dormakaba, ein Komplettanbieter für Lösungen im System

Nach dem Zusammenschluss von DORMA und Kaba zu dormakaba ist ein Unternehmen mit mehr als 150 Jahren Erfahrung für Sicherheit, Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit entstanden. Das heißt, dass Produkte, Lösungen und Services für einen sicheren Zutritt zu Gebäuden und Räumen aus einer Hand zur Verfügung stehen. Was heißt das aber konkret? Welche Anforderungen stellen Planer, Architekten und Betreiber an Zutrittslösungen? Welche Rolle spielt die Vernetzung und Digitalisierung? Diese und weitere Fragen stellte die Redaktion Jens Kronenberg, Leiter Architektenservice, und Bernhard Heitz, Technische Entwicklung/Design, bei dormakaba.

dormakaba versteht sich als Partner für smarte und sichere Zutrittslösungen. Was heißt das konkret?

Jens Kronenberg: In der neuen Firmenkonstellation setzen wir natürlich auf die Historie und die Erfahrung beider Unternehmen. Den bestehenden Zielgruppen, zu denen beste Kontakte bestehen, geben wir die Sicherheit, dass wir weiterhin mit einem großen und umfassenden Portfolio alle Bedürfnisse hinsichtlich smarter und sicherer Zutrittslösungen als Partner zur Verfügung stehen. DORMA war besonders bei mechanischen/mechatronischen Produkten stark, Kaba hat die Expertise eher im digitalen/elektronischen Bereich. Es werden weiterhin innovative Produkte in allen Bereichen entwickelt werden.

Die Fusion beider Unternehmen bedeutet aber auch, sich im Portfolio zu ergänzen. Was heißt das konkret für Planer?
Jens Kronenberg:
Architekten und Ingenieure sind seit Jahrzehnten eine wichtige Zielgruppe, vor allem aus DORMA-Sicht. Jetzt betrachten wir das ganzheitlich und bilden unsere Architektenberater so aus, dass sie über alle Produktbereiche die Beratung vornehmen können. Gleichzeitig ist das auch der Weg, um Bedürfnisse und Anforderungen der Architekten und Ingenieure in das Produktmanagement zu spielen.

Wie kann man sich den Prozess vorstellen, welche Aktivität entsteht daraus?

Jens Kronenberg: Oft ist es so, dass wir schon in der Vorplanungsphase in die Beratung einsteigen oder, wenn die Kostenstrukturen deutlicher werden, dann können wir die konkrete Spezifizierung der Lösung vornehmen. Wir betrachten immer den gesamten Planungs- und Umsetzungszyklus, das bezieht sich in der Betreuung auf Architekten wie auf die verarbeitenden Betriebe.

Wünschten Sie sich, deutlich früher in die Entscheidungsprozesse einbezogen zu werden?

Jens Kronenberg: Wenn man hinterher die Lösung betrachtet, kommt man natürlich zu dem Schluss, dass es das Beste ist, wenn wir von Anfang an in den Planungsprozess mit den Anforderungen an Sicherheit, wie zum Beispiel Zutrittslösungen oder besondere Sicherheitsmaßnahmen, einbezogen werden. Wenn man erst in der Ausführungsplanung zum Beispiel mit dem Thema „Automatische Türen“ konfrontiert wird, müssen die Bedienelemente einge-

plant werden, aber wo? Neu- und Umplanun-gen bis hin zu Umbauten sind nötig, die eigentlich bei rechtzeitiger Planung nicht nötig würden und vor allem Kosten verursachen.

Herr Heitz, sind Sie auch in diese Prozesse mit eingebunden?

Nein, ich bin nicht direkt in der Design-Beratung vor Ort. Natürlich habe ich die Architekten mit ihren Anforderungen im Fokus. Ich kümmere mich mehr um neue Produkte und Systeme, vor allem um neue Konzepte und Lösungen, bspw. wie Produkte und Architektur zusammen funktionieren. Ein Beispiel dazu sind Architektenworkshops mit nationalen wie internationalen Architekten. Dabei wird darüber diskutiert, wie man sich in Zukunft komfort- wie auch sicherheitsrelevante Zutrittslösungen mit gutem Design vorstellt. Mit diesen Vorgaben entwickeln wir anwendungsbezogene Konzepte, u. a. neue Produkte mit allen Gewerken und Produktdesignern.

