MuT Museum unter Tage, Bochum

MuT Museum unter Tage, Bochum

Beinahe übersahen wir, dass bereits Ende 2015 das MUT im Bochumer Kunstpark „Situation Kunst“ eröffnet hatte. Vielleicht, weil es beinahe komplett unterirdisch liegt?!

In die Erde mit der Kunst!? Geht das? Darf man das? Ist Kunst nicht auch dafür da, für einen Ort, einen Ortsnamen zumindest zu werben? Sollen Museen nicht mit ihren Bauten einen Bilbao-Effekt produzieren?

Zuletzt ging das Städel in Frankfurt a. M. komplett unter die Erde, das heisst, es ist nur die Erweiterung, in in einer spektakulären Hallenkonstruktion in die Erde eingegraben wurde. Bullaugen gen Himmel. Im Westen Bochums tat man nun ein Ähnliches. Und wenn man es genau betrachtet, spart man so Klimakosten oder die sonst so gerne und aufwändig geplanten Fenster, die die Bürgermeister als Fenster auf die Stadt und Fenster auf die Kunst so sehr schätzen, die die Kuratoren und Konservatoren allerdings meist weniger erfreuen. Weniger auch als die Besucher, die sich vor diesen Fenstern, die tatsächlich in kleinen Nebenräumen Ruheräume mit Ausblick auf das profane Draußen ermöglichen, gerne mal eine Auszeit nehmen.

18000 m³ Erde wurden in einem kleinen feinen Park im Westen Bochums ausgehoben, um dem Kunstprojekt „Situation Kunst (für Max Imdahl)“ im Ausstellungspark mehr Ausstellungsfläche zur Verfügung zu stellen. Konzeptioniert von Herbert Pfeiffer, Lüdinghausen, und ausgeführt von Vervoorts & Schindler, Bochum, bietet der „Museum unter Tage“ genannte Erweiterungsbau 1350 m² Ausstellungfläche. Wie schon gesagt, Ausstellungsfläche, die komplett unterirdisch liegt.

Oben, vor dem Stammhaus des Projektes „Situation Kunst“ im Bochumer Stadtteil Weitmar, markieren drei mit Stein beziehungsweise Glasplatten verkleidete Quader das unterirdische Volumen. Der eine dient als Notausgang, der andere ist für die Geäudetechnik da, der dritte ummantelt das Treppenhaus, das, von außen unsichtbar im Dach verglast, die Besucher bei Tageslicht in die weite Kunstlichtlandschaft des Ausstellungsvolumen geleitet.

Letzteres bildet sich in Lage und Größe (25 x 75 m) oben über eine geschotterte Fläche ab. Unten ist das Ausstellungsrechteckt durch rektangulär gesetzte Wände aufgeteilt, einfach und ohne viel Aufwand. Lediglich ein paar kleine Abseiten, die über lichtdichte Vorhänge geschlossen sind und der Präsentation zeitgenössischer Videoarbeiten dienen (ohne Sitzbänke!), verlassen das große Rechteck des Museumsgrundrisses.

Dass die „Situation Kunst“ jetzt erstmals einen Großteil des Sammlungsbestandes zeigen kann ist erfreulich. Die unter dem Titel „Weltsichten“ gezeigten Landschaftsarbeiten in der Kunst seit dem 15. Jahrhundert sind in jedem Fall eine Reise wert dorthin wert, wo man einen blinden Fleck im Kunstauge bisher hatte; die Architektur und das Ausstellungshaus im Park sind es sowieso wert. Be. K.

Situation Kunst, Bochum

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03/2016

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