Standardbüro oder Spielwiese Expertenrunde im Büro Koschany+Zimmer Architekten KZA in Essen

Wolfgang Zimmer von Koschany+Zimmer Architekten begrüßte am Nachmittag des 28. Oktober ca. 80 Gäste, die sich im Essener Büro eingefunden hatten, um an einer Experten-Runde teilzunehmen, die das Büro seit 2009 regelmäßig durchführt. Rund um das Thema Immobilie treffen sich dort Fachplaner, Bauherren, Finanzierer, Projektentwickler und Wissenschaftler für einen informativen Austausch. Das Thema am 28. Oktober: „Büro zwischen Standard und Google-Welt“.

Um die Spannweite des Themas auszuloten, waren drei Referenten angetreten. Die Architektin Nina Bendler aus dem Büro Koschany+Zimmer, Cornelia Gerdenitsch von der Fakultät für Psychologie der Uni Wien und die Innenarchitektin Pirjo Kiefer von Vitra, Weil am Rhein. Martin von Mauschwitz vom WDR Studio in Köln moderierte locker und professionell.

Dass es heute keinen Standard gibt, wurde schnell klar. Die Bürowelten früherer Zeiten, hierarchisch geprägt und streng durchorganisiert in Einzel- oder Großraumstrukturen, gibt es unhinterfragt nicht mehr. Die digitalen Geräte machen einen flexiblen Umgang mit Arbeitszeit und -ort möglich, das wirkt sich auch auf die Bürostrukturen und die Einrichtung aus. Nicht jedem sind die Begriffe Klick-Arbeiter, Breakout-Zone, Third Space geläufig und nicht jeder kann oder will, wie bei Google, wo die Mitarbeiter eine sehr hohe Identifikation mit dem Unternehmen zeigen, auch einen großen Teil seiner „privaten Freizeit“ im Bürogebäude verbringen – und sei es auch noch so stylisch gestaltet.

Und es passt auch nicht zu jedem Unternehmen. Es bedarf einer genauen Recherche, vieler Gespräche mit den Beteiligten und auch einer Feinjustierung am Ende, um eine gute Lösung für den jeweiligen Bauherren und seine Mitarbeiter zu erarbeiten. Dass solche Anstrengungen auch tatsächlich etwas bewirken, belegen Studien zu Arbeitszufriedenheit und Produktivität.

Cornelia Gerdenitsch erklärte die unterschiedlichen Auswirkungen von Zellen-und Großraumbüros, von flexiblen und Kombibüros. Auch die Auswirkungen von desk sharing, die für Unternehmen Vorteile bieten, da sie nicht für jeden Mitarbeiter einen eigenen Arbeitsplatz vorhalten müssen, wurden beschrieben. Bei aller Flexibilität sollte aber das Bedürfnis der Mitarbeiter nach Zugehörigkeit zu einem Team berücksichtigt werden. Sie brauchen eine home-base damit die sozialen Kontakte erhalten bleiben und damit auch das Zugehörigkeitsgefühl zum Team und zum Unternehmen.

Dass Zugehörigkeit und Vernetzung wichtig sind, belegen auch die großen Zuwächse bei den Co-Working Spaces, die nach Einschätzung von Pirjo Kiefer, überall aus dem Boden schießen. Das Konzept des informellen Vernetzens scheint dort so gut zu funktionieren, dass große Unternehmen sich dort einmieten, um neue Impulse zu erhalten.

Die Diskussionsrunde am Schluss wurde ergänzt durch Stefan Lehmann, der bei ALDI in die Planungen neuer Bürogebäude  und -konzepte involviert ist. Die geladenen Gäste brachten mit ihren kritischen Nachfragen und eigenen Erfahrungen weitere Facetten zum Thema ein, die im Anschluss bei Currywurst und Schnittchen vertieft wurden.

Dem Büro Koschany+Zimmer ist es schon zum 12. Mal gelungen in entspannter Atmosphäre ein Planungsthema aufzugreifen und mit guten Referenten aus verschiedenen Bereichen zu diskutieren. Und wie zitierte Pirjo Kiefer eine Studie vom MIT so schön: „80 Prozent der wirklich innovativen Ideen entstehen in der Kommunikation.“

Insgesamt ist diese Veranstaltungsreihe eine gute und nachahmenswerte Idee, um sich immer wieder zum eigenen und zum Nutzen der Beteiligten mit wichtigen Themen des Architekturalltags zu beschäftigen und zu netzwerken.  BBe.



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