Denkmalschutz? Kein Hindernis!
BAK-Präsident möchte undemokratische Architektur abreissen; in Italien

Der Sommer in Deutschland ist heiß, Rekordtemperaturen lassen wieder an den Klimawandel und seine furchterregenden Szenarien glauben. Vielleicht nicht gerade furcht-, eher besorgniserregend erscheint da diese Meldung: Im Vorfeld der am 29. August beginnenden Architektur-Biennale 2010 in Venedig schlägt Prof. Arno Sighart Schmid, Präsident der Bundesarchitektenkammer, den Ab­riss und einen Neubau des deutschen Pavillons auf dem Biennale-Gelände in Venedig vor. Schmid: „Es wird Zeit, dass wir uns vom jetzigen Gebäude mit der ausgeprägt nationalsozialistischen Monumentalität verabschie­den.“ Was Herr Schmid unter „nationalsozialistischer Monumentalität“ versteht, lässt er offen, ebenso, wie er sich den Abriss eines Hauses vorstellt, das unter italienischem – nicht deutschem! – Denkmalschutz steht.

Unterstützung bekam er inzwischen vom Vorsitzenden des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler, Werner Schaub, der in Venedig endlich „reinen Tisch“ machen möchte. Ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die sich in der Vergangenheit mit diesem historisch tatsächlich belasteten und dafür umso interessanteren Bau auseinandergesetzt haben. Und der Anfang einer möglichen Reihe von „Weg damit Aktionen“, die zuletzt noch durch den Artikel des Büchnerpreisträgers Martin Mosebach in der FAZ Vorschub erhalten haben („Wider das heutige Bauen. Und wir nennen diesen Schrott auch noch schön“, FAZ vom 28. Juni 2010).

Widerspruch dagegen gibt es von der Kunsthistorikerin Susanne Gaensheimer, ­die den deutschen Biennale-Beitrag im kommenden Jahr kuratieren soll: „Ich bin eher dafür, historisch zu arbeiten, damit die Geschichte im Bewusstsein bleibt.” Die Vorschläge für den Abriss nannte sie dabei ein „ahistorisches Vorgehen“. Das aber scheint im Augenblick in Deutschland sehr en vogue zu sein. Endlich tabula rasa, endlich wieder von ganz vorne, endlich wieder … ja was denn?! Be. K.

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