Die Sonne geht im Osten auf Brückenschlag zwischen Kunst und Technik auf der Bauhaus.Solar 2009

Wenige Wochen vor dem UN-Klimagipfeltrafen sich im Messezentrum Erfurt fast 300 Architekten und Ingenieure aus über zehn Nationen, um über Fragen einer klimagerechten Architektur zu diskutieren. Eingeladen hatten die Bauhaus Universität Weimar und der Verein SolarInput, der sich die Weiterentwicklung des Solarstandortes Thüringen auf die Fahnen geschrieben hat. Ganz im Zeichen des Bauhausgedankens widmete sich der Kongress als sozusagen neues Bauhaus des 21. Jahrhunderts einer Neupositionierung von Architektur im Zusammenklang mit den Schlüsseltechnologien der Zukunft.Internationale Architekten zeigten auf dem Kongress aktuelle Entwürfe und Projekte, bei denen die Solartechnik nicht additiv hinzugefügt, sondern als Bauelement zum integralen Bestandteil des Gebäudes wird. „Bauliche Strukturen müssen ganz neu gedacht werden,“ erklärte Brian Cody von der TU Graz und führte die Zuhörer mit seinem Beitrag „Form Follows Energy“ in die Zukunft einer energieeffizienten Bauweise.  „Business as usual is no longerpossible,“ meinte auch Annelie Kvick
Thompson vom Londoner Büro Grimshaw Architects und stellte Solarenergie in der
Architektur auf eine Stufe mit Erfindungen wie dem römischen Bogen, der Glühbirne oder dem Aufzug, die die Bautraditionen
ihrer Zeit revolutionierten. 

„Die Menschheit hat kein Energieproblem“, konstatierte Georg Krüger und legte in seinem Beitrag über LowEx-Archi

tektur den Schwerpunkt auf das „Wie“ anstatt auf das „Wieviel“. Für Gerhard J. Meyer von mk architekten geht es um eine grundsätzliche Weiterentwicklung von energie
effizienter Bauweise zu einer nachhaltigen Sichtweise von Architektur. In seinem Beitrag über die „Nachhaltige Kompetenz von
Architektur“ setzte er auf eine Architektur
der Zukunft, „die sich durch den Leitsatz „Form follows Quality“ charakterisieren
lassen wird.

Intensiv wurde diskutiert, wie sich Bestandsgebäude energetisch hochwertig

sanieren lassen. Schließlich verbrauchen
fast 15 Mio. Altbauten in Deutschland über 90 % der Energie im Wohnungssektor. Für Hinrich Reyelts von Reyelts Architekten sind dazu ganzheitliche energetische und gestalterische Gebäudekonzepte notwendig, in
denen Hülle und Konstruktion als energetisch aktive Bauteile gesehen werden, auch und gerade im Gebäudebestand.

Im interdisziplinären Dialog zwischen

Architekten und Planern einerseits und
Solarherstellern und Fachleuten aus der
Baubranche andererseits wurden Best
Practice Projekte und neue technologische Entwicklungen der Solarindustrie vorgestellt, von flexiblen Dünnschichtsystemen bis zu Feuchtluft-Solarkollektoren. Berichtet wurde auch über regionale und internationale Forschungsprojekte, wie eine Plusenergieschule in Rostock oder das Med Enec Projekt Aqaba Residence Energy Efficiency (AREE) von
Florentine Visser im Libanon. 

„Solare Städte sind die Motoren der Energiewende“, stellte Bernhard Stratmann als These in den Raum und gab in seinem Vortrag über die solare Stadt als Zukunftsmodell einen Einblick in neue urbane Lebensstile, die neben kommunaler Planung und technologischer Innovation für die gesellschaftliche Umsetzbarkeit des Wandels stehen. Eine unerwartete Symbiose von Städtebau und

Solarenergie prophezeite Willi Ernst von der Centrosolar Group: Als „Tankstellen“ für das E-Mobil der Zukunft sind PV-Fassaden in
völlig neuer Funktion denkbar.

Für Thüringen, dass als Teil des Solar Valley Mitteldeutschland zwar Weltmeister in der Produktion von PV-Elementen, aber leider noch Schlusslicht in deren Anwendung ist, stehen die Zeichen auf Veränderung: In der Region soll ein neues Zukunftsfeld für kommende Architektengenerationen ent

stehen: Auf Seiten der Bauhaus-Universität Weimar werden dafür zwei neue Junior-Professuren ausgelobt, bei denen Fragen der
Integration grüner Technologien in Design,
in die Architektur und das Bauingenieur
wesen im Mittelpunkt stehen sollen: Urban Energy Systems im Bereich Stadtentwicklung und Energy Bases Design im Bereich Architektur. Ein neues Institut ist ebenfalls in Planung. „Architekten und Designer müssen die Nachhaltigkeit ihrer Produkte von der Planung über die Konstruktion bis hin zum fertigen Gebäude von Anfang an mitdenken“, erklärte der Rektor der Bauhaus-Universität Weimar, Professor Gerd Zimmermann. Interdisziplinäres Teamwork und energieeffizientes Bauen seien jetzt schon an der Hochschule Pflicht.

Der Bauhaus.Solar Kongress soll als Markenzeichen für die Region auch in Zukunft die Verbindung von Architektur und Solarwirtschaft als nachhaltigen Impuls für zukunftsfähige Städte thematisieren.  Am

10. und 11. November 2010 wird die Solarmetropole Erfurt wieder zum Treffpunkt
von Architekten, Ingenieuren und der
Solarindustrie. 

Informationen: www.bauhaus-solar.de

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 2010-11

Die Zukunft des nachhaltigen Bauens Bauhaus.SOLAR 2010 am 10./11.November 2010, Erfurt

Bereits zum dritten Mal findet der internationale, interdisziplinäre Kongress Bauhaus.SOLAR vom 10. bis zum 11. November 2010 in ­Erfurt statt. Erstmalig wird in diesem Jahr der mit 15?000 Euro...

mehr
Ausgabe 2009-11

Form follows Energy Internationaler Kongress Bauhaus.Solar im November 2009

Wie passen Klimaschutz und Baukultur zusammen? Wie sollen Städte und Häuser im Zeitalter der Energiewende aussehen? Diesen und anderen Fragen widmet sich der Kongress Bauhaus.Solar, der vom 11. bis...

mehr

Call for Papers

Vorträge und Projekte für Kongress Bauhaus.SOLAR im November gesucht

Der 2. Internationale Kongress Bauhaus.SOLAR, der im November in Erfurt stattfindet, untersucht, wie die enormen technologischen Fortschritte in der Solartechnik für eine nachhaltige und ästhetische...

mehr

Energized Architecture

Bauhaus.SOLAR am 8./9. November 2011, Erfurt

Im November 2011 findet in Erfurt der 4. internationale, wissenschaftliche Kongress Bauhaus.SOLAR statt. Auf der vielseitigen und hochrangig besetzten Veranstaltung diskutieren Experten und...

mehr

Die Zukunft des nachhaltigen Bauens

3. Kongress Bauhaus.Solar 2010 am 10./11. November, Erfurt

Das langfristig angelegte Energiekonzept der Bundesregierung stellt höchste Anforderungen an den Bausektor: Bis 2050 soll der Energieverbrauch von Gebäuden um 80 % sinken. Besonders die praktische...

mehr