Was das Berliner Schloss retten könnte Shanzhai-Technik könnte die Schlossruine 2017 in einen wahren Palast verwandeln

Einmal angenommen, die Bundestagswahlen 2013 bringen die Piraten in eine Regierungskoalition, oder eine Partei, von deren Vorhandensein wir erst in den kommenden Landtagswahlen in Kenntnis gesetzt werden. Und angenommen, die machen eine Regierungsbildung davon abhängig, das Humboldt-Schloss-Projekt in Berlin noch einmal zu überdenken, insbesondere die mittlerweile auf 800 Mio. Euro gestiegenen Baukosten auf das ursprünglich dem Baukostenzahler Steuerzahler versprochene Niveau zurückzudrehen. Was dann? Zwar gibt es noch immer keine Baugrube, und auch das Spendenaufkommen für die historisierende Zutat Schlossfassaden dümpelt weiterhin 60 Mio. Euro unter dem zugesagten Betrag. Dann wäre es doch Zeit, das Projekt an ausländische Investoren zu übergeben. Oder nicht?

Klar, die würden dann die inhaltliche Ausrichtung des noch irgendwie Humboldt-Forum seienden Schlosses mit-, ja vielleicht alleinbestimmen wollen. Und aus dem Kultur- und Prestigeobjekt Forum für die Weltkünste würde eine Shopping-Mall mit angegliedertem Hotel- und Wellnesskomplex inklusive Museum für zeitgenössische Galeriekunst. Wie bei den Fünf-Höfen in München beispielsweise; Konsum, Kultur und renommierte Architekten … ach ja, letztere wären dann wohl nicht mehr dabei. Oder doch?

Das ZDF-Kulturmagazin Aspekte hat in den vergangenen Tagen eine Sendung ausgestrahlt, deren Inhalt so mancher vielleicht für wahr genommen hat, oder andere davon überzeugen konnte, dass es in Berlin auch einmal ganz anders gehen muss. Im Aspekte-Beitrag ging man von einer Schlossruine aus, Jahre nach dem Spatenstich gibt es nur ein paar Fundamente und erste, nackte Ortbetonwände hinter Fassadenimitaten aus Werbebannern. Ein chinesischer Investor fliegt ein, er soll das Ganze Projekt retten. Dessen Nutzungskonzept allerdings sieht eine Shopping-Mall vor. Und Kosteneinsparungen durch eine Bauweise nach dem „Shanzhai-Prinzip”. Letzteres bezeichnet den grauen Markt von unlizenzierten Produktherstellern, die Produktfälschungen oder Plagiate herstellen und vertreiben; Aspekte unterstellt damit den Chinesen Kernkompetenz auf diesem Wirtschaftsfeld, das von westlicher Seite mit Grausen betrachtet und mit hundertfachen Milliardenschäden in jedem Jahr beziffert wird.

Doch das Prinzip der Täuschung und Fälschung passt bei diesem Objekt in der Mitte der Hauptstadt ganz hervorragend; davon jedenfalls ist der Architekt Arno Brandlhuber überzeugt. Er plant laut Aspekte den Schlossneubau, der hier als „Palast des Luxus“ tituliert wird, unter einer Dachkonstruktion, die ursprünglich einmal Foster für den ehemaligen Reichstag, heutigen Bundestag vorgesehen hatte. Shanzhaien eben auch auf dem Gebiet des Designs, warum nicht?! Nach Informationen des ZDF-Magazins arbeitet der Berliner Architekt bereits im Detail mit eben dieser Allgemeinbesitzsicht an einem bahnbrechenden kostenreduzierten Entwurf für das Berliner Stadtschloss. Der Architekt weist in dem Beitrag auch die Vorwürfe des Billigkopierens von sich, „ in China gelt 'Shanzhai' nicht als etwas grundsätzlich Schlechtes, vielmehr werde es wie jede andere Kulturtechnik betrachtet." Und diese hier bringt immer wieder Innovationen hervor, die ihrerseits wiederum Innovationen auf der Seite auslösen, die hier kopiert wurde. Wie das im Falle des Berliner Schlosses aussehen kann? Eigentlich nicht schlecht, und wenn man ehrlich ist: politisch korrekt und ökonomisch vernünftig, gestalterisch auf der Höhe unserer Zeit. Und ist nicht zuletzt genau das, was das Humboldt-Forum verspricht: kulturenübergreifend versöhnlich zu wirken. Be. K.

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