Leistungsträger Fassade
Zukunftsziele für intelligente Fassadenplanung-
Den Wettbewerb für den Spiegel-Hauptsitz gewann...
Visualisierung: on3 Studio, Hamburg
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1 Prallscheibe als VSG aus 2 x TVG
2 3-fach... -
Horizontalschnitt AA Doppel-Fassade (DF), M 1 : 15
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Das neue Bürogebäude der Roche AG von Herzog & de...
Foto: © Herzog & de Meuron
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1 Außenverglasung als VSG aus 2 x TVG
2 3-fach... -
Horizontalschnitt AA Closed-Cavity-Fassade (CCF),...
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Autor
Martin Lutz, Architekt, Geschäftsführender Gesellschafter der Drees & Sommer Advanced Building...
Der Fassade kommt bei Energieeinsparung oder Energiegewinnung eine Schlüsselrolle zu. Die energetische Nachhaltigkeit eines Gebäudes wird maßgeblich vom ingenieurtechnischen Zusammenwirken von Fassade und Raumkonditionierung bestimmt.
Eine „intelligente“ Fassade, die alle physikalischen, energietechnischen und tageslichttechnischen Aspekte berücksichtigt, ist die Voraussetzung, um das nachhaltige und somit zukunftsfähige Planungsziel zu erreichen. Der Fassade kommt unter Berücksichtigung der neuen EnEV 2009 und vor allem der voraussichtlich nochmals um ca. 30 % verschärften EnEV 2012 eine noch bedeutendere Rolle zu. Die derzeit in der Vermarktung nicht verzichtbaren Green Building-Zertifizierungslabels DGNB, LEED, BREEAM usw. stärken diese Schlüsselrolle zusätzlich.
Die Fassade muss und kann viel leisten
Die Fassade ist die Schnittstelle zur Gebäudetechnik, zur Raumkonditionierung. Eine nachhaltige Gebäudehülle kann bei intelligenter gewerkeübergreifender Planung „alles“ leisten
- Energieverluste minimieren
- solare Gewinne ermöglichen
- die Überhitzung der Räume verhindern
- genügend Tageslichteintrag zulassen
- Blendungen am Arbeitsplatz vermeiden
- nahezu ausschließlich wiederverwertbare Materialien enthalten und, nicht zu vernachlässigen, dem „Wohlfühlfaktor“ der Nutzer gerecht werden.
„Add on“ kann die Fassade Energie gewinnen. Ich meine, darin liegt ein großer Teil der Planungszukunft. Das Potential der solaren Stromerzeugung innerhalb der Fassade wird noch viel zu wenig genutzt. Vielleicht auch deshalb, weil die Solarzellen, Solarmodule, alle Solarkomponenten bisher einfach zu teuer waren. Die derzeit fallenden Preise hierfür bieten einen Teil des Potentials. Eines ist jedoch sicher, jede Fassade bietet die Voraussetzung, die Flächen für die Integration großflächiger Photovoltaik-Module. Die „Kleinlösung“ … ein paar Quadratmeter Photovoltaik auf das Dach zu stellen, nach dem Motto, „wir tun ja was“ … kann nicht die Zukunft sein. Hiermit kann das vorgenannte Zukunftsziel einer entscheidenden Energieverbrauchreduzierung und Ressourcenschonung nicht erreicht werden. Ein entscheidender Schritt nach vorne ist diesbezüglich unbedingt notwendig.
„Begrenztes“ Energiesparpotential, neue Werkstoffe
Die Baustoffe von Fassaden bzw. deren Wärmedämmwerte bieten noch Verbesserungspotential. Große Fortschritte sind hier jedoch kurz- und mittelfristig gesehen nicht zu erwarten, da neue, energetisch „sensationelle“ und bezahlbare Werkstoffe nicht in Sicht sind. Der große Teil der Fassade besteht aus Glas. Die technische Weiterentwicklung der Wärmeschutzgläser war in den letzten Jahren enorm. Die Kosten der Dreifach-Verglasung sind stetig gesunken. Ug-Werte für Dreifach-Wärmeschutz-Isolier-Verglasungen von 0,6 bis 0,7 sind heute bezahlbarer Standard geworden.
Größeres Energieeinsparpotential, intelligente Fassadenplanung
Mit Ganzglasfassaden, dem Gestaltungstrend zurückliegender Jahre, sind die Ziele der Zukunft nicht zu erreichen. Ganzglasfassaden, definiert als 100 %ige Verglasung vom Büroraum aus gesehen (nicht von außen!), verursachen auch bei Verwendung von Drei-fach-Wärmeschutz-Isolier-Verglasung und außenliegenden Sonnenschutz oder Sonnenschutzverglasung einen unnötig hohen Wärmeeintrag in den entscheidenden wärmeren Monaten. Diese Wärme muss kostenintensiv „weggekühlt“ werden. Mit dem Einsatz einer kostengünstigen Kühlung, wie der Betonkernaktivierung, ist dies aufgrund der hierfür zu geringen Leistungsdaten unter Einhaltung von akzeptablen Büroraumtemperaturen in den Sommermonaten nicht möglich.
Projektbeispiel Neubau Spiegel-Verlag auf der Ericusspitze Hamburg
Die Kompakt-Doppelschalige-Fassade, welche derzeit an dem zukünftigen Verlagsgebäude des Spiegels in Hamburg montiert wird, zeigt, dass das Schlagen von „zwei Fliegen mit einer Klappe“ möglich ist. Die äußere Fassade vermittelt den architektonisch von Henning Larsen Architects Kopenhagen gewünschten Ganzglas-Ausdruck. Die innere Fassade ist energetisch nachhaltig zu 35 % geschlossen, sodass die vom Investor Robert Vogel GmbH & Co. KG und dem Nutzer Spiegel gewünschten vier Goldmedaillen des Umweltzeichens Hafencity erreicht werden. Mit dem vertikal angeordneten, zu 35 % geschlossenen Anteil entsteht die vorstehend angesprochene großzügige Transparenz. Eine Goldmedaille in der Kategorie 3, umweltschonende Baustoffe, wird durch die Integration von Holz in der inneren Fassade abgeholt.
Die Closed-Cavity-Fassade
Was sind die weiteren großen Vorteile einer Closed Cavity-Fassade?
Projektbeispiel Hochhaus Roche Basel
Die Architekten Herzog & de Meuron planen derzeit für das Pharma-Unternehmen F. Hoffmann-La Roche AG ein energetisches „Vorzeigeprojekt“, das mit 175 m höchste Hochhaus der Schweiz. Gemeinsam mit Drees & Sommer als Generalplaner beachtet das Roche-Projektteam ausnahmslos alle Kriterien des nachhaltigen Bauens. Gegenwärtig, eventuell bis zur Auftragsvergabe an den ausführenden Fassadenbauer, wird in Fassaden-Varianten geplant. Die Closed Cavity-Fassade ist nach erfolgreicher detaillierter Beleuchtung aller Produktrisiken eine mögliche Variante. Getreu den Roche internen User-Requirements, welche unter anderem beinhalten, der zukünftigen Generation keine unnötigen Lifecycle-Kosten zu hinterlassen, wird keine Ganzglasfassade geplant, sondern 40 % der Fassadenfläche (vom Rauminneren gesehen) werden als geschlossene Fläche geplant. Die Architekten haben hierfür eine Brüstung himmelsrichtungs- und geschossabhängig in verschiedenen Tiefen geplant.
Martin Lutz, Stuttgart