Sie stellen sich den Herausforderungen und Ansprüchen des Marktes. Was sind konkret Lösungen mit Mehrwert?

Jens Kronenberg: Gerade das Thema Türen hat in den letzten Jahren enorm an Komplexität und Anforderungen zugenommen, sei es in Bezug auf Brandschutz, Barrierefreiheit, Sicherheit und viele andere Anforderungen mehr. Zum Teil stehen sie auch im Wettbewerb zueinander. Wenn diese Themen aber möglichst früh zusammen mit den erforderlichen Produkten und Komponenten betrachtet und kompatibel aufeinander abgestimmt werden, hat das für alle Beteiligten nur Vorteile: für die ausführende Firma, für den Betreiber ebenso wie für die Planer und Architekten und natürlich für die Endnutzer, die bei unseren Überlegungen im Fokus stehen.

Herr Heitz, was bedeutet es aus der Sicht der Technischen Entwicklung/Design, Lösungen und Produkte mit Mehrwert zu entwickeln?

Wir sind letztendlich ein Komplettanbieter. Wir produzieren an unterschiedlichen Standorten. Historisch betrachtet kommen die Produkte aus verschiedenen Unternehmen. Verbaut werden sie aber alle in einem Raum, in dem sie alle miteinander zu tun haben, im System aufeinander abgestimmt sind und formal, funktionell und technologisch miteinander korrespondieren.

Das heißt, alles unterliegt „Guidelines“?

Bernhard Heitz: Ja, das fängt an mit einheitlichen Farben und Oberflächen, dem ge­meinsamen Branding bis hin zu einer eigen­ständi­gen Ikonografie. Dazu kommt das produktbezogene User Interface – insgesamt sind es zehn Teilaspekte, die dazu führen sollen, dass auf lange Sicht Produkte, egal wo sie herkommen, im Objekt zusammenpassen. Diese zehn Elemente der Ästhetik, was ein Baukastensystem ist, nennen sich „XEA“, X für 10, und EA – für „Elements of Aesthetics“. Alles was bei dormakaba entwickelt wird, kann nicht an diesen Guidelines vorbeientwickelt werden. Mehrwert heißt dann, Produkte passen immer zusammen, man kann immer kombinieren. Gewohnte und gelernte Nutzungen von Produkten müssen nicht wieder neu erlernt werden.

Und welche Bedeutung hat die Digitalisierung und die fortschreitende Vernetzung?

Jens Kronenberg: Wenn man sich rein technisch mal einer automatisierten Tür nähert, bei der gleichzeitig aber auch das Thema Sicherheit gegen unbefugten Zutritt mit abzudecken ist, stellt sich die Frage, wie schaffe ich es, dass der Türantrieb und das integrierte Schloss sowie weitere Komponenten gut miteinander kombinieren? An der Stelle ist es daher besonders wichtig, das erst einmal technisch funktionell auf eine Ebene zu bringen. Diese Vernetzung aller Produkte zu einer Lösung zusammenzuführen, ist eine besondere Stärke von uns, besonders dann, wenn es auch ästhetisch zusammen passen soll.

Letzte Frage an Sie beide: Wie sehen die Lösun­gen für die Zukunft aus? Woran arbeiten sie?

Bernhard Heitz: Die Zukunft wird sicherlich in Richtung „Connectet Services“ gehen und in speziellen oder gar individuellen Systemlösungen liegen. Dafür werden wir die entsprechende Technologie liefern.

Jens Kronenberg: Wir stellen fest, dass bei den Zukunftsthemen Digitalisierung und Vernetzung der Bedarf an Beratung vor Ort deutlich steigt. Die Themen sind und werden vielfältiger, was für uns zur Folge hat, dass wir die Architektenberatung weiter ausbauen. Obwohl die Erstinformationen oft im Netz erfolgen, bleiben doch viele objektspezifische Rückfragen, die wir dann beantworten bzw. zusammen mit unserer Anwendungstechnik oder auch mit bewährten spezialisierten Partnern entwickeln. Es ist und bleibt aber ein sehr persönliches Beratungsgschäft.

Herr Heitz, Herr Kronenberg, herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Das Interview führte DBZ Chefredakteur Burkhard Fröhlich am 29. Juni 2017 in Ennepetal