Architekturstudiengang in
Wuppertal hat Zukunft?
Der Studiengang Architektur der Bergischen Universität Wuppertal stand Ende letzten Jahres unter dem Einspardruck des Landes Nordrhein-Westfalen und drohte eingestellt zu werden. In unserer diesjährigen Zukunft-Ausgabe (DBZ 1/2 2026) haben wir über die interdisziplinären und disziplinären Konflikte zwischen Rektorat und Fakultät sowie über mögliche Lösungen berichtet. Nach großem internen und externen Druck hat eine dafür berufene Arbeitsgruppe nun eine Lösung für den Erhalt des Studiengangs gefunden. Ende März stimmte der Fakultätsrat für die Neuausrichtung des Studiengangs. Eine studentische Beteiligung blieb aus.
Nun ist es überraschenderweise genauso so gekommen wie prognostiziert. Zwar scheint der Studiengang zunächst „gerettet“, die ab dem WS 28/29 eintretenden Veränderungen sind dennoch tiefgreifend. So sollen im Bachelor weniger Studienplätze angeboten und die Modulgrößen vereinheitlicht und zusammengelegt werden. Der gewünschte engere Bezug zum Bauingenieurwesen ist im Lehrplan vorgesehen und notwendig, um die 180 Leistungspunkte für den Bachelor-Abschluss zu erreichen: Studierende werden künftig etwa ein Drittel dieser Leistungspunkte in anderen Studiengängen absolvieren müssen.
Auch die bis 2035 auslaufenden sechs Professuren werden, wie erwartet, nicht nachbesetzt. Der gegenüber der DBZ zum Ende des letzten Jahres geäußerte Wunsch von Rektorin Dr. Birgitta Wolff, eine Stiftungsprofessur einzurichten, wird voraussichtlich vom BDA erfüllt. Geplant ist diese neue Professur im Fach Bauphysik. Nun muss der umgestaltete Studiengang den Prozess der Akkreditierung durchlaufen, damit Absolventinnen auch nach Auslaufen der aktuellen Akkreditierungen einen kammerfähigen Abschluss erreichen.
Das Engagement der Studierenden, der Öffentlichkeit und der Fachwelt im Fall Wuppertal hat sicher dazu beigetragen, dass der Studiengang Architektur erhalten bleibt. Dies ist eine bedeutende Errungenschaft, die hoffen lässt, dass die Gesellschaft doch noch einen Platz am Verhandlungstisch hat.
Ob die Architektur als Fach an der Universität Wuppertal jedoch wirklich Zukunft hat, bleibt abzuwarten. Denn eines ist klar: Eine Veränderung des Lehrplans – unter bestimmten Gesichtspunkten durchaus angemessen – wäre anders verlaufen, wenn der finanzielle Druck nicht in diesem Ausmaß vorhanden gewesen wäre. Dass die Architektur als auch theoretisch-kritische Disziplin zunehmend durch die Kategorie der Produktivität und Nützlichkeit betrachtet wird, ist dabei nicht Nebenwirkung, sondern bedenklicher Auslöser. AGh
