3-fach Booster in Berlin

Das sw-Foto hat – für die deutsche Architekturgeschichte – etwas Ikonisches: Zur Eröffnungsfeier „ihres“ Flughafens Tegel 1974 trugen die ­Architekten von gmp, hier Klaus Nickels, Volkwin Marg und Meinhard von Gerkan, Papierbrillen im Gesicht, die das Hexagon des Terminalgrundrisses wiedergaben. Man könnte auch sagen: wilde Zeiten damals und eine mutige Aktion eines Architekturbüros, das es zum Wettbewerbsstart eigentlich noch gar nicht gab!

Tegel ist seit Ende 2020 stillgelegt. Es gibt erste Arbeiten auf dem Weg hin zur „Urban Tech Republic“, ein „Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien“-Projekt, an dem die Architekten Tegels wesentlich beteiligt sind. Zwischen 2008 und 2021 entwickelten sie im Auftrag des Berliner Senats und der Tegel Projekt GmbH die konzeptionelle Grundlage für die Nachnutzung des rund 460 ha großen Flughafenareals. Nun, fünf Jahre später, engagiert sich gmp erneut auf dem Areal – diesmal im Rahmen der Initiative Berlin als Hauptstandort der Expo 2035 und der anschließenden Transformation des Geländes in ein städtisches Quartier, das den räumlichen und programmatischen Schlussstein der Urban Tech Republic bildet.

Die als Projekt angedachte Expo-Bewerbung möchte eine Ausstellungslandschaft schaffen, die über das ganze Stadtgebiet verteilt wäre. Damit könnte das eigentlich längst überkommene Format internationaler Leistungsschauen eine Art von Überlebensmodus erhalten: Expo wäre dann auch konkrete Stadtentwicklung.

Dass das die Stadt anders sieht, überrascht zunächst. Schaut man allerdings auf die Ambition, die Berlin hier signalisiert, relativiert sich die Überraschung. Berlin möchte nämlich auch eine Internationale Bauausstellung machen, die IBA 2034–37. Die ginge aus Sicht der Verwaltung noch mit einer Expo zusammen, aber auch mit den Olympischen Spielen? Das Land bewirbt sich tatsächlich auch um die Ausrichtung der Spiele 2036, 2040 oder 2044, eine Bewerbung für 2036 ist aufgrund des 100-Jährigen der NS-Spiele in Berlin umstritten. Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) hatten bereits Ende November 2025 einer Expo-Bewerbung eine Absage erteilt. Aus ihrer Sicht würde mit einer solchen Bewerbung die Chance auf Olympia in Berlin zerstört.

Die IBA wird kommen, das zumindest ist klar. IHK-Präsident Sebastian Stietzel Ende März 2026: „Wir freuen uns über die Entscheidung, die Inter­nationale Bauausstellung nach Berlin zu holen. Die IBA bietet die Chance, notwendige Impulse für die Lösung zentraler klima- und flächenpolitischer Herausforderungen zu setzen.“ Er forderte zudem, eine Expo-2035 Bewerbung abzugeben. Zusammen mit den Olympischen Spielen (dann hoffentlich aber erst 2044!) böte der Dreiklang einen „Investitions- und Innovationsbooster“, den nicht nur die Hauptstadtregion so dringend bräuchte. Daumen drücken? Be. K.

www.gmp.de, www.berlin.de

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