? Oder stimmt das überhaupt nicht? Ist die architektonische Homogenität wiederum nur ein Vorurteil?

Offenbar, die Autoren des vorliegenden Reiseführers belegen die kontinuierliche Verjüngung der scheinbar so alten Stadt an vielen Stellen und vermitteln sehr anschaulich, dass man in den längst kanonisierten Artefakten des berühmten Stadtweichbildes – die teils längst rekonstruiert und also nicht mehr so ganz authentisch sind – einige Perlen gegenwärtiger Architekturbaukunst finden kann. Nicht viele, aber die sind von einer Qualität, dass sie über das Innehaben einer bloßen Zeugenfunktion für eben weltoffenen Umgang mit dem Bauen hinaus für sich selbst stehen. Und damit auch Zeugen sind für das Gelingen eines zeitgenössischen Weiterbauens in einer mehr und mehr musealisierten Stadtlandschaft.

Der Führer ist hochformatig handlich, die Abbildungen von gewisser Größe und guter Qualität, die Texte zu den Projekten und zu verschiedenen Themen hinreichend für eine erste, tatsächlich umfassende Information. Die Karten der sechs Rundgänge sind übersichtlich, das Register ist hilfreich … Fehlt etwas? Eigentlich nicht. Also meckern wir auch nicht über den Preis. Be. K.

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2020-04

Start der Architekturbiennale 2020 verschoben

Zimmer, Flüge gebucht? Der eine, die andere bestimmt schon. Dann kam am 4. März 2020 die Meldung aus der Lagunenstadt, dass mit Blick auf das in Italien stärker verbreitete Corona-Virus die...

mehr
Ausgabe 2013-06

Generalkommissar(in)?! www.bbsr.bund.de, Aktuell/Ausschreibungen Forschungsprojekte

Es geht also wieder los: Der Bund sucht wieder einmal den/die Generalkommissar(in) für die Architekturbiennale in Venedig 2014. Wer möchte, kann seine Bewerbung noch bis zum 14. Juni 2013 beim...

mehr

Reduziert, Reduziert, Reduziert

Der Deutsche Pavillon in Venedig erscheint ein wenig zu sehr reduziert; aber vielleicht nutzt das etwas

Es muss nicht der Goldene Löwe sein. Es hätte auch ein Sonderpreis gereicht, einer, wie ihn vor Jahren das Büro Kuehn Malvezzi, Berlin, für ihren Entwurf zum Wiederaufbau Schloss in Berlin...

mehr

Generalkommissare für Deutschland

Jetzt ist er doch durchgesickert: der Name des Generalkommissars für den deutschen Beitrag der 13. Architekturbiennale in Venedig

Nun kam es doch aus irgendeiner undichten Stelle im Ministerium: Der Generalkommissar, der für die Ausstellung im deutschen Pavillon in Venedig zuständig sein wird und vom Bundesbauministerium...

mehr
Ausgabe 2017-02

Kuratorinnen für 16. Architekturbiennale www.labiennale.org

Am 17. Februar kam die Meldung aus der Lagunenstadt: Das Kuratorenboard unter Leitung von Präsident Paolo Baratta hat die beiden irischen Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara als...

mehr