Gefaltet, geknickt, aufgereiht Klostererweiterung in Hamborn bei Duisburg von ASTOC Architects and Planners, Köln

An der Stelle, an der heute die Abtei St. Johann steht, wurde der Duisburger Stadtteil Hamborn schon vor mehr als tausend Jahren besiedelt. Die geistliche Geschichte begann mit der Schenkung des Gutshofs Hamborn an den Kölner Erzbischof im Jahr 1136 mit der Auflage, dort ein Kloster zu errichten. Die kleine Pfarrkirche, die auf dem Gutshof schon im 9. Jahrhundert errichtet worden war, wurde also zur Klosterkirche umgebaut. Zur Verbindung mit den Klostergebäuden wurde ein romanischer Kreuzgang angefügt, von dem heute noch der Nordflügel besteht. Die Klosterkirche