Abriss oder doch nicht? Juridicum Frankfurt a. M.

Abrissparty in Frankfurt am Main?! Wenn es nach CDU und FDP im Frankfurter Stadtrat ginge: Ja! Abgerissen sehen möchten Vertreterinnen beider Parteien das Juridicum, eine Hochhausscheibe auf dem ehemaligen Campus Bockenheim der Goethe-Universität. Der Campus steht seit Jahren auf Leerzug. Politik und Investoren wünschten sich etwas Modernes, den ab 2010 so genannten „Kulturcampus“ als zeitgenössisches Quartier für Kultur und Wohnen. Das Universitäre wandert schrittweise ins Westend und nach Riedberg.

Die 1970 fertiggestellte, überschlanke, in ein Nord- und Südbauteil geteilte Scheibe ist ein ­Entwurf Ferdinand Kramers (immer noch wird Heinrich Nitschke genannt). Kramer hatte in den 1950er- bis 1960er-Jahren den Campus am Bockenheim im Wesentlichen gesamtplanerisch wie auch mit Einzelbauten gestaltet, mit dem Institut für Physik und Mathematik, der Stadt- und Universitätsbibliothek, der Mensa/Labsaal, dem Botanischen Institut, dem Fernheizwerk oder seinem grandios respektlosen „Befreiungsschlag“ (Alexander Kluge) im Jügelhaus, dem neuen Eingangsportal, das glücklicherweise fast komplett in der Sanierung durch Peter Kulka erhalten blieb. Das Philosophicum wurde schon zu einem Apartmenthaus für Studentinnen umgebaut, unser Gespräch dazu in der 02 | 2016 DBZ.

Nachdem immer wieder Abrissplanungen von Kramer-Bauten auf dem Tisch lagen, bleibt aktuell die Hochhausscheibe als „Rückbau“-Kandidatin. Da auch die vergangenen Abrissdebatten aus einem wachsenden Nachhaltigkeitsgebot zum Stillstand gekommen waren, möchte die Stadt am Beispiel des Juridicums ausdrücklich einen „moderierten Expertinnendiskurs“ anzetteln, der wesentliche Fragen zum Umgang mit dem Gebäudebestand klären soll, unter Beachtung ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Aspekte. Zurzeit moderiert das Frankfurter Forschungsinstitut (FFin) ein sogenanntes „Zukunftslabor Juridicum“. Hier entwickeln Ver­treterinnen verschiedener Disziplinen vier Zukunftsvarianten: 1. Kompletterhalt mit Umnutzung in Wohnen, 2. Kompletterhalt mit Umnutzung in Wohnen, Bildung und Gewerbe, 3. Teil­erhalt mit Umnutzung in Wohnen und 4. Komplettabriss und Wohnungsneubau.

Bereits festgestellt wurde, dass die Tragstruktur des Juridicums insgesamt in einem guten Zustand sei und für unterschiedliche Nutzungsoptionen ausreichende Potenziale biete. Hervorgehoben wurden die flexible Umnutzbarkeit des Volumens bei ausreichenden Lastreserven. Im September 2026 werden die Ergebnisse aus dem Prozess „Zukunftslabor Juridicum” im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt. Wozu wir uns bereits angemeldet haben. Be. K.

www.frankfurt-university.de/zukunftslabor

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