1. Deutscher Kongress für Absturzsicherheit www.DBZ.de, www.bauhandwerk.de, www.facility-management.de, www.this-magazin.de

85 tödliche Unfälle und 102 333 verunglückte Beschäftigte in der Bauwirtschaft verzeichnete die BG BAU im Jahr 2015. Die häufigste Todesursache waren Abstürze etwa von Dächern oder Baugerüsten. Jeder einzelne Tote und Verletzte ist einerseits zu viel, andererseits zwingender Grund, sich die Arbeitsunfälle am Bau zu verdeutlichen und die Unfallursachen zu hinterfragen und daraus Maßnahmen zur Absturzsicherheit abzuleiten.

Mit dem 1. Deutschen Kongress für Absturzsicherheit hat der Bauverlag mit seinen Fachzeitschriften DBZ Deutsche BauZeitschrift, bauhandwerk, tHIS und FM Facility Management am 9. und 10. November 2016 in Frankfurt a. M. einen zweitägigen Kongress mit etwa 130 Teilnehmern durchgeführt. Ziel des Kongresses: Für die Absturzsicherheit zu sensibilisieren und Sicherheit bei der Einschätzung und Beurteilung von Maßnahmen zur Absturzsicherung zu geben.

Absturzsicherheit ist Teil des Gesamtprozesses „Planen, Bauen und Betreiben“. Damit gehört das Thema eben nicht nur zum klassischen Roh- und Ausbaubereich, sondern ist zwingend Teil des Planungsprozesses auch bei Architekten und planenden Bauingenieuren.

Der erste Tag des Kongresses beschäftigte sich mit den allgemeinen Grundlagen und Erfordernissen der Absturzsicherheit bei Bauvorhaben bzw. Gebäuden. Dazu gehört, dass Sicherungssysteme den höchsten Sicherheitsnormen nach europäischen Richtlinien, nationalen Gesetzen und Regelungen, bauaufsichtlichen Anforderungen der Länder, Technischen Regeln sowie den Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft entsprechen, dass mit ihnen geplant wird und dass sie in der Praxis eingesetzt werden.

„Überzeugungsarbeit leisten für einen europaweit hohen Standard“ war das Thema von Dr.-Ing. Marco Einhaus, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), der in der Einführung mit aller Vehemenz die Bedeutung des Themas für alle an den Bauprozessen Beteiligten herausstellte und den Kongress als die Möglichkeit einschätzte, eine Sensibilisierung für dieses Thema bei allen Planungsbeteiligten herbeizuführen.

Weitere Vorträge behandelten die Themen:  „Kollektive Schutzmaßnahmen – Was heißt das eigentlich und welche Möglichkeiten stehen zur Verfügung? – Werkplanung durch die Hersteller“, „Ästhetische Architektur trotz oder mit Absturzsicherung“, „Absturzsicherung in Planung und Bewirtschaftung bei der Fraport AG, Frankfurt“, „Regeln und Verpflichtungen für Wartung und Instandhaltung“ und „Das richtige Konzept für Verkehrswege auf dem Flachdach“.

Den 1. Tag beendete Rechtsanwalt Norbert Küster mit seinem Beitrag „Juristische Absturzsicherung: Pflichten der Beteiligten zur Absturzsicherung“. Anforderungen an Bauwerke zur Absturzsicherung stellen die Landesbauordnungen (die aber durchaus unterschiedliche Anforderungen haben), was sich aber nur auf Neubauten bezieht. „Daher gilt es, die vielfältigen Wechselbezüge zwischen den Schutzzielen von Straf- und Zivilrecht, von Arbeitsschutz- und allgemeinem Haftungsrecht zu berücksichtigen“ war sein
Resümee.

Der 2. Tag des Kongresses war der „Praxis-orientierung zur Absturzsicherheit“ gewidmet. Mit Vorträgen zu den Themen: „Sicherheit mit System – Absturzsicherung im Gerüstbau leicht gemacht“, „Schalung“, „Absturzsicherheit im Alltag eines Bauunternehmens“, „Kräne als Absturzsicherung“ sowie „PSAgA – Normen, Trends und Praxisbeispiele – Erfahrungen aus Absturzunfällen“.

Einer, der immer Risiken eingeht, es aber versteht, Risiken kalkulierbar zu machen, einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu treffen, ist der Unternehmer Jochen Schweizer. Mit seinem Vortrag „Risiken eingehen, Angst überwinden, Grenzen überschreiten“ zeigte er eindrucksvoll auf, wie wichtig die richtige Einschätzung der Gefahrenlage und die erforderlichen Maßnahmen zur Minimierung der Gefahrenlage auch im Sport- und Freizeitbereich sind und wie diese auch auf die Anforderungen auf der Baustelle wie im Betrieb eines Gebäudes übertragbar sind.

Der 1. Deutsche Kongress für Absturzsicherheit hat mit Vorträgen aus der Praxis im Sinne von Best-Practice-Beispielen aufgezeigt, welche Bedeutung Absturzsicherheit beim Bauen, bei der Wartung oder der Pflege hat. Alle an der Planung, der Ausführung von Absturzsicherung Beteiligten wie Sachverständige, Sicherheits- und Gesundheitskoordinatoren (SiGeKo) und die herstellende Industrie von Absturzsicherungssystemen und -produkten haben auf dem 1. Deutschen Fachkongress für Absturzsicherheit die Kommunikations- und Dialogplattform zur Diskussion nach Einschätzung aller Teilnehmer an dem Kongress wichtige Antworten und Denkanstöße gefunden. Das Thema „Absturzsicherheit“ geht jeden etwas an und gehört schon in die Anfänge des Planungsprozesses von Architekten und Ingenieure, also schon in die „Phase 0“. Daher wird auf dem nächsten Kongress für Absturzsicherheit der Planungsprozess deutlicher Schwerpunkt werden. BF

Thematisch passende Artikel:

Fachkongress zur Absturzsicherheit

Der 2. Deutsche Fachkongress für Absturzsicherheit in der BMW Welt in München war ein voller Erfolg

Vom 16. und 17. November fand der 2. Deutsche Fachkongress für Absturzsicherheit in München mit über 200 Teilnehmern statt. Einmal mehr wollte der Fachkongress für die richtigen...

mehr
Ausgabe 2018-01 Absturzsicherheit

Der 2. Deutsche Fachkongress für Absturzsicherheit in München war ein voller Erfolg www.bauverlag-events.de/absturzsicherheit

Absturzsicherheit ist Teil des Gesamtprozesses „Planen, Bauen und Betreiben“. Damit gehört das Thema nicht nur zum klassischen Roh- und Ausbaubereich, sondern ist zwingend Teil des...

mehr

Schadstoffe als Markt

Kongress-Messe DCONex für die Sanierungsbranche vom 24. bis 25. April 2009, Augsburg

Bei der DCONex, der neuen Kongress-Messe der Sanierungsbranche steht vom 24. bis 25. April 2009 das Thema Schadstoff-Management im Fokus. Mit den Schwerpunkten Analyse, Sanierung, Abbruch und...

mehr
Ausgabe 2010-01

Energieeffizienz im Gebäudebereich Kongress der Bundesvereinigung Bauwirtschaft in Berlin

Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz vorge­nommen, bis 2020 den Passivhausstandard generell umzusetzen. Damit nimmt Deutschland in Europa eine Vorreiterrolleein. Was jedoch ist wirtschaftlich und...

mehr