„BIM-ready“– ein Blick aus der IT-Perspektive

Um BIM zu implementieren, benötigen Sie eine Strategie, auch eine IT-Strategie. Zu den vier Säulen der Implementierung gehören: Menschen, Prozesse, Richtlinien und Technologie.

Viele Büros stehen vor der Aufgabe, ihre Projekte gemäß BIM-Planungsmethode umzusetzen. Oft gibt es viele Fragen bzgl. der notwendigen Maßnahmen und gerne wird auf die „4 Säulen“ erfolgreicher BIM Implementierung verwiesen (People, Process, Policies & Technology). Aber andersherum könnte man spitz formulieren: Wo ist das denn nicht so? Wo sind nicht Menschen, Prozesse, Richtlinien und Technologie die entscheidenden Faktoren? Fakt ist, dass diese „Handlungsanweisung“ für viele Entscheider noch zu abstrakt ist.

Welche Werkzeuge, welche Hardware oder welche Software sind die „richtigen“? Und so unbefriedigend die Antwort erscheinen mag, lautet die einzig vernünftige hier an dieser Stelle: „Es kommt darauf an“. Es kommt darauf an, wie ihr Büro sich hinsichtlich der 4 Säulen aufgestellt hat – unabhängig von BIM.

Konkret: Erst wenn die Änderungsideen und -wünsche an Menschen, Prozesse und Richtlinien (halbwegs) entwickelt sind, kann die Technologie unterstützend mitkonzeptioniert werden. Natürlich geht es auch andersherum: Man sucht sich eine Technologie aus, z. B. eine besondere CAD-Umgebung oder ein spezielles Betriebssystem, und lässt dann alle weiteren Entscheidungen folgen. Doch ist diese technologische Betrachtung sehr singulär und oft entstehen unnötige Hemmschwellen bei der Implementierung neuer Prozesse, die damit einhergehen.

1. Säule: Menschen

Meines Erachtens muss seitens der Geschäftsführung der Wunsch nach Veränderung der Prozesse bestehen. Dies muss nicht immer auf empirischen Studien und klar darlegbaren ROIs basieren – es reicht der Wunsch / das Gefühl, dass sich etwas tun muss. Aber dieser Wunsch und dieses Interesse muss klar in den Köpfen der sogenannten „Entscheider“ verankert sein. Es genügt nicht, einen Experten zu holen, der dann in einem Kurzvortrag diverse Vorzüge neuer Methoden präsentiert und dann alle sechs Monate zum Report geladen wird. Es ist wichtig, sich der unternehmerischen Verantwortung bewusst zu sein, neue Wege zu gehen und dabei nicht das Team oder Teile davon links liegen zu lassen.

Wenn man die Mitarbeiter einbindet und fragt, was 2 – 3 Dinge sind, die verbessert werden könnten, dann reicht das oft schon für einen konstruktiven Dialog. Vielleicht startet man mit einer provokativen Frage: „Wenn wir morgen die Emails abschaffen würden, wärt ihr dann produktiver?“ Wichtig ist natürlich, ein wenig Raum dafür zu schaffen und das Feedback zu kanalisieren. Das Ziel muss klar sein: Wollen wir mehr Geld verdienen, wachsen, einfach nur schneller oder effizienter werden? Nicht jedes Ziel wird gleich gut ankommen, aber man sollte versuchen, hier Klarheit zu haben. Denn nur wenn man den Teams das Ziel einer BIM-Implementierung kommunizieren kann, wird man auf Akzeptanz stoßen – und auch nicht bei jedem –, aber das wäre vermutlich zu viel verlangt.

2 .Säule: Prozesse

Wer aus der Programmierung kommt, der weiß, dass sich fast alle Prozesse beschreiben lassen. Häuser planen, errichten und betreiben ... Manche Prozesse sind komplexer, d. h. sie beinhalten mehr Abhängigkeiten und eine größere Anzahl von Knoten (systemisch betrachtet). Manche sind verschachtelt und vererben gemeinsame Eigenschaften. Die Kunst besteht darin, diese „vom Groben ins Feine“ herunterzubrechen. Dafür kann man sich Hilfe holen (z. B. Programming / Prozess­visualisierung / BPMN [Anm. d. Red.: Business Process Model and Notation ist eine grafische Spezifikationssprache in der Wirtschaftsinformatik und im Prozessmanagement] ...) oder man versucht es erstmal selbst. Was wollen wir eigentlich machen (z. B. Pläne drucken) und was machen wir tatsächlich (Toner bestellen, Papierstau entfernen, falsche Druckeinstellungen nutzen, ...“). Die diversen Mantren der Selbstoptimierung bzw. des Zeitmanagements (GTD (Getting Things Done) etc.) in Kombination mit modernen Prozessvisualisierungstechniken und sogar Management-Methoden wie KANBAN und Agile liefern zahlreiche Ansätze hierfür. Insbesondere wenn wir uns als Architekten die Zeit vor Augen führen, die wir mit dem (CAD-gestützten) Zeichnen und Versenden von Emails verwenden, bieten sich hinreichend Möglichkeiten, wie man im Büro „mehr Zeit für das Wesentliche“ haben kann, den „busy is the new stupid“, wie Bill Gates jüngst vortrefflich feststellte. Und das sollte das Ziel sein: Prozesse (also auch deren Anfang und Ende) klar und verständlich zu beschreiben.

