Wir kaufen die Quelle

Über Crowdfunding will eine Initiative 25 Mio. Euro für den Kauf der Quelle-Bauten in Nürnberg sammeln

Es gibt sie noch, die Quelle GmbH. Auch wenn die, wie häufig kolportiert wird, heute zweitgrößte leerstehende Immobilie Deutschlands in Folge von Insolvenz 2009 geschlossen wurde. In Nürnberg, an der Fürther Straße, westlich vom Stadtzentrum gelegen. Rund 250000 m² Flächen auf bis zu 8 Ebenen stehen hier zum größten Teil ungenutzt für alle möglichen Nutzungen zur Verfügung, doch noch tut sich die Stadt schwer mit dem Erbe.

Ein vor Jahren ausgelobter Wettbewerb sah explizit den Gebäudebestand als Anker für Ideen vor, die umliegenden Parkflächen sollten mit vornehmlich Wohnbauten realistisch beplant werden. Der Wettbewerb ist entschieden, eine Realisierung ist für 2015 geplant (1. Rang: Rössner + Waldmann Architekten, Erlangen und Franke + Messmer Architekten, Emskirchen sowie dem Landschaftsarchitekturbüro Tautorat, Fürth). 300 Wohnungen sollen es werden, ein Teil davon öffentlich gefördert.

Der monumentale Bau entlang der Fürther Straße entstand ab 1953 und wurde bis 1969 in fünf Bauabschnitten nach Plänen von Ernst Neufert realisiert. In dem Komplex, in dem zweitweise über 10000 Menschen arbeiteten, gab es Laden- und Lagerflächen, Wohnungen, Büros, ein weitverweigtes Flursystem, Innenhöfe und Ein- und Ausgänge, deren Bedeutung für den Besucher nicht immer sofort klar wurde.

Anlieferung war auf der Südseite, dort, wo der später zugefügte, 90 m hoch ragende Kaminturm mit Quelle-Signet schon von Weitem für Aufmerksamkeit sorgt. Heute finden sich in dem denkmalgeschützten Koloss noch ein Outlet, kleine Filialläden und Einzelhandel, mietbare Messe- und Ausstellungsflächen, Lagerräume … sowie im ehemaligen Verwaltungs- und Werkstattbereich Kleinunternehmer aus der so genannten Kreativbranche: Designer, Künstler und auch ein Architekturbüro.

Diese Kreativen nun nehmen das wortwörtlich, was die Stadt in dem Wettbewerb 2011 hat anklingen lassen: Ideen für den Bestand, Realisierungsplanung für die Freiflächen. Das muss man als eine Verzicht auf das Wertvolle des Bestandes interpretieren, der einem Investor ganz offenbar Zwänge auferlegt, die ihm nicht erlauben, hier nicht sein Standardangebot durchrechnen zu können. Konkret ist das der Investor Sonae Sierra, der mit der Immobilie, an der er eine Art Vorverkaufsrecht gesichert hat, offenbar nichts anzufangen weiß. Außer, dass er die die Parkplätze für die oben genannte Bebauung bereits verkauft hat, ist von ihm nichts zu erfahren, was denn mit dem eigentlichen Bestand geschehen könnte.

Die Initiative der Kreativen „Wir kaufen die Quelle" möchte nun 25 Mio. € per Crowdfounding einsammeln, was man als eine symbolische Geste verstehen kann; aber wer weiß, vielleicht machen ja ein paar Marktplayer aus dem Big Business Kulturverwertung mit und steigen ein. Dann hätte die Stadt Nürnberg sich blamiert … aber natürlich viel Geld gespart. Be. K.