Sven Wingquist Test Center, Schweinfurt

SKF Großlager-Testcenter, Schweinfurt Neubau des Großlager-Prüfzentrums von Ekkehard Voss / TCHOBAN VOSS ARCHITEKTEN | Architektur und Städtebau, Berlin

Als letzter Baustein für das Großlager-Kompetenzzentrum im Süden der Industriestadt dient das Sven Wingquist Test Center zum Testen von Großlagern für Windkraftanlagen, sowie für den Schiff- und Bergbau, die Papierindustrie oder den Zement- und Stahlsektor. Die Gestalt des Neubaus folgt dem CI des Unternehmens und verkörpert das hier ansässige technologische Know-How in seiner abgerundeten Form und seiner Materialität, die dem Flugzeugbau entlehnt ist.

Das architektonische Grundmotiv des Neubaus bilden zwei parallele, zueinander versetzte Volumen in markant abgeschrägter, windschiefer Form. Mit der dynamischen Gestalt der Volumen wird die Stärke angedeutet, mit der im Inneren gearbeitet wird: Die Prüfstände können Kräfte von bis zu 10 Meganewton entwickeln.

Die Hallen sind auf dem 14 Hektar großen Grundstück auf Köcherfundamenten gegründet. Als Bodenplatte der beiden in Massivbauweise mit Stahlbetonstützen ausgeführten Volumen dient eine Sohlplatte in Stahl- und Faserbeton. Die Fassade ist mit reflektierenden Weißaluminium-Paneelen verkleidet. Die Verglasung der langgestreckten Nordfassade der großen Halle besteht aus zweischaligem Bauprofilglas. Bei Dunkelheit wirft das Fenster mit den abgerundeten Ecken sein warmes Licht zur nahegelegenen Schnellstraße und zeigt das Firmenlogo in übergroßen Lettern. Damit nimmt das Gebäude einen gestalterischen Dialog zum ebenfalls nachts erleuchteten SKF-Hochhaus einige hundert Meter mainaufwärts auf und hebt die städteräumliche Bedeutung des Unternehmens hervor.

Beide Gebäudehallen dienen unterschiedlichen Zwecken: In der höheren, eingeschossigen Halle befinden sich zwei Prüfstände für Großlager sowie zwei kleinere Prüfstände. Ein 110 Tonnen tragender Brückenkran sichert das Einfahren der hochsensiblen Maschinenbauteile. In der kleineren, zweigeschossigen Halle sind größtenteils Bereiche mit diversen technischen Raumfunktionen, Lagerflächen sowie Workshops angeordnet. Büroräume, der Control Room, ein Mediacenter mit Seminar- und Konferenzbereich runden das Profil des Neubaus ab. Auch im Inneren setzt sich die aus der Nutzung heraus entwickelte fließende Handschrift konsequent fort – etwa in der Gestaltung der Akustikwandverkleidungen, der Deckenspiegel, im Beleuchtungskonzept und zahlreichen anderen Ausstattungsdetails.

Der auffällige Neubau dient als Vorreiter-Standort für regenerative Energien und energieeffiziente Technologien. Damit einhergehend wird für das Gebäude eine LEED-Gold-Zertifizierung angestrebt. Das vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit 1,9 Mio. Euro sowie durch das Umweltinnovationsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit mit 1,6 Mio. Euro geförderte Projekt soll als Symbol der deutschen Umweltpolitik betrachtet werden. Am 21. Juni 2017 wurde das weltweit leistungsfähigste Prüfzentrum für Großlager feierlich eingeweiht.

SKF Großlager-Prüfzentrum, Schweinfurt

Sven-Wingquist-Straße 6, 97424 Schweinfurt
Auftraggeber: SKF GmbH, Schweinfurt

BGF: 5.828,13 m²
Fertigstellung: April 2017

Leistungsphasen: 1-9
Architekt: Ekkehard Voss
Assoziierter Partner: Frank Focke
Projektleiter: Stephan Müller
Mitarbeiter: Annett Neitzel, Daniel Schnettka
Bauleitung: Holger Philipp Architekturbüro, Schweinfurt

Statik: Ingenieurbüro Dr. Binnewies, Hamburg  

Haustechnik: RMN Ingenieure GmbH, Hamburg

Landschaftsplaner: Wiggenhorn & van den Hövel Landschaftsarchitekten BDLA, Hamburg  

Interieur: a·g Licht GbR, Bonn