Die Zukunft ist jetzt!

Digitalisierung als Chance und Herausforderung

Die Bauwirtschaft durchläuft derzeit tiefgreifende Veränderungen: Die Digitalisierung wird die Branche revolutionieren. Was bedeutet dies für die herstellende Industrie und ihre Kommunikation mit Planern und Architekten? Wie kann das Geschäftsmodell Bau rentabler werden und an den Erfolg anderer Branchen anknüpfen? Die Branche muss sich endlich dem digitalen Wandel stellen.

Mit der Digitalisierung verändern sich Gesellschaft und Wirtschaft in rasantem Tempo. Neue Technologien haben ganze Branchen umgekrempelt und traditionelle Unternehmen und Geschäftsmodelle verdrängt. Bestes Beispiel ist der Einzelhandel: Amazon und Co − zunächst als Start-ups allenfalls mit freundlichem Interesse zur Kenntnis genommen − haben die Chancen der Digitalisierung erkannt und Prozesse sowie Abläufe konsequent von den Kundenbedürfnissen ausgehend neu definiert. Etablierte Anbieter sahen sich plötzlich mit völlig neuen Geschäftsmodellen konfrontiert, die ihnen bald das Wasser abgraben sollten.

Während sich die Unternehmen vieler Branchen – auch vor dem Hintergrund eines großen Globalisierungsdrucks – mit dieser Herausforderung auseinandersetzten und erfolgreich entsprechende Umstrukturierungen vornahmen, hat sich die Bauindustrie dem über lange Zeit hinweg weitgehend verweigert. Das sei nicht nötig, da der Bau stark von lokalen Gegebenheiten geprägt sei, ist die immer noch vorherrschende Meinung. Besonderheiten der Branche, wie ortsgebundene Baustellenfertigungen, wechselnde Standorte und Einzelanfertigungen nach individuellen Anforderungen, unterschiedliche Bauordnungen in den Bundesländern oder verschiedene regionaltypische Bauweisen, werden als Gegenargumente angeführt.

Dabei ist die Digitalisierung keine Option, sondern eine Notwendigkeit, wenn der Bau den Anschluss nicht verlieren will. Und die Gefahr besteht. Im Branchenranking gehört die Bauindustrie mittlerweile zu den Schlusslichtern, wenn es um die Digitalisierung geht. Mit nachhaltigen Folgen für die Produktivität. Denn während die gesamtdeutsche Wirtschaft ihre Produktivität deutlich steigern konnte, hinkt der Bau in weitem Abstand hinterher. Dennoch zögert die Branche weiter. Notwendige Konsequenzen, die diese Entwicklung stoppen könnten, wurden bislang kaum durchgesetzt. Wenn aber die Branche für die Herausforderungen der Zukunft – hier seien nur der Fachkräftemangel, steigende Rohstoffpreise, hoher Kostendruck oder neue Anforderungen an das Bauen als Beispiele genannt – gewappnet sein will, wird es notwendig sein, sich neu aufzustellen, um effizienter arbeiten und sich schneller an Veränderungen anpassen zu können: Digitalisierung als Voraussetzung für Produktivität und Innovationen.

Echte Digitalisierung heißt, bewährte Abläufe, Geschäftsmodelle und Strukturen zu durchdenken und neu aufzustellen. Schon früh hat sich die James Hardie Europe GmbH – damals noch als Fermacell GmbH – mit diesen Herausforderungen auseinandergesetzt und ist zu einem Vorreiter der Branche geworden. Im Fokus stehen dabei nicht nur unsere internen betrieblichen Abläufe, sondern vor allem unsere Kunden – Architekten ebenso wie der Verarbeiter oder der Fachhandel – die uns, geschult durch Amazon und Co mit ihren hohen Anforderungen an Einfachheit, Service, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit konfrontieren.

