Chipperfield trifft van der Rohe www.freunde-der-nationalgalerie.de, www.davidchipperfield.co.uk

„Sticks and Stones. Eine Intervention“ ist ein Prolog auf die denkmal-
gerechte Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin, die das Büro David Chipperfield Architects mit Beginn des Jahres 2015 durchführen wird (David Chipperfield & Alexander Schwarz für David Chipperfield Architects Berlin; Team: Thomas Benk, Martin Reichert, Ute Zscharnt; Graphik: John Morgan Studio, London). Den Universalraum der oberen Glashalle verwandelt der britische Architekt David Chipperfield (geb. 1953) für drei Monate in eine Säulenhalle aus 144 Baumstämmen.

Der Museumsbau von Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) beeindruckt auch Jahrzehnte nach Fertigstellung durch seine moderne Stringenz. Das scheinbar schwebende Stahldach wird von 8 außenliegenden Stahlsäulen getragen und ermöglicht so den stützenfreien Innenraum von 2500 m². Von dem englischen Kinderreim „Sticks and Stones may break my bones, but words will never hurt me“ leiht sich Chipperfield nur den eingängigen Anfang, um auf zwei wesentliche Elemente des Mies-Baus, aber auch der Architektur im Allgemeinen zu verweisen: Säulen oder Stützen („Sticks“) und Steine („Stones“).

Mit entrindeten Fichtenstämmen, die in dichtem Raster gestellt gut acht Meter hoch vom Granitfußboden zum Stahldachtragwerk reichen, lenkt David Chipperfield den Blick auf Grundfragen des Bauens. Visuell ihrer statischen Funktion entledigt, werden Mies van der Rohes Dachstützen gleichermaßen zum Exponat. Zwischen den Stämmen und den Stützen, zwischen Natur und Architektur spannt sich ein Feld, das die Kulturgeschichte der Säule umfasst. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Restaurierung der Neuen Nationalgalerie ist der Stützenwald zugleich eine Verneigung vor Mies van der Rohe und eine Metapher für die kommende Baustelle.

Den Besuchern dieser begehbaren Installation bietet sich ein Raumerlebnis mit stark assoziativer Kraft. Im Mittelpunkt des Stützenwaldes befindet sich eine „Lichtung“, ein quadratischer, 200 m² großer Platz, wo architekturbezogene, interdisziplinäre Veranstaltungen stattfinden werden, u.a. das Festival of Future Nows von Olafur Eliasson und dem Institut für Raumexperimente der UdK Berlin. Wir werden ausführlich berichten.

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