Sehenswert: Zwei Ausstellungen Im Deutschen Architekturmuseum für Sie angeschaut: Peter Hölzinger und Drout, Lacaton & Vassal

Das Team des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main hätte es nicht sinnfälliger machen können: Unten, gleichsam geerdet und mit dem Wurzelwerk Oswalt Mathias Ungers in Kontakt die Retrospektive der Arbeit Johannes Peter Hölzingers, oben, rund ums Dach des Haus im Hauses eine Projektdokumentation der besonderen Art zu einem Umbau eines Hochhauses durch Drout, Lacaton & Vassal. Dazwischen das kreative Chaos von Studenten deutscher Lehrstühle zum Thema Weiternutzung von Parkhäusern. Unten der Psychodynamiker aus der deutschen Architekturgeschichte, darüber die Kreativen der Jetztzeit mit einem spannenden Thema, ganz oben die Visionäre und Pragmatiker aus dem Nachbarland Frankreich, aus welchem in den letzten Jahren sicherlich nicht die bewegenden Innovationen in Sachen Architektur gekommen sind.

Doch die Ausstellung vom Umbau des Tour Bois Le Prêtre im Rahmen der EUROPA-KULTURTAGE der EZB beweist wieder einmal, dass es von jeder Regel eine Ausnahme gibt. Spärlich wie zugleich genial umgesetzt konzentiert sich die Ausstellung ganz oben auf die Aussage, dass es in der Architektur darum geht, niemals etwas abzureißen, wegzunehmen oder zu ersetzen, sondern immer etwas hinzuzufügen, zu transformieren und weiter zu nutzen. Dokumentiert wird das mittels 1:1-Ausblicken, die über eine den Raum umlaufende Fototapete dargestellt werden. Der Besucher schaut aus dem erweiterten Turm über die Möbel seines Wohnzimmer durch den neuen Wintergarten über den neuen Balkon in die - nicht selten triste - Urbanität von Paris. In der Mitte dieses Ausblickpanoramas, in Ungers kleinem Haus im Haus kann der Besucher, wie ebenso davor sitzend im Katalog, über das Projekt alles Nötige nachlesen. Und er oder wir werden über Blicke auf vergleichbare, aber noch nicht in Angriff genommene Projekt in Deutschland für ein Thema interessiert - und möglicherweise emotionalisiert, dessen Bedeutung nicht erst der deutsche Beitrag in Venedig herausgestellt hat, sondern hier in Frankfurt schlicht als "Haltung" klassifiziert wird; mit Recht.

Ganz klassisch dagegen die Schau im Erdgeschoss, die wesentliche Teile des Vorlasses Peter Hölzinger an das DAM vor Augen führt und im Rahmen der DAM Reihe "Architekten Rhein-Main" stattfindet, die 2011 mit "schneider+schumacher" gestartet wurde und im kommenden Jahr mit den Ingenieren Bollinger+Grohmann fortgesetzt wird. Peter Hölzinger, der als einer der konsequentesten und eigenwilligsten Entwerfern seiner Generation gilt, kann sich hier mit zentralen Bauten präsentierten. Oder anders, wir bekommen mit der hochspannenden Ausstellung die Möglichkeit, mit dem Blick auf die Arbeiten des 1936 in Bad Nauheim geborenen Architekten einen wesentlichen Abschnitt deutscher Kulturgeschichte zu erfahren. Die Integration von Architektur und bildender Kunst war der Leitgedanke der von 1965-1982 bestehenden Werkgemeinschaft mit dem Zero-Künstler Hermann Goepfert, von welchem die relevanten, die Arbeiten Hölzinger prägenden Werke ebenfalls zu sehen sind. Skulpturen, Modelle, Zeichnungen, sw-Fotografien aus der Zeit der Entstehung gekontert mit aktuell aufgenommenen Farbfotos, alles das zu durchwandern macht auch Spaß neben der Durchforstung der ganzen ganz eigenen Theorienwelt und ihrer Realisierung. Fantastisch. Be. K.

Zur Ausstellung erscheint in der Edition Axel Menges die umfassende Werkdarstellung "Johannes Peter Hölzinger. Psychodynamische Raumstrukturen. Ein Werkbuch."





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