Sanierung Wohnhäuser Lichterfelde Süd, Berlin

Seit 2014 modernisiert die Berliner Wohnungsbaugenossenschaft Märkische Scholle gemeinsam mit eZeit Ingenieure im Quartier Lichtenfelde Süd, unweit der ehemaligen Mauergrenze zu Ost-Berlin, insgesamt 42 zwei- bis viergeschossige Wohnhäuser. Davon können 33 Häuser saniert werden, 9 Häuser werden im Zuge des Bestandsersatzes neu gebaut. Bereitwillig ließen sich die Mieter für die Dauer der Instandsetzungsarbeiten bis zu sechs Monate in Ersatzwohnun­gen umquartieren. Bis 2020 sollen alle 841 Wohnungen energetisch und optisch auf dem Stand der Zeit sein. Ein Teil dieses Grossprojekts – mit 70 Mio. € budgetiert und für die Märkische Scholle die größte Herausforderung ihres fast 100-jährigen Bestehens – wird durch ein Forschungsprojekt begleitet: Fünf Mehrfamilienhäuser eines Strassenzuges werden jeweils mit unterschiedlichen Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) ausgerüstet und deren Leistungsfähigkeit untersucht. Die Nachbarhäuser aus den 1930er-Jahren boten sich an, da sie in unsaniertem Zustand alle einen vergleichbaren Heizenergiebedarf von knapp 170 kWh/(m²a) aufwiesen. Auf jeweils ca. 1 000 m² kam ein anderes WDVS zum Einsatz: auf Basis von EPS (Dalmatiner-Dämm­platte), Mineralwolle, Holzweichfaser (System Inthermo) oder Hanf (System Capatect Natur+). Hinzu kam die Erweiterung aller gedämmten Häuser um ein Staffelgeschoss, dessen Außenwände mit einem Inthermo Holzfaser-WDVS ummantelt wurden. Um genaue Messwerte zu erhalten, wurden Sensoren installiert. Gemessen wird in regelmäßigen Abständen neben dem Temperaturverlauf auch die Feuchtigkeit im Bauteil, um Aussagen über das Rücktrocknungsvermögen der applizierten Putze treffen zu können und das Verhalten der Dämmplatten – beispielsweise ihren sommerlichen Hitzeschutz – unter Realbedingungen zu ermitteln. Wissenschaftlich begleitet wird das Forschungsprojekt von der Beuth-Hochschule für Technik (Fachbereich IV für energieeffizientes Bauen/Prof. P. Jochum). Der Langzeitversuch in Lichterfelde ist auf mehrere Jahre angelegt.

Das WDVS auf Basis von Hanf Capatect Natur+ ist in Deutschland erst seit Frühjahr 2016 verfügbar. Im Dämmstoff-Markt schließt es eine Lücke als robuste, hocheffiziente und dabei ökologische Dämmstoffalternative für hohe Mehrgeschossgebäude. Hanf lässt sich angenehmer verarbeiten als Mineralwolle. Die Dämmplatten werden nach der Wulst-Punkt-Methode mit Armiermörtel versehen, dann stumpf stoßend am Wandbildner fixiert und anschließend mit jeweils acht Tellerdübeln im Mauerwerk verankert
 
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