Abriss Justizzentrum Köln

Das Gelände entlang der Luxemburger Straße im Westen Kölns ist vielfältig bebaut und heterogen geprägt. Nördlich, in direkter Nachbarschaft zum Neubau des Erzbischöflichen Berufskolleg Köln

(3pass Architekten Stadtplaner, Köln), steht die bröckelnde Betonskulptur der Kirche ­Hl. Johannes XXIII (nach einem Entwurf des Bildhauers Josef Rikus, Architekt: Heinz Buchmann), Im weiteren Norden schließen sich bauhistorisch gesehen höchst interessante (und in ihrer substanziellen Existenz bedrohte) Bauten der Universität an.

Gleichsam als Scharnier zum Bestand der nach Südwesten aus der Stadt führenden Luxemburger Straße steht der hochragende Wohnturm „Uni-Center“, dessen drei bis zu 135 m hoch ragenden Bauteile 968 Wohnungen bieten. Architekt ist Werner Ingendaay, realisiert wurde der Turm Anfang der 1970er-Jahre.

Das letzterer auch mit der Geschichte des „Deutschen Herbst“ verflochten ist – in dem Wohn­koloss hatten sich Teile der RAF konspirativ eingemietet – und auch Drehort des Films „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ war, ist insofern brisant, weil ihm gegenüber in einem ähnlich voluminösen Gebäude das Justizzentrum untergebracht ist, mit Landgericht, Amtsgericht und Staatsanwaltschaft Köln. Entworfen und gebaut wurde der Komplex bis 1980 vom Kölner Architekt Henrik Busch (von ihm ist auch das Colonia-Hochhaus), dann übernahm HPP den 2. BA.

Es gab kleinere Sanierungsarbeiten, 2012 sollte eine Generalsanierung Mängel abstellen, das sollte rund 150 Mio. € kosten. Doch schon wenige Jahre später war klar: Das Haus sollte abgerissen werden, ein Neubau sollte her. Ein städtebaulicher Wettbewerb, einstufig, nicht offen und mit vorgeschaltetem Bewerbungs-/Losverfahren nach RPW 2013 brachte Ende 2022 einen Gewinnerentwurf des Büros HPP Architekten, Düsseldorf (Stadtplanung) mit der Düsseldorfer Vössing Inge­nieurgesellschaft (Verkehrsanlagenplanung). In der ­Jury-Begündung hieß es unter anderem: „Die Nutzungsverteilung und Bauabschnittsbildung lassen eine hohe Flexibilität und zukünftige Anpassung der inneren Organisation sowie der Erweiterbarkeit erwarten.“

Einzig die Wettbewerbsteilnehmer Johannes Schaller und Stefan Schmitz, beide Köln, hatten den Altbau erhalten wollen; aus Gründen des Energie- und Materialerhalts, aber auch, weil sie mit Abriss und deutliche flacheren Neubauten die oben skizzierte Ensemblewirkung unwiederbringlich zerstört sahen.

Der Umzug ins Interim wird vorbereitet, starten soll er Anfang 2027. Mit dem Abriss werde man frühestens 2034 beginnen. Eine komplette Fertigstellung des neuen Justizzentrums soll sechs Jahre später möglich sein.

Dass mit dem Abriss auch die Geschichte des ­Autonomen Zentrums zuende geht, das seit gut zehn Jahren im Schatten der Justiz kleine Kultur- und Politikprojekte in die Welt setzte, ist nur in Nebensätze zu hören. Neubauten wie das benachbarte Stadtarchiv und eben der Justizkomplex demnächst sähen zukünftig ganz offensichtlich lieber den aufgeräumten Park, der jetzt zu den Modellen gezeigt wird. Be. K.

www.blb.nrw.de

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