Architekt Christoph Preis

Ungewöhnliche Winkelsteine beleben Fassade in Lindau

Österreich und die Schweiz sind nur einen Katzensprung entfernt; und der Weg zum Wasser könnte ebenfalls nicht kürzer sein: Lindau am Bodensee ist eine pulsierende Stadt, deren Altstadt Touristen anlockt. Im Stadtteil Aeschach, der direkt an den Bodensee grenzt, ist an einem zentralen Kreisverkehr das Lu-Ki2 entstanden, ein Wohn- und Geschäftshaus, das ein echter Blickfang ist.

Bereits die alten Römer schätzten den Bodensee – Münzfunde und Siedlungsspuren belegen ihre Anwesenheit jenseits der Alpen. Erst im Mittelalter jedoch wuchs die Stadt langsam, nicht zuletzt aufgrund des gegründeten Klosters, das die Keimzelle der Stadt bildete. Mit dem Handel und der Beförderung von Korn und Salz durch eine eigene Bodenseeflotte wurde die Bürgerschaft schließlich reich und die Stadt zur Reichsstadt mit eigenem Münzrecht erhoben. Das Kloster auf der kleinen, vorgelagerten gleichnamigen Insel Lindau zentrierte die wichtigsten Gewerke und Händler um sich herum – heute bilden diese Gebäude die Altstadt, wegen der die Touristen so gerne zu Besuch kommen. Auch in Aeschach weht der Hauch der alten Tage durch die Straßen: Villen und kleine Schlösser zeugen von der Glanzzeit der alten Reichsstadt.

Klassische Fassade und moderne Kontrapunkte
An einem Kreisverkehr an der Ludwig-Kick-Straße, inmitten eines kleinen pulsierenden Viertels, ist ein modernes Wohn- und Geschäftshaus entstanden, das die äußerliche Erscheinung der Umgebung aufgreift. Zeitgemäße Strukturen und Fenster harmonieren mit der klassisch wirkendenden Klinker-Sortierung. Der Klinker entfaltet seine Wirkung durch die hellgrauen und sandsteinfarbenen Schattierungen, die teilweise ins erdige Braun-Schwarz gehen und damit einen Bogen zu den historischen Gebäuden der Nachbarschaft schlägt. Das Glas der Balkonbrüstungen und die Verschattungssysteme bilden den modernen Kontrapunkt.

Die Entscheidung für Klinker fiel aus Überzeugung. Nachhaltigkeit und Beständigkeit waren ausschlaggebend, außerdem punktete das wartungsfreie Naturprodukt mit seiner Vielseitigkeit in Farben und Formen. Vor allem die fußseitige Verarbeitung zeichne die Fassade gestalterisch aus und bilde ein hochwertiges Sichtmauerwerk, so der Bauherr. Die fußseitige Vermauerung trägt ebenfalls zu einem optisch interessanten und abwechslungsreichen Gesamtbild bei. Eine weitere Besonderheit sind Formsteine mit bestimmten Winkeln, die an zwei Gebäudeecken zum Einsatz gekommen sind: Winkel von 64 und 116 Grad brechen das traditionelle Bild der 90-Grad-Steine und eröffnen andere Perspektiven beim Blick auf das Bauwerk. Mit dem Lu-Ki2 hat Lindau an exponierter Stelle ein Gebäude bekommen, das sich perfekt in die alte, gewachsene Stadt einfügt und gleichzeitig Zeitlosigkeit ausstrahlt.

Projektdaten

Architektur: Christoph Preis, Lindau
Klinker:
Hagemeister
Verklinkerte Fläche:
ca. 1.800 m²

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