Wie wir den Alltag unserer Zielgruppen erleichtern

Auf Seiten der Baustoffindustrie ist sehr viel Detailwissen hinsichtlich technischer Lösungen vorhanden. Leider wird Wissen innerhalb aller am Bau Beteiligten oftmals noch analog, kompliziert und bruchstückhaft geteilt. Wir setzen konsequent darauf, die Möglichkeiten der Digitalisierung für moderne Kommunikation zu nutzen und Informationen zielgruppengerecht, einfach und jederzeit verfügbar zur Verfügung zu stellen. Dieser strategische Ansatz markiert einen Kurswechsel in unserer Kommunikation ebenso wie in der Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Haben wir bis dahin vor allem produktbezogen kommuniziert, so verfolgen wir jetzt einen anwendungsbezogenen Ansatz. Das Ziel war, den Kunden bei seinen Aufgabenstellungen abzuholen und ihm konkrete, auf den jeweiligen Anwendungsfall bezogene Lösungen vorzuschlagen. Statt der Informationen über Produkte und Zubehör haben wir damit die konkreten Herausforderungen, mit denen unsere Kunden vor Ort Tag für Tag konfrontiert sind, in den Fokus gestellt.

Digitale Planungstools für Planung und Anwendung

Wir zeigen unseren Kunden komplette Lösungs­pakete für ihre ­Probleme und unterstützen sie durch digitale Planungshilfen wie bspw. dem Bodenplaner.

Sämtliche Daten sind als Ausschreibungstexte verfügbar. Integrierte Links führen sofort zu den entsprechenden Produktdatenblättern, Broschüren und Handbüchern mit umfassenden Zusatzinformationen. Damit auch Verarbeiter in der gleichen digitalen Plattform arbeiten, liefert der Bodenplaner außerdem das passende 3D-Verarbeitungsvideo für dieses konkrete Projekt. Außerdem steht eine Mengenbedarfsrechnung zur Verfügung, welche die erforderlichen Materialmengen angibt. Die integrierte Händlersuche macht den Service schließlich komplett. Somit ermöglicht dieses digitale Tool das einfache und projektbezogene Arbeiten in einer Plattform für alle am Bauprozess Beteiligten.

Mit unserem webbasierten Brandschutzplaner können Fachplaner und Architekten auf Basis ihrer projektspezifischen Eingaben die notwendige Brandschutzbekleidung für Stahlträger und -stützen berechnen und erhalten eine individuell konfigurierte Brandschutzlösung inkl. Konstruktions- und Verarbeitungsinformationen. Dies beinhaltet z. B. die Dicke der Brandschutzbekleidung, Befes­tigungsmittel und -abstände, Fugenausbildung und Unterkonstruktion sowie die Ermittlung des Materialbedarfs. Integrierte Verarbeitungsvideos zeigen die Anwendung und Ausführung der Brandschutzkonstruktion. Auch bei diesem Tool können alle relevanten Zielgruppen gemeinsam in einer digitalen Cloud zusammenarbeiten.

Für die Planung von Wandaufbauten in ein- oder mehrlagiger Beplankung haben wir den digitalen Holzbauplaner entwickelt. In nur fünf Schritten können alle für die Konstruktion wichtigen Parameter eingegeben werden. Am Ende erhält der Anwender alle notwendigen Angaben zur Wandscheibenbemessung inkl. Stückliste, Angaben zu Art und Abstand der Befestigungsmittel sowie der benötigten Materialmengen und Formate.

Digitale Tools sorgen zudem dafür, dass die Lieferungen zur Baustelle just in time erfolgen können. Dies spart vor Ort Lagerplatz und -kosten sowie teure Arbeitszeit.

Systemlösungen für BIM

Unsere Systemlösungen sind auf der führenden Planungsplattform der Bauindustrie als BIM-Objekte (Building Information Modeling) inkl. aller relevanten Informationen zu Brandschutz, Schallschutz, Wandhöhe, Wanddicke usw. verfügbar. Darüber hinaus werden landes­typische Konstruktionen von 14 europäischen Ländern zu Verfügung  gestellt. Gleichzeitig sind wir mit unseren Kunden und Nutzern von BIM im engen Austausch, ermitteln deren Bedarf und versuchen gemeinsam, Lösungen für diese digitale Herausforderung zu entwickeln. Dabei werden auch die eigenen Prozesse optimiert bzw. erneuert.

