BDB Student:innen-Förderpreis 2026: Mit dem Wasser planen und bauen

Zum 24. Mal hat der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e. V. seinen Student:innen-Förderpreis ausgelobt. Der traditionsreiche Nachwuchswettbewerb würdigt herausragende Studienarbeiten aus Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Bauingenieurwesen und unterstützt junge Planerinnen und Planer auf ihrem Weg in die Praxis. Der alle zwei Jahre vergebene Preis zählt damit zu den etabliertesten Auszeichnungen für den Nachwuchs im Bereich des Planens und Bauens.

Ganz sicher ist es keinem Zufall zu verdanken, dass das Thema in diesem Jahr „Mit dem Wasser Planen und Bauen“ lautete. Klimawandel und gleichzeitige Überbeanspruchung einer der überlebensnotwendigen Ressourcen unseres Planeten verlangen nach Lösungsvorschlägen, die auch von Planerinnenseite kommen müssen. Gesucht wurden also Studienarbeiten, die beispielhafte, nachhaltige und integrative Lösungsansätze im ­Umgang mit Wasser entwickeln — sei es in Architektur und Innenarchitektur, im Ingenieur- und Tragwerksbau oder in landschaftlichen und städtebaulichen Konzepten. Willkommen waren dabei ausdrücklich auch Arbeiten, die das Planen am, auf oder unter dem Wasser in den Blick nehmen und neue Perspektiven auf die Beziehung zwischen gebautem Raum und aquatischer Umwelt eröffnen.

Die Resonanz war wieder einmal beeindruckend: Mehr als 150 Einreichungen von über 60 Universitäten und Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, wie intensiv sich Studentinnen und junge Absolventen mit den Herausforderungen und Chancen des Bauens im ­Zeichen von Klimawandel, Wasserknappheit, Hochwasserschutz und darauf angepassten Infrastrukturen auseinandersetzen.

Die Jury tagte im März 2026 auf einer Wasserkante: in der HafenCity Universität Hamburg. Ihr gehörten an Prof. Dr.-Ing. Annette Bögle, Vizepräsidentin der HafenCity Universität Hamburg, Prof. Antje Stokman, Prof. Dott. Paolo Fusi, Anas-tasia Pusch, Preisträgerin des BDB Student:innen-Förderpreises 2024, BDB-Präsident Dipl.-Ing. Christoph Schild, Jonathan Heid, Architekt und BDB-Sprecher Junges Netzwerk, sowie der Autor dieses Textes, Benedikt Kraft, stellvertretender Chefredakteur der DBZ.

Nach intensiven, auch kontrovers geführten Diskussionen innerhalb der Jury markierte diese am Ende drei Preise, zwei Sonderpreise und zwei Anerkennungen. Der BDB Student:innen-Förderpreis 2026 ist mit insgesamt 5 200 € dotiert, eine Summe, die auf Preisträgerinnen und Anerkennungen entsprechend aufgeteilt wurde.

In der Kategorie Gebäude wurde Alicia Meier von der TU Delft für ihre Masterarbeit „Can Aigua“ ausgezeichnet. Mit ihrem Entwurf eines Badehauses für die Bewohnerinnen von Valldemossa auf Mallorca formuliert sie eine architektonische Antwort auf zunehmende Wasserknappheit. Architektur ist hier nicht hydrophobe Barriere, sondern Schwamm — ein System, das Wasser aufnimmt, speichert und in räumliche, soziale und ökologische Zusammenhänge einbindet.

In der Kategorie Ingenieurbau/Konstruktion erhielt Luis Navarro Preuß von der Uni Innsbruck den BDB Student:innen-Förderpreis 2026 für seine Diplomarbeit „SUFES – symbiotic urban floating energy storage“. Das Projekt entwickelt eine schwimmende Energieinfrastruktur, die elektrische Energie speichert, indem sie ihre Höhenlage im Wasser verändert. Die Arbeit verbindet ingenieurtechnische Präzision mit einem zukunftsgerichteten Verständnis von Energie, Infrastruktur und städtischen Wasserräumen.

In derselben Kategorie wurde Linus Starmann von der TU Braunschweig für seine Arbeit „boi breem 90.0“ ein Sonderpreis zugesprochen. Sein experimenteller Entwurf einer schwimmenden Hafenboje als globaler Container-Umschlagplatz mit KI-gesteuerter Logistik und automatisierten Systemen versteht sich weniger als unmittelbar rea­lisierbares Bauprojekt denn als kritischer Beitrag zu Klimawandel und Geopolitik sowie der Frage, wie weit der menschliche Einfluss auf globale Systeme bereits reicht.

In der Kategorie Landschafts- und Städtebau wurde Leonie Hartung von der UdK Berlin mit dem BDB Student:innen-Förderpreis 2026 ausgezeichnet. Ihre Masterarbeit „The River and the Risk“ befasst sich mit Hochwasserschutz und räumlichen Gestaltungsmöglichkeiten im Ahrtal nach der Hochwasserkatastrophe von 2021. Auf Grundlage umfangreicher Vor-Ort-Recherchen entwickelte sie fünf Zukunftsszenarien für das Tal. Die Arbeit begreift das Risiko der Flut nicht als Ausnahmezustand, sondern als langfristige Gestaltungsaufgabe.

In derselben Kategorie erhielt Enrico Bischoff von der TU Dresden einen Sonderpreis für seine Bachelorarbeit „Wasser in der Stadt – eine akus-tische Annäherung“. Die Arbeit untersucht die Brunnen Dresdens als räumliche und akustische Phänomene und entwickelt daraus eine eigenständige Annäherung an den Stadtraum als Klangkörper. In sorgfältig gestalteten Booklets sowie einer darauf aufbauenden Installation verbindet der Verfasser Recherche, zeichnerische Analyse und entwurfliche Übersetzung.

Anerkennungen in der Kategorie Landschafts- und Städtebau gingen an Lisa Engel und Kristin Rodemann von der TH Ostwestfalen-Lippe für ihre Projektarbeit „Schutz schafft Raum zum Leben: Gestaltung als Brücke statt Wasser als Grenze“ sowie an Carmina Henzler Carrascal von der UdK Berlin für ihre Masterarbeit „Rosa Rohre – Eine Reaktivierung des Neuköllner Wasserturms“.

Alle ausgezeichneten Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig, kritisch, aber auch lösungs­orientiert sich die junge Generation von Planerinnen mit dem Thema Wasser auseinandersetzt. Das reicht von konkreten architektonischen und landschaftsplanerischen Interventionen über inge­nieurtechnische Zukunftsmodelle bis hin zu künstlerisch-forschenden Annäherungen an den Stadtraum. Gemeinsam machen sie deutlich: Wasser ist längst nicht nur eine Randbedingung des Bauens, es ist ein zentraler Ausgangspunkt für die Gestaltung resilienter, nachhaltiger und lebenswerter Räume.

Die Preisverleihung findet am 5. Juni 2026 im Rahmen des „HCU x BDB-Dialogs 2026“ an der HCU Hamburg statt. Dort werden die prämierten Nachwuchsplanerinnen ihre Ideen und Projekte einem interdisziplinären Fachpublikum vorstellen.

Benedikt Kraft/DBZ

www.baumeister-online.de

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