3. Säule: Richtlinien

Richtlinien kommen nicht gut an. Da schwingt immer etwas Autoritäres mit, das in die moderne „Office-Landschaft“ so gar nicht reinpassen will. Auch der „Rechthaber“ ist kein gern gesehener Kollege und noch schlimmer die „Aufpasser“, die schauen, ob Richtlinien auch eingehalten werden.

Gleichzeitig wird jeder, der sich selbst einmal ein klares Ziel (s. „Prozesse“) gesetzt hat und dieses dann – vielleicht mit einfachen Mitteln – in die Tat umgesetzt hat, bescheinigen, dass dies ein recht befriedigendes Erlebnis sein kann.

Beispiel:

Ziel: 5 kg abnehmen (vorangegangen war eine Prozessanalyse „Gewichtszunahme“ und deren genaue Abhängigkeit)

Richtlinie: Gesündere Ernährung für zwei Monate und ein bisschen mehr Bewegung.

Eigentlich ganz einfach. Jeder, der das schon mal geschafft hat, wird bescheinigen: „ein tolles Gefühl“. In der Arbeitspraxis machen wir das eher selten. Dinge ansprechen, die unangenehm sind, wenn auch offensichtlich (wir verschwenden unsere Zeit) und klare Handlungsanweisungen ableiten, wie man wieder Herr der Lage werden kann (Pläne aus dem BIM-Modell ableiten und nicht mehr zeichnen) – und die Erfolge dann auch feiern (Planableitung funktioniert!).

Richtlinien helfen dabei, Qualität sicherzustellen. Sie helfen dabei, dass neue Kollegen sich besser und schneller zurechtfinden, sie können den Dia­log fördern, wenn Mitarbeit gefordert und belohnt wird. In anderen Industrien sind sie nicht wegzudenken. Beim Architekten sind sie oft nicht vorhanden oder stiefmütterlich behandelt (CAD­- Standards, Projekthandbuch etc.). Ihre Umsetzung ist jedoch maßgeblich für den Erfolg und Misserfolg von Projekten (s. Projektmanagement Bücher DVP Verlag). Auch BIM-Prozesse benötigen klare Rollen, Rechte und Richtlinien, damit die gemeinsame Zusammenarbeit funktioniert.

4. Säule: Technologie

In der IT gibt es auch Richtlinien, sogenannte Group Policies Object (GPO). Diese ermöglichen es, zentral (auf die IT-Infrastruktur bezogen) Rechte und Dienste zu verwalten. Beispiele: Es können Passwortrichtlinien gesetzt werden, Nutzer können sich ihren Arbeitsplatz frei wählen, Software kann zentral bereitgestellt werden – alles praktische Sachen, wenn ich kein 1-Mann Betrieb bin. Und selbst dann lohnt es sich.

Ich bin ein großer Freund von GPOs (s.o.): Denn auch mit ihnen können IT-seitig Qualitäten gesichert werden. Hier sieht man auch, dass die Unternehmensphilosophie eng mit der IT-Landschaft zusammenhängt. Im Idealfall entsprechen sie sich.

Für das Verteilen von GPOs braucht man einen Server, einen sogenannten Domänencontroller , um genau zu sein. In Zeiten von Cloud Computern kann ich mir aussuchen, ob ich einen Server in meinen Keller stelle und darauf einen Dienst (Service) ausführe (z. B. Domänencontroller) oder ob ich mir die lästige Anschaffung, Unterhaltung, Pflege und Wartung der Hardware spare und den Dienst einfach miete. „There is no cloud, it is just somebody else’s computer”. Dieses „Abwandern“ von Diensten in die Cloud ist zu einem der größten wirtschaftlichen Motoren unserer Zeit geworden: Amazon verdient mehr Geld mit dem Angebot der Amazon Web Services (AWS) als mit dem Versand von Waren.

Es gibt fast nichts mehr, was wir nicht virtualisieren können: Unsere PCs, unsere (CAD-)Software, unsere gesamte Serverinfrastruktur. Software-as-a-service (SAAS) und Infrastructure-as-a-service (IAAS) sind hier die zwei weit verbreitetsten Konzepte. Cloud-CAD wie schon in anderen Industriezweigen ist auf dem Vormarsch und man ist gut beraten, sich mit den Möglichkeiten der Cloud auseinanderzusetzen. Denn wer vernetzt arbeitet, nutzt die Cloud. Und BIM ist eine Arbeitsweise, die vernetzte Software nutzt. Beim Cloud-Computing gibt es – gerade für kleine Büros – viele Möglichkeiten, mit klaren Fix-Kosten, schnell und flexibel handlungsfähig zu sein. Für Architekten sind insbesondere auch Hybrid-Cloud-Konzepte, also Mischformen von eigener / bürointerner Hard- und Software (sogenannter On-premise) mit Cloud-Angeboten interessant, da wir in Deutschland noch keine Breitbandversorgung haben, die eine komplette Virtualisierung aller Büroprozesse zuließe – zumindest nicht im finanziell angemessenen Rahmen.

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