Massiv ohne WDVSBaugruppe Sülzer Freunde in Köln

Dass ein Passivhaus auch mit einer monolithischen Wandkonstruktion machbar ist, stellt Architekt Klaus Zeller bei seinen Baugruppenprojekten unter Beweis. Pilotprojekt für das Bauen mit Hochleistungsziegeln war das Wohnprojekt Sülzer Freunde.

Als in seinem Kölner Stadtteil Sülz ein Wettbewerb für lokale Baugruppen ausgelobt wurde, ergriff Architekt Klaus Zeller mit vier Freunden die Chance und gründete die Baugruppe Sülzer Freunde. Die Idee von selbstbestimmter Nachbarschaft und ökologischem Wohnen mitten in der Großstadt fand Anklang im Freundeskreis und die Baugruppe wuchs auf 30 Erwachsene und 24 Kinder. Für die 16 Baufamilien war von Anfang an klar: Die Gruppe wollte einen gemeinsamen Garten, Gemeinschaftsräume und Passivhausstandard für das Projekt.

Das Wohnprojekt

Grundstück und Baurecht ergaben die Kubatur. Die Architekten stellten zwei langgestreckte Baukörper einander so gegenüber, dass sie mit ihren Terrassen und Wohn-zimmerfenstern auf den dazwischen liegenden gemeinsamen Garten ausgerichtet sind. Die meisten Wohnun-gen haben direkte Zugänge von außen. Diese liegen auf den Langseiten der Gebäuderiegel und stärken den dörflichen Charakter des verkehrsberuhigten Quartiers, u. a. durch die individuelle Nutzung der kleinen Vorgärten. Eine Tiefgarage unter dem östlichen Gebäudeteil ist für die Bewohnern beider Gebäudeteile. Die Gemeinschaftsräume (Gruppenraum, Gästezimmer, Werkstatt und Fahrradabstellraum) schirmen die Wohnbereiche vom Verkehrslärm im Zufahrtsbereich ab.

Jede der 16 Wohnungen ist exakt auf die Bedürfnisse ihrer Bewoh­ner zugeschnitten. Die individuellen Wohnwünsche wurden in einem Fragebogen erfasst, daraufhin wurden zusammen mit Architekten und Fachplanern Wohnungsgröße und -ausstattung entwickelt. Ein Gemeinschaftsraum bietet Platz für Feiern und dient als Innenraum-Spielplatz für die Kinder. Eine für alle nutzbare Gästewohnung mit Bad ersetzt das Gästezimmer in den Wohnungen. Das Flächensharing spart bis zu 20 % Wohnfläche ein. Die Wohnungen sind unterschiedlich groß (2 bis 6 Zimmer) und sowohl horizontal als auch vertikal organisiert − als Garten-, Maisonette- oder Pent-housewohnung. Alle verfügen über eine eigene (Dach-)Terrasse oder einen Balkon. Durch die unterschiedlichen Wohnungstypen entsteht in den sonst eher ruhig gegliederten Baukörpern ein lebendiger Ablauf von vielfältigen und einzigartigen Raumsituationen. Die gemeinsame Gartenfläche ist wegen der hochverdichteten Wohnanlage größer als bei einer vergleichbaren Bebauung mit Einfamilienhäusern. Durch den direkten Bodenanschluss konnten auch tief wurzelnde Bäume gepflanzt werden, die im Sommer einen grünen Puffer zum gegenüberliegenden Gebäuderiegel bilden.

Die Gebäudehülle

Bei der Außenwandkonstruktion entschied sich die Baugruppe für eine robuste Konstruktion ohne zusätzliche Wärmedämmung – auf die Anbringung eines WDVS sollte trotz gewünschtem Passivhaus-

niveau unbedingt verzichtet werden. Die Wahl fiel auf eine einschalige Mauerwerkskonstruktion aus Poroton-Hochlochziegeln mit inte-grierter Perlite-Füllung. Durch das günstige A/V-Verhältnis der großen Baukörper reichten die mit dieser Bauart erreichbaren U-Werte von 0,157 W/(m²K) auch zur Umsetzung des Passivhausstandards aus. Das Flachdach wurde als Umkehrdach mit Stahlbetondecke und 35 cm Wärmedämmung erstellt. In enger Abstimmung mit den Ingenieuren für Statik und Bauphysik wurden über 25 Detaillösungen entwickelt und so lange überarbeitet, bis alle Wärmebrückenbeiwerte auf Passivhausniveau waren und das Ziel einer durchgängig harten Schale erreicht werden konnte. Nach Abschluss der Rohbauarbeiten ergab der Blower-Door-Test einen Luftdichtigkeitswert von 0,2 bis 0,5. Der kreative Umgang mit der monolithischen Außenwandkonstruk-

tion wurde mit dem Deutschen Ziegelpreis gewürdigt.

Die Konstruktionsdetails

Im Fensterbereich wurde zur Vermeidung von Rollladenkästen und den damit verbundenen Wärmebrücken ein von der Fa. Falter-Fensterladen zusammen mit dem Architekturbüro entwickelter Aluminium-Faltladen eingesetzt. Der extrem schlanke Laden ist exakt in die Laibungstiefe der eingerückten Fenster eingepasst und wurde direkt auf den Blendrahmen montiert. Absinkende Wärmebrückenbeiwerte durch verbreiterte Blendrahmen konnten so verhindert werden. Die waagerechten Schlitze im Fensterladen sichern ausreichenden Sonnenschutz und erhalten gleichzeitig den Sichtbezug nach draußen. Die Fenster sind Holzfenster mit 3-fach-Verglasung und schmalem Stulp. Aus Gründen der Nachhaltigkeit entschied sich die Baugruppe für Vollholzrahmen aus Fichtenholz mit LongLife-Beschichtung. Die Fenster wurden in Zusammenarbeit mit dem Fensterbauer durch einen hochwärmedämmenden Puren-Kern optimiert. Eingebaut wurden sie mit selbstschneidenden Schrauben unter Anwendung eines speziellen Kompribandes.

Im Sturzbereich übernimmt eine zweischalige Konstruktion die Minimierung der Wärmebrücken – mit einer 15 cm starken Kerndämmung in WLG 032 konnte ein U-Wert von 0,024 W/(m²K) erreicht werden. Bei Unterschreitung dieser Dämmstärke, z. B. im Bereich der Terrassenöffnungen, wurde mit WLG 024 gearbeitet. Im Außen-

bereich fanden hier Ziegelstürze und Deckenrandsteine aus dem Steinsortiment Verwendung. Im Bereich der Dämmung des Deckenrandes wurden die auf jeder Etage notwendigen Mörtelbette der Anlegeschicht des Mauerwerks unterbrochen, um den Wärmeabfluss zu minimieren. Bei den Balkonen wurden Iso-Körbe mit erhöhter Dämmstärke nach statischer Erfordernis punktuell ein-gebaut, die entsprechenden ψ-Werte jedoch für die gesamte Balkonlänge gerechnet. Die innenliegenden Ortbetontreppen wurden auf druckfeste XPS-Dämmung und Schallentkoppelungsmatten aufgelagert, um den Auflagerpunkt wärmebrückenfrei zu halten. Zur Einhaltung des Schallschutzes wurden ferner die Innenwände aus KS-Stein oder Trockenbau mit zusätzlichen Dämmstreifen entkoppelt.

Der Energiebedarf

Neben der hochwärmegedämmten Außenhülle gehört eine dezentrale Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung zum energetischen Standard des Wohnprojekts. Ein 1500-l-Pufferspeicher dient zusammen mit den Solarkollektoren auf dem Dach zur Warmwasserbereitung. Ein Pelletheizkessel sorgt für die notwendige Restwärme. Mehr als zwei Jahre nach der Fertigstellung sind die Rückmeldungen der Bewohner zum Wohnkomfort sehr positiv, auch bezüglich des sommerlichen Wärmeschutzes und des Schallschutzes. Die Verbrauchserhebungen der ersten zwei Heizperioden bestätigen zudem den vom Architekturbüro errechneten Heizbedarf. IS