Brauchen wir ein Bundesbauministerium?

Unsere Welt befindet sich in einer Pandemie und hat mit den immer stärker auftretenden Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Diese Problematiken lassen auch die Baubranche nicht unberührt, denn sie zeigen Defizite auf, die sich über Jahrzehnte beispielsweise und sehr offensichtlich in den monofunktionalen Innenstädten etabliert haben. Angesichts der allerdings zu bewältigenden Aufgabenstellungen wurde die Frage, ob wir zu deren Bearbeitung nicht ein eigenständiges Bundesbauministerium brauchen, in letzter Zeit kontrovers diskutiert.

Geschichte und Hintergründe

Um die Hintergründe zu verstehen, sollten wir zunächst einen Blick in die Vergangenheit des Ministeriums werfen. Die Geschichte des Bundesbauministeriums beginnt nach dem Zweiten Weltkrieg, wo im Jahr 1949 im Zuge des Wiederaufbaus die Gründung des Bundesbauministeriums, damals noch unter dem Namen Bundesministerium für Wiederaufbau, liegt. Das klare Ziel des Ministeriums war – der Name sagt es bereits – der Wiederaufbau und die Produktion von Wohnraum. Darauf folgten Jahrzehnte, in denen das Ministerium mehrmals seinen Namen änderte bis es 1998, durch eine Fusion mit dem Bundesverkehrsministerium, seine Eigenständigkeit verlor. Heute wird alles, was mit der Frage des Bauens zu tun hat, unter dem großen Dach des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) konzentriert. Die Aufgaben des Ministeriums sind weit gespannt und reichen von Bevölkerungsschutz über Integration und Sportförderung bis hin zu Sicherheitsaufgaben. Kurz gesagt, alles was mit Innenpolitik zu tun hat. An dieser Stelle kommt berechtigterweise die Frage auf, ob das Thema Bauen angesichts der vermeintlich vordringlicheren Themen, die es zu behandeln gilt, in diesem Ministerium nicht zu sehr in den Hintergrund rückt.

Es besteht Handlungsbedarf

Die aktuelle Situation fordert jedoch ein entschiedenes Handeln. Die Pandemie hat aufgezeigt, dass unsere Städte in Krisenzeiten große Defizite aufweisen. Die Menschen vereinsamen in reinen Wohnquartieren, in denen weder eine soziale noch eine Nutzungsmischung stattfindet. Bürogebäude verlieren ihren Wert aufgrund von Home-Office, Leerstand in besten Wohnlagen droht, während an anderer Stelle das nächste monofunktionale Wohnquartier entsteht. Diese Bauten, auch ganze Quartiere so nachhaltig wie möglich zu gestalten, mag ein sinnvolles Vorhaben sein, doch das wahre Potential steckt in dem, was bereits da ist. Durch kleinteilige Eingriffe in den Bestand kann eine Nutzungsmischung stattfinden, die wiederum die „Stadt der kurzen Wege“ möglich macht. Bei der Ballung von Menschen in den Metropolen und einem damit verbundenen Anteil von 80 % an Ressourcenverbrauch und CO2-Ausstoß, wäre das ein wichtiger Schritt zum Erreichen der von der Bundes­regierung selbstgesteckten Klimaziele.

Zusammen mit einem zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr sollte Fahrradfahren und Zufußgehen attraktiver werden, die Zukunft verspricht weniger Stress auf den Straßen, weniger Feinstaub, weniger Lärm, weil mehr Car-Sharing und weniger eigene Autos. Möglicherweise wird das Auto überhaupt überflüssig?! Zudem müssen wir anfangen, den Bestand als ein Rohstofflager zu sehen, das es zu pflegen und in eine Kreislaufwirtschaft zu überführen gilt. Wichtige Schritte, um dies zu erreichen, wären ein Ressourcenausweis für den Bestand, neue Richtlinien für Deponien und eine weitgehende Förderung von Sanierungsvorhaben.

Wir sind weit über den Punkt hinaus, an dem eine „Plattmachen und neu Bauen“-Mentalität gerechtfertigt ist. Wenn man nun jedoch einen Blick auf das Programm des BMI wirft, wird das „Bauen im Bestand“ nur sehr vage angesprochen, meist geht es um „Aufwertung und Umbau“, das kann auch vorrangig Neubau sein (s. bspw. das „Städtebauförderprogramm 2021“). Gebäude generell werden nach Kriterien der Nachhaltigkeit kategorisiert, auch hier ist ein Umgang und Weiterbauen mit dem Bestehenden lediglich angedeutet, aber keinesfalls programmatische Mitte.

All diese Aspekte müssen am Ende zu der Erkenntnis führen: Nein wir brauchen kein Bauministerium! Was wir brauchen ist ein Umbauministerium, das sich um den Erhalt von Bestandsbauten kümmert, deren Sanierung und Umstrukturierung angeht. Das sich im städtebaulichen Maßstab der Aufgabe annimmt, eine sozial- und nutzungsgemischte Stadt zu erreichen, die darüber hinaus über genügend Grünflächen für Freizeit, aber auch als Versickerungsflächen, bietet; das im überregionalen Kontext für einen zuverlässigen Nahverkehr sorgt, um ländliche Regionen unabhängig vom Individualverkehr an die Städte anzubinden.

Eines sollte durch die aktuellen Krisen doch jedem klar geworden sein: Wir brauchen weitreichende Eingriffe und Umstrukturierungen in unseren Städten und ein Ministerium mit dem Mut und nicht zuletzt der Entscheidungskompetenz, diese politisch zu übersetzen und in nächster Zukunft schon zu realisieren. Kim Krück

www.bmi.bund.de
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