Individuelle Vorfertigung und Digitalisierung

Die Digitalisierung ermöglicht für Haus- und Modulbauer wie auch für Bauzulieferer gleichermaßen die Fertigung von Unikaten in Großserie. Auch hier geht es darum, Effizienzpotentiale zu heben, indem alle Beteiligten die vorliegenden Daten in einer Plattform bearbeiten. Passgenaue individuelle Kundenwünsche, wie etwa objektbezogene Plattenzuschnitte, können direkt in der Produk­tion erfüllt und seriell gefertigt werden. Vorteile der seriellen Vorfertigung werden somit kombiniert mit kundenindividuellen Lösungen. Die Vorfertigung erleichtert die Ausführung vor Ort, spart Zeit und sorgt für eine deutliche Verkürzung von Bauzeiten mit entsprechend niedrigeren Kosten. Das birgt ein enormes wirtschaftliches Potential und bedeutet ein hohes Maß an Planungssicherheit – bei kleinen Bauvorhaben ebenso wie bei großen.

Potentiale für Produktinnovationen nutzen

Natürlich nutzen wir digitale Intelligenz auch für die Entwicklung unserer Produkte. Als Tochter eines global agierenden Baustoffkonzerns arbeiten wir hier intensiv mit Kollegen aus der Asia-Pazifik-Region oder den USA zusammen. Dies gibt uns die Möglichkeit, weltweit neue Architekturtrends frühzeitig aufzugreifen und in Produkt- sowie Prozessinnovationen für die regionalen Märkte zu übersetzen.

Aber wir haben uns auch die Frage gestellt: Wie kann die Digitalisierung genutzt werden, um den kreativen Gestaltungsprozess eines Gebäudes zu verbessern? In einem ersten Schritt haben wir dazu einen Fassadenkonfigurator entwickelt, mit dem sich Architekten, Hausbesitzer und Verarbeiter schnell und unkompliziert einen Eindruck von der Wirkung unserer Produkte verschaffen können. Wir können uns hier aber auch die gemeinsame Arbeit von Architekten aus unterschiedlichen Weltregionen an einem konkreten Thema, wie etwa dem Entwurf einer Fassade, vorstellen. Das Ergebnis bildet dann die Summe weltweiter Architekturtrends ab. 

Innovationen zur Veränderung der Baubranche

Unsere Vision ist es, den gesamten Planungs- und Bauprozess drastisch zu vereinfachen und zu beschleunigen, um Produktivitätspotentiale zu heben. Hierfür arbeiten wir an einem Konzept, mit dem wir zukünftig Gebäude digital spiegeln, um so ein reelles Bauvorhaben digital zu replizieren. Dies ermöglicht es uns, gemeinsam mit Architekten und Planern sowohl mit Design zu spielen als auch bspw. Wandaufbauten zu simulieren hinsichtlich Statik, Brand- und Schallschutzeigenschaften. Damit bieten sich neue Möglichkeiten der Bauplanung, Bau­überwachung und Qualitätssicherung. Dem Architekten eröffnet sich die Chance, Projekte in ihrer Gesamtheit über die Faktoren Kosten, Zeit und ästhetische Gestaltung bis hin zur Fertigstellung zu steuern. Und mehr als es in der Vergangenheit der Fall war, wird der Architekt damit künftig auch über die Auswahl von Baustoffen entscheiden. Diesen Anforderungen aus dem Markt möchten wir gerecht werden und diese Entwicklung zukünftig mitgestalten. 

Die Digitalisierung ist eine große Chance für alle am Bauprozess beteiligten Akteure. Sie wird in den nächs­ten Jahren entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu einer Vielzahl von Innovationen in der Baubranche führen und völlig neue Möglichkeiten der Gestaltung, Realisierung und Effizienz eröffnen. Cloud-Technologien machen neue Wege der Zusammenarbeit möglich. Dieser Prozess wird unsere gesamte Branche in Atem halten und zu spannenden Umbrüchen führen. Der Architekt wird dabei jedoch eines bleiben: eine kreative, innovative Instanz.

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