Baustoffbibliothek in München
Als ich das erste Mal über Harvest Maps schrieb, im Dezember 2011 war das, ließ ich den Beitrag enden mit „Wann, werte Kollegen, zeichnen Sie Ihre erste Harvest Map und beginnen von dort mit der Planung?“ Zwar gibt es derartige lokale Verzeichnisse bis heute in Deutschland nicht oder nur rudimentär bzw. nur in kommerziellen Datenbanken wie Madaster, doch das Bewusstsein für die Notwendigkeit solcher Bauteile- und Baumaterialverzeichnisse wächst. Denn: Mehr als 500 Mio. Tonnen Rohstoffe verbraucht allein die deutsche Baubranche jährlich für Gebäude, für Infrastruktur. Und sie ist zugleich Hauptverursacher von Abfällen. Hierzu hat sich die Landeshauptstadt München im Rahmen ihrer Zero Waste Strategie das Ziel gesetzt, eine Baustoffbibliothek zu etablieren. Erstellt wird der Pilot eines Gebäudematerialkatasters von der EPEA GmbH – Part of Drees & Sommer und Madaster Germany.
Der Bausektor ist für die Landeshauptstadt nur einer von vielen, doch ein Eingriff hier in das bis heute praktizierte lineare Wirtschaften ist ein wirkungsvoller. Dem Referat für Klima- und Umweltschutz der Stadt München zufolge verbraucht die Stadt jährlich rund 47 Mio. Tonnen Rohmaterialien, davon rund 60 Prozent allein im Bauwesen und in der Infrastruktur. In der aktuellen Materialerfassung wird aufgezeigt, dass im Untersuchungsgebiet mehr als 4,4 Mio. Tonnen Beton, über 200 000 Tonnen Metalle sowie zahlreiche weitere Baustoffe verbaut sind. Die Stadt erhofft sich, dass mit weiteren Projekten der Recyclinganteil in der Stadt signifikant erhöht werden kann.
Öffentliche Wettbewerbe (auch in München) berücksichtigen das Bestandsmaterial noch zu wenig. Sind wir hier in weiteren 15 Jahren wenigstens ein Stückchen weiter? Be. K.
