Peter Zumthor in Bregenz

"Dear to me", eine sehr persönliche Ausstellung von und mit Peter Zumthor in Bregenz

Die auf den vier Ebenen platzierte Arbeit ist nur noch bis Anfang Januar 2018 zu sehen

Er "liebe das Denken in Bildern", so der Basler mit Wahlheimat Haldenstein. Und wenn das nicht schon bei seinen Arbeiten ein wichtiger Aspekt ist, so ganz sicher in der Ausstellung am Bregenzer See. Hier, im Kunsthaus Bregenz, einem Museum, dass nach Plänen Peter Zumthors 1997 auf der Uferkante des See eröffnet wurde, hat sich der Architekt selbst einmal feiern dürfen. "Dear to me" ist soetwas wie eine sehr persönlich gestaltete Visitenkarten und wer die Chance sieht, auf dem Weg in die Skigebiete in Österreich oder der Schweiz einen Stopp am KUB machen zu können, der sollte nicht zaudern.

Geboten wird ganz vordergründig aber nichtsdestotrotz anspruchsvolles musikalisches Programm (kuratiert vom Musiker und Zumthors Sohn, Peter Conradin Zumthor). Es gibt Lesungen (zusammengestellt von Brigitte Labs-Ehlert) und Filme. Zudem lädt Peter Zumthor zu (fast) jedem Sonntagmorgen Gäste zum Gespräch, so mit Marcel Beyer oder Anita Albus, mit Wim Wenders und Hélène Binet, die ihm die liebste (Architektur)Fotografin ist und von der Arbeiten im 1. OG gezeigt werden. Das Abschlussgespräch ist am 7. Januar 2018, 11 Uhr, dann spricht Peter Zumthor mit Gilles Clément.

Auf den ersten Blick ungewöhnlich die farbstarke und eigenartig spannungsvolle Inszenierung des Erdgeschosses, in dem ein roter Teppich angedeutet ist, ein mit hochglänzender schwarzer Folie gelegtes flaches Podium einen Bösendorfer-Flügel sowie einige der von Zumthor gestalteten Polstermöbel trägt, Up-Lights an den Ecken, deren Stromzufuhr über breite Klebebänder am Boden gesichert wird. Darüber ein ebenfalls schwarzes Deckensegment, das mit anderen Wandbespannungen die Akustik für Musik und Sprechen justieren muss.

Eine Treppen hinauf betritt man einen fast leeren Raum und hier "den Zumthor", wie man ihn vermeindlich kennt. An den Sichtbetonwänden hängen sw-Fotoarbeiten von Hélène Binet und - mitten drin - steht auf einen Holzpodest eine dieser einfachen Drehleiern, die hier über ein Lochband angesteuert wird. Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth hat Peter Zumthor auf dessen Bitten hin ein neues Werk für diese Spieluhr komponiert, jeder ist eingeladen, das Band in Bewegung zu setzen und damit Töne, kleine Melodiefolgen etc. in eigener Geschwindigkeit in den Raum zu stellen.

Eine weitere Treppe hinauf gelangt man in eine Bibliothek. Regale, ihre Anordnung und Teile der Möbel hat der Architekt bestimmt, die Bücher, rund 40.000, hat der mit Zumthor befreundete Antiquar Walter Liehta aus Chur ins Kunsthaus geliefert. Lietha musste seinen Laden, das "Narrenschiff" in Chur schließen, er zieht nach Trin um. Und weil die Bücher schon gepackt waren, zogen sie - übergangsweise - im KUB ein. Hier stehen sie noch, nach zwölf Tagen Einsortierens nach Bauchgefühl (?) allen Besuchern zur Verfügung, man kann, man soll auf Streifzüge gehen und entdecken, was man bei gezielter Suche niemals findet.

Ganz oben, im 3. OG wird man, nach der intellektuellen Herausforderung gerade urplötzlich in einen Garten entlassen. Der Raum vom Künstlerpaar Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger mittels schwebender Fantasiegewächse/Fantasielebewesen auf sehr kompakte und zugleich extrem filigrane Weise gefüllt: Farben, Gestalten, Formen und leise Bewegungen sollen zum Schauen anregen, die Wege durch diese Kunstlandschaft sind vorgegeben. Es wird Tee gereicht.

Der Abstieg fällt dann irgendwie schwer, sicher, die Bücher - denkt man - können warten, das Band in der Spieluhr wurde weitergedreht, es gibt neue Klänge. Im Erdgeschoss setzt man sich an die ebenfalls neugestaltete Bar und trinkt einen Kaffee und denkt über all das Geschaute nach um so mit Bildern angefüllt ... entweder auf die Piste zu eilen oder, wie es der Autor tat, eine Fahrstunde weiter in Haldenstein mit Peter Zumthor über alles das zu sprechen (Interview in der DBZ 03|2018). Be. K.

Kunsthaus Bregenz

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