Salz und Silber

Salz und Silber, zwei Begriffe, die für Alltäglich und das Magische stehen. So jedenfalls und durchaus nachvollziehbar der Schlusssatz in einem Expertengespräch, das in der hier vorliegenden Publikation zur frühen Fotografie als eines von zweien dokumentiert ist. Silberchlorid ist eigentlich die magische Substanz, mit deren Hilfe Fotografen wie Robert Adamson, Auguste Salzmann oder der vielleicht bekannteste von ihnen, William Henry Fox Talbot, ihre ersten Abbildungen auf Papier schufen. „Photogenic Drawings“ nannte Letzterer seine Verfahren, die Welt gleichsam über den Kontaktabzug direkt indirekt abzubilden. Die „Kalotypie“, also der schöne Druck, hat im
19. Jahrhundert wunderbare Ergebnisse gebracht, die mit Blick auf die Kakophonie der mechanischen oder elektronischen Kameraverschlüsse der Jetztzeit beruhigend, entschleunigend wirken und trotz aller rough roughness im Prozess der Herstellung fragil, kostbar weil einzigartig anmuten.

Es sind Bezüge zur Gegenwart evident. Insbesondere die Fotokunst, sei es die von Man Ray damals oder die von Hiroshi Sugimoto heute, zeigt sich als Abkömmling der Talbots. Salt and Silver, ein Begleitbuch zu einer großen Ausstellung in der Tate Britain, holt die Schätze der Fotografie der ersten Stunde in unser Bewusstsein zurück. Dass das auf schönem Papier mit hervorragender Druck- und Satzqualität geschieht, erfreut umso mehr. Denn gerade die feinen Nuancen in den Photogenic Drawings sind im Zeitalter standardisierter Qualitäten auf allen Devices besonders wertvoll für ein Verständnis von der analogen Welt, in welcher wir, trotz aller gegenteiliger Behauptungen, immer leben werden. Mit Glossar, Bibliografie und Register. Be. K.

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