Architekturlehre für die Zukunft

Die Zukunft der Entwurfslehre liegt in der Arbeit mit bestehenden Strukturen. So zumindest der Ansatz des Forschungsprojekts „Reuse in Teaching. The Future of the Architectural Design Studio“, nun in Buchform. Die Fragestellung lautet vorerst einfach: Wie verändern sich pädagogische Methoden, wenn zunehmend mit Bestand geplant wird?

Das, so viel kann ich bereits verraten, wird nicht vollständig beantwortet. Es soll aber an dieser Stelle keine Kritik darstellen, denn das Un- bzw. Umgenutzte muss auch Raum für das Unbeantwortete und Unvollendete lassen. Die „Architekturlehre der Zukunft“ nimmt sich nicht mehr vor, eine fertig verpackte Antwort auf ein Problem zu geben, sondern stellt sich selbst in Frage und definiert sich durch eine Offenheit, die Widersprüche zulässt.

„Nicht alles ist möglich“ formuliert ­Katharina Paschburg – und doch muss den Studierenden erst einmal das große Potenzial des Bestands erläutert werden – denn vor allem, wenn Gebäude keinen Denkmalstatus haben, werden diese häufig übersehen. Nebst der ausführlichen Darstellung der drei untersuchten Entwurfsstudios bilden Gesprächsrunden, Statements und eine Präsenta­tionsrunde mit Gastkritikerinnen den dialogischen Rahmen des Bandes. Die kritische Auseinandersetzung mit den zu Anfang gesetzten Erwartungen und die Selbstreflektion mit Raum für Verbesserung wirkt erfrischend und produktiv. Dennoch fehlt – gegenüber den viel thematisierten sozialen, ökonomischen und konzeptuellen Aspekten – der Diskurs über räumliche Qualitäten, dessen Aus­arbeitung die größte unbeantwortete Frage bleibt, so auch das Fazit der Projektbeteiligten.

Diese ­Publikation mag kein Handbuch der Entwurfslehre sein, aber sie ist ein Zeichen des Para­digmenwechsels einer Architekturlehre, die das „Neue“ in Frage stellt und im Alten, ja, manchmal auch „Hässlichen“, nicht nur planetare Ressourcen entdeckt, sondern auch pädagogische Ansätze sieht. AGh

Reuse in Teaching. The Future of the Architectural Design. Hrsg. v. Lorenzo De Chiffre, Artem Kitaev, Eva Mair, Katharina Paschburg, Katherina Putzer. Triest Verlag, Zürich 2025, 204 S., 250 Abb. und Pläne

39 €, ISBN 978-3-03863-097-5

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