Schneider + Schumacher

Eine Ausstellung und die anstehende Neueröffnung des Städel locken an den Main

Wir schauten uns eine Ausstellung an und hatten das Glück, an einer Führung durch den noch nicht fertiggestellten, unterirdischen Gegenwartskunsttempel teilnehmen zu können: Die Bilder davon allerdings sind noch nicht freigegeben! Aber alles andere schon ...

Der Termin ist günstig und mit Absicht so gewählt: Während im so genannten „Silvertower“ (ehemals Dresdner Bank Hochhaus von ABB Architekten, 1978) die Arbeiten abgeschlossen und im Städel die Arbeiten an der, ebenfalls von Schneider + Schumacher geplanten, unterirdischen Erweiterung in die letzte Runde gehen (voraussichtlicher Eröffnungstermin Mitte Februar 2012), wurde im dem Städel benachbarten Deutschen Architekturmuseum, ebenfalls Schaumainkai, eine Ausstellung eröffnet. Natürlich über Arbeiten der Frankfurter Architekten, die nicht nur namentlich sondern auch farblich an einen großen Motorsportler und seinen Rennstall erinnern.

Es wird also eine gewissen Zeit der Überschneidung geben zwischen Aufmerksamkeitsmagneten Städel-Neubau und monografischer Architekturausstellung; das kann beiden gut tun, denn tatsächlich sind die unterirdischen, aber auch die Eingriffe in den Bestand über der Erde noch besser zu verstehen, wenn man den Blick auf die Arbeiten insgesamt hat. So jedenfalls lässt sich die Motivation erklären, den Beginn einer neuen Reihe zu Architekten im Rhein-Main Gebiet mit den auch Städel-Absolventen zu eröffnen. Und Architekturmuseum wie auch Architekten taten das nicht wie gewohnt mit Plan- und Modellschauen, die über neben gehängte Fotografien auch dem interessierten Besucher verständlicher werden. Sie zeigen ausschließlich Fotografien. Dabei verlassen sie sich allerdings nicht auf das, was sie im Bestand haben und durchaus schon bekannt ist, ebenfalls werden wir nicht mit einer Diaschau genervt, die mittels Überblendtechnik Vorlesungsathmosphäre ins DAM gezaubert hätte. Die ausgewählten Projekte werden anhand von großformatigen Projektionen in einer eigens für das DAM von Meso entworfenen Installation gezeigt. Und: Die Fotos sind neu. Und: nicht von den Architekten beeinflusst. Eine freie Arbeit von der eigentlich Künstlerin seienden Kirsten Bucher, die den Arbeiten von Schneider + Schumacher ihren eigenen Blick hinzufügt. Und, so wollte es dem Besucher scheinen, der die Bilder in einer ersten Pressevorführung sich anschauen konnte, in durchaus auch für die Kollegenschaft Beispiel gebender, höchst authentischer Weise.

Dazu gibt es einen Katalog (Prestel), der neben diesen Bildern eine Vielzahl von Texten und Gesprächen enthält und insgesamt einen wunderbar dezent redigierten Originalton von der Sache Schneider + Schumacher vermittelt.

In dem Leuchtkubus, der dieStützenlandschaft im Ungers-Bau verbirgt und damit gleichzeitig sich dem Raster unterwirft, erstmals Black-Box im Hause ist und auch sonst eine Ausstellungswende im DAM anzudeuten scheint, in dem Leuchtkubus finden man dann ganz frühe Arbeiten der beiden Architekten, die, so ihre Anmerkungen, die komplette wie komplexe Maschinerie ihres Arbeitens bis heute enthält und also auch dem Aufmerksamen aufschlüsselt.

Der Gang ins benachbarte Städel war daran anschließend Pflicht und größte Freude, leider möchten weder Architekten noch das Städel selbst zu diesem Zeitpunkt Bilder von dem Gartenpavillon veröffentlicht sehen. Denn das, was man sieht könnte als das wahrgenommen werden, was es noch nicht ist. Die Bilder also ruhen noch ein Weilchen, und ungeduldig warte ich auf die Eröffnung, die zeigen wird, ob das Versprechen eingelöst werden wird, hier, unterm Frankfurter Rasen eine Ausstellungsarchitektur geschaffen zu haben, die beispielhaft sein kann für andere Museen dieser Welt. Be. K.

 

 



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