4a Architekten

Neues Hallenbad in Stutensee

Schwimmen, rutschen, planschen oder auf der Liegewiese entspannen – das alles geht im neuen Stutenseebad. Im Vordergrund der Planung für das neue Schwimmbad stand, ein gestalterisch überzeugendes und qualitativ hochwertiges Gebäude mit langer Lebensdauer zu errichten. Deshalb wurde der Neubau unter Anwendung der Nachhaltigkeitskriterien im staatlich geförderten kommunalen Hochbau entwickelt (Förderprogramm NBBW). Der kompakte Baukörper mutet von außen schlicht an, im Innenraum herrscht eine leuchtend helle Atmosphäre, die mit maximaler Aufenthaltsqualität überzeugt.

Das neue Stutenseebad liegt zwischen dem Schul- und Sportzentrum und dem neuen Festplatz am Ortsrand von Stutensee. Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels wurde der Neubau zwei Meter über Geländeniveau realisiert. Diese erhöhte Lage verleiht dem Baukörper im Außenraum eine gesteigerte Präsenz und sorgt im Innenraum für mehr Privatheit und damit eine höhere Aufenthaltsqualität im Bad. Architektonisch gliedert sich das Hallenbad in zwei Raumvolumen, die sich sichtbar von außen abzeichnen. Die geräumige Badehalle umfasst ein Schwimmerbecken, ein Lehrschwimmbecken mit Rutschbahn sowie einen Kleinkindbereich mit insgesamt 368 m² Wasserfläche. Eine überdachte Terrasse nach Osten erweitert das Angebot im Außenbereich. Der nach Süden angrenzende Eingangs- und Umkleidebereich mit Dusch- und Nebenräumen setzt sich durch eine reduzierte Raumhöhe von der Badehalle ab. Dabei greifen die zwei Baukörper in Form und Materialität ineinander und verzahnen sich von außen durch ein umlaufendes Band der Stahlblechfassade.
 

Angenehme Lichtverhältnisse durch Fensterband
Der Eingang des neuen Hallenbades ist nach Westen ausgerichtet. Eine repräsentative Freitreppe aus Sichtbeton markiert die Eingangssituation und bietet Schülern in Form von Sitzgelegenheiten einen attraktiven Wartebereich im Freien. Die großzügige Verglasung des Gebäudes zur Straße wirkt einladend und bietet erste Einblicke in die Badehalle. Die Umkleiden liegen im Süden zur benachbarten Sporthalle. Hier zeigt sich der Baukörper weitgehend geschlossen, lediglich ein schmales, langgestrecktes Fensterband durchbricht die silbergraue Stahlblechfassade und sorgt für angenehme Lichtverhältnisse im Innenraum. Nach Osten öffnet sich das Bad zum Baumbestand und zum angrenzenden Bachlauf, der Pfinz-Heglach. Dabei geht die Badeplatte in den überdachten Außenraum über und führt den Badegast zur tiefer gelegenen Liegewiese. Im Norden grenzen der Parkplatz sowie die Anlieferung über den Tiefhof mit Scherenbühne, der Zugang zum Chlorgasraum sowie eine behindertengerechte Rampe an.
 
Die klare Grundriss-Organisation von Badehalle und Umkleidebereich ermöglichte eine kompakte und ökonomische Bauweise mit einem günstigen A/V-Verhältnis. So lassen sich nicht nur die Baukosten, sondern auch die Kosten im Betrieb reduzieren. Nach Westen, Norden und Osten bieten teils raumhohe Glasfassaden Ausblicke in die Umgebung. Dabei bilden die Auskragungen von Bodenplatte und Dachfläche im Westen die Eingangszone mit Freitreppe, im Osten den Übergang zum Freibereich mit Liegewiese. Um den Anteil der Glasfassaden zu reduzieren, wurde im Norden die obere Fassadenfläche geschlossen, so bleibt der Ausblick erhalten. Geringere Raumhöhen im Eingangsbereich und den Umkleiden reduzieren das Bauvolumen. Zudem entsteht durch die unterschiedlich hohen Baukörper ein Versatz am Schnittpunkt der Dachflächen, der die formale Strenge des Gebäudes auflöst und durch ein Oberlichtband den Innenraum zusätzlich mit Tageslicht versorgt.

Unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit
Die Materialien im Stutensee-Bad wurden entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit eingesetzt: Während Keller- und Erdgeschoss in Stahlbeton (Sichtbeton) ausgeführt sind, konnte die Tragstruktur für die weit gespannte Badehalle und den Umkleidebereich in Holzbauweise errichtet werden. Auch die abgehängten, akustisch wirksamen Lamellen-Decken und Wandverkleidungen sowie die gelochte Seekieferdecke im Umkleidetrakt sind in Holz ausgeführt. Diese Materialwahl basiert unter anderem auf den zahlreichen positiven Eigenschaften und der natürlichen Anmutung des Werkstoffs: Holz bietet ein gesundes Raumklima, ist CO2-neutral und recyclingfähig und eignet sich darüber hinaus sehr gut, um die Raumakustik in Räumen mit schallharten Flächen wie Badehallen zu optimieren. Darüber hinaus sorgte der hohe Vorfertigungsgrad der Holzelemente für eine wirtschaftliche Bauweise und kürzere Bauzeiten.  Diese Paneele zwischen den Holzrippen der Decke und an der Wand prägen maßgeblich die Innenraumwirkung des Stutensee-Bads. Dabei ist die Lamellenstruktur nicht nur gestalterisches Element, sondern optimiert zugleich die Raumakustik. Im Umkleide- und Eingangsbereich ist die tiefer liegende Holzrippendecke mit einer gelochten, weiß lasierten Akustikdecke aus Seekieferplatten verkleidet.

Neben Holzdecke und Glasfassaden verleihen Sichtbeton, anthrazitfarbenes Feinsteinzeug, farbige Mosaikfliesen und farbig gestaltete Glasspinde dem Innenraum eine freundliche und warme Atmosphäre. Die ruhigen Materialien und frischen Farben sind bis ins Detail und fein aufeinander abgestimmt, so entsteht einerseits eine unverwechselbare und eigenständige Wirkung im Bad, die zugleich unaufgeregt natürlich anmutet. Damit punktet das Bad nicht nur unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten. Es überzeugt auch durch seine hohe Gestaltungsqualität unter soziokulturellem Blickwinkel – optimale Voraussetzungen also für den langfristigen Werterhalt des Gebäudes.

Projektdaten

Standort: Hallenbad Stutensee, Erich-Kästner-Straße 3, 76297 Stutensee
Bauherr:
Stadt Stutensee
Architekt:
4a Architekten GmbH, Stuttgart
Planung: Anke Pfudel-Tillmanns (Projektleitung), Kateryna Shelegon
Tragwerksplanung
: Fischer + Friedrich Ingenieurges. für Tragwerksplanung mbH, 70736 Fellbach
Brandschutz: Ralf Kludt Dipl.-Ing. (FH), Stuttgart
HLS:
IGP Ingenieurgesellschaft für Technische Ausrüstung mbH, 75179 Pforzheim
Bauzeit:
09/2016 bis 08/2018        
BGF:
  ca 3.260 m²
BRI
: ca. 15.395 m³

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