Professionell körnig

Peter Märkli ist ein Verborgener. Vor zwanzig Jahren war er gar ein Geheimtipp, erst seine „La Congiunta” von 1992 brachte den Schweizer Architekten an die Oberfläche der Wahrnehmung aller relevanter Medien, was nichts Grundsätzliches an seinem Verborgensein änderte. Jetzt allerdings, nach seiner vorzeitigen Emeritierung 2015, scheint sich das zu ändern, mit „Zeichnungen“ in 2016 und der hier besprochenen liegen nun zwei Monografien vor (beide Quart Verlag).

2002 erfreute jeden Märkli- und sicherlich auch jeden Buch-Fan die bei der AA erschienene Monografie „Approximations“, herausgegeben von Mohsen Mostafavi: ein Lichtblitz am eher trüben Monografien-Himmel damals. Nun also, in Aufmachung, Machart, ja schon in der äußeren Form diesem ersten großartigen Buch ähnlich: ein drittes. Eigentlich, mit Blick auf die Werkschau, das zweite. Es setzt dort ein, wo Mohsen Mostafavi 2002 aufgehört hatte. Was am Anfang ein kleiner Schreck ist! Es fehlen – denkt man – die Bauten, die man so lange in Erinnerung hatte: die Wohnhäuser in Trübbach/Azmoos oder in Sarganz oder in Hünenberg, sonderbare Erfindungen, die sämtlich und in wesentlicher, in analoger Weise aus diesen geheimnisvoll einfachen Zeichnungen zu resultieren scheinen. Zeichnungen, denen im vergangenen Jahr eine umfassende Publikation die ihnen angemessene Referenz erwiesen hat (auf DBZ.de besprochen).

17 Bauten jetzt also in einem ähnlich griffigen, oberflächenrauen Buch versammelt. 17 in Art und Maßstab, in Nutzung oder Bauaufgabe völlig unterschiedliche Arbeiten, die Umbauten sind, kleine Wohn- und Atelierhäuser, Mehrfamilienhäuser, eine Hauptverwaltung, ein Hotel etc. Sie alle werden über Skizzen, über Grundrisse vorgestellt, mit systematisch aufgebauten Fotostrecken näher gebracht, in Detailzeichnungen und -skizzen vertieft. Und überall spricht der Architekt über seine Bauten, sei es im Dialog, sei es in kleineren oder längeren Projektbeschreibungen, die immer mehr sind als eine reine Dokumentation. Immer scheint dabei der Blick auf das Ganze durch, werden Bezüge zu anderen Arbeiten, zu anderen Architekten, zu anderen Welten in kurzen Nebensätzen eingefügt.

Die Fotografie ist professionell und ebenso körnig, wie alles an diesem Buch wie ein Werkbericht erscheinen soll (und erscheint): wie eine Arbeit, die eigentlich auf dem mit Sägestaub überzogenem massivem Arbeitstisch liegt. Robust in allem, sehr fein im Detail. Dass die längeren Essays mit einer dem Buch beiliegenden deutschen Übersetzung auch den Lesern näher gebracht werden, die sich scheuen, mit Peter Märkli auf Englisch zu verhandeln, ist sympathisch. Dass das Buch überhaupt mit nur englischem Text erscheint, deutet möglicherweise darauf hin, dass der Architekt im akademischen Ruhestand jetzt erst so richtig loslegen wird. Überall auf der Welt, aber ganz sicher am liebsten dort, wo man das (physische) Gewicht seiner Arbeiten besonders schätzt; in der Schweiz möglicherweise. Be. K.

Peter Märkli – Everything one invents is true. Hrsg. v. Pamela Johnston. Engl., in Teilen dt. übers. Quart Verlag, Luzern 2017, 240 S., 178 Abb., 101 Zeichn., 75 Pläne
126 €, ISBN 978-3-03761-138-8
Zudem rezensiert auf DBZ.de, Ausgabe 09 | 2017 Aktuell-Bücher:
Bauhaus Reisebuch. Weimar. Dessau. Berlin. Prestel, München 2017
Berlin – Die Schönheit des Alltäglichen. Jovis, Berlin 2017
Brita Reimers, Mara Sylvester, Begegnungen. Von Natur und Natur. Matthes & Seitz, Berlin 2016

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