AIV-Schinkel-Wettbewerb

Stadt finden „Zwischen Teltow und Zehlendorf“ 161. AIV-Schinkel-Wettbewerb entschieden. Schinkelpreis geht an zwei Berlinerinnen

Stop-and-go gehört der Vergangenheit an. Nadelöhre wie die Knesebeckbrücke über den Teltowkanal lösen Tatjana Busch (28) und Elisabeth Stieger (26) auf. In ihrer Arbeit Teltow-Connection geht es umweltfreundlicher und ohne lange Umwege auch per pedes und Rad über den Kanal. 25 Jahre nach dem Mauerfall könnte der Wiederauf­bau der Wupperbrücke zwischen Zehlendorf und Teltow die Bahn frei machen für eine länder­übergreifende Stadtentwicklung. Für diese Idee wurden die beiden Berlinerinnen neben dem Schinkelpreis in Höhe von 3.000 Euro mit dem Italienstipendium der Hans-Joachim-Pysall-Stiftung in Höhe von 2.500 Euro ausgezeichnet. Beide Preisträgerinnen studieren an der TU Berlin im Masterstudiengang Landschaftsarchitektur.

Länderübergreifende Ideen

In ihrer Begründung hebt die Jury die Einfachheit und Klarheit der eingesetzten Mittel hervor. Der Entwurf gibt wesentliche Impulse für eine positive Entwicklung des Wettbewerbsgebiets, einem Patchwork aus einzelnen Siedlungen, Kleingartenkolonien, Gewerbe- und Industriefragmenten zwischen Ruhlsdorfer Platz in Teltow, Alt-Schönow und der Teltow-Werft auf Berliner Seite.

Die Wupperbrücke bindet das Gewerbegebiet in Zehlendorf an und entlastet gleichzeitig die Knesebeckbrücke. Zusammen mit der Wiederherstellung der Teltow-Werft-Brücke bildet sie das Rückgrat des Freiraumgerüstes. Beide Orte verbinden sie über eine durchgehende Freiraum-Achse. Parallel dazu werden die neuen und alten Quartiere über Stichwege mit den Uferbereichen des Teltowkanals verbunden. Die Uferseiten werden durch einen neuen Radweg eingefasst.

Krummer Steg - ‘Körperwerft’ - Urbanes Teltow

Mit 109 Arbeiten beteiligten sich mehr als 260 Teilnehmer aus ganz Deutschland an dem re­nommierten Förderwettbewerb für junge Planer, den der Architekten-und Ingenieur-Verein zu Berlin seit 1855 auslobt. Während der Zugang zu konventionellen Wettbewerbsverfahren stetig verschärft wird, bietet der AIV-Schinkel-Wettbewerb Berufseinsteigern und Studieren­den weiterhin die Chance zu einer Auseinandersetzung mit komplexen Aufgabenstellungen. Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 18.700 Euro vergeben.

Für das außerhalb des Berliner S-Bahn-Rings gelegene Wettbewerbsgebiet zeigen die insgesamt 11 prämierten Arbeiten vorhandene Qualitäten auf und entwickeln vielfältige Möglichkei­ten für neue Quartiere und Freiräume. In der Auseinandersetzung mit Flächenverbrauch und Dichte formulieren die Teilnehmer zukunftsweisende Ideen für eine wachsende Metropol- und Hauptstadtregion. Dafür waren in Zeiten des Klimawandels und der Ressourcenverknappung nachhaltige Konzepte gefragt, für Alt- und Neubauten wie eine umweltfreundliche Mobilität - Ideen, die Impulse geben für die gemeinsame Landesplanung von Brandenburg und Berlin.

Auch der Entwurf Krummer Steg bei Teltow setzt sich mit dem Kanal als Barriere zwischen Teltow und Berlin auseinander. Jakob Grave, Konrad Schumacher ( Bauingenieurwesen), Hendrik Brinkmann und Ashkan Cheheltan ( Architektur) von der TU / UdK Berlin führen in einer schwungvollen Linie eine filigrane Rad- und Fußgängerbrücke in der Höhe von Alt-Schönow über den Kanal als Ersatz der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Brücke, auf der An­wohner, Pendler und Wandertouristen direkter und schneller auf der Nord-Süd-Achse unter­wegs sein können. Die Jury überzeugte eine Form, die es den Verfassern erlaube “auf unter­schiedliche Kontexte zu reagieren und die Brückengeometrie anzupassen, ohne das ästhe­tische Prinzip zu verändern”. Weiter westlich könnte eine Zwillings-Brücke als Fortsetzung der Sachtlebenstraße nach Brandenburg das Gebiet weiter vernetzen. Für ihre Idee wurden die Berliner mit dem Sonderpreis der Baukammer Berlin in Höhe von 1000 Euro ausgezeichnet.  

Der Entwurf Das urbane Teltow + Das grüne Schönow wurde mit dem Sonderpreis des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg in Höhe von 2.000 Euro honoriert. Die Autoren Felix Mayer (23) und Svea Petersen (24) studieren an der HTWG Konstanz Architektur. Ihr Vorschlag arbeitet als neue stadträumliche Qualität ein Zusammen­spiel von Bestands- und Neubauten heraus, die vom Teltower Altstadtkern bis zur Wasser­kante reicht. Es soll ein lebendiges gemischtes Quartier entstehen, das einen Nutzungsmix aus Wohnungen, Gewerbe sowie Cafés und Einzelhandel ermöglicht. Die Jury lobt den Ent­wurf als gelungene Ergänzung, „die die Stadt Teltow schließlich an seinen Kanal heranführt“.

In ihrer Präsentation Teltow Re-Use beschreibt Amelie Fehrenbach (24), Architektur Master­studiengang HTWG Konstanz, die Merkmale der “Zwischenstadt” mit Schlagworten wie „Chaos von Stilen und Formen“ und „Tristesse im Einzelnen und Ganzen“. Sie kontrastiert dazu den schönen Schein der Stadt-Images von Metropolen wie San Francisco mit dem ‘Aschenputte’ Teltow. Die Arbeit schlägt vor, Teltower Bauten in ausgewählte Metropolen zu transportieren. Aufgeladen mit metropolitanem Flair können die Gebäude nach ihrem Rück­transport Teltows Stadtbild bereichern. Mit zurückhaltendem Humor illustriert der Beitrag die Rolle von Stadtgestalt und Baukultur für das Selbstverständnis Teltows. Zudem sensibilisiert sie Bürger und Politik für künftig verstärkt anstehende Anstrengungen zugunsten einer städte­baulichen Qualitätssicherung. Diese künstlerische Arbeit zeichnete die Jury mit dem Sonder­preis der Hans und Charlotte Krull Stiftung in Höhe von 1.200 Euro aus.

Mit der Körperwerft entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Teltow-Werft in Berlin-Zehlen­dorf ein naturnaher Ort der klösterlichen Ruhe. Jacob Mau (23), Helena Steinbrenner (26) und Lianne Vreugdenhill (21) stellen in die alten Gewerbehallen Schlafboxen für Kurzurlauber auf, die an Klosterzellen erinnern. “Die Arbeit zeichnet sich durch einen sensiblen Umgang mit dem denkmalgeschützten Gebiet aus”, so die Jury. Das Ensemble werde auf behutsame Weise für heutige Nutzungen angepasst und weiterentwickelt. Das Architektur-Team der Berliner Beuth Hochschule für Technik und der Hogeschool Amsterdam, erhielt dafür einen Sonderpreis in Höhe von 1.500 Euro, gestiftet vom Verband Restaurator im Handwerk e.V.

Durch eine Nachverdichtung des Bestands entsteht ein urban anmutendes Quartier aus dunk­lem Backstein, für das auch Abrisssteine eines Werkstattgebäudes wiederverwendet werden sollen. Auf dem Gelände integrieren sie 36 Häuser mit 50-54 Wohneinheiten. Für die Be­wohner und Urlauber wird vor Ort ein Angebot an unterschiedlichen Nutzungen ausgearbeitet. Sie können sich in einem Laden selbst versorgen, in dem auch die Kleingärtner aus der Nach­barschaft ihre Ernte vermarkten oder in der Saftwerkstatt verarbeiten lassen können.

An dem größten Förderwettbewerb für junge Architekten, Ingenieure und Künstler im deutsch­sprachigen Raum können Studierende wie Berufstätige teilnehmen, die nicht älter als 35 Jahre sind. Der Ideenwettbewerb wird interdisziplinär in den Fachsparten Städtebau, Landschafts­architektur, Architektur, Konstruktiver Ingenieurbau, Verkehrsplanung, Nachhaltigkeit, Denk­malpflege und Freie Kunst ausgeschrieben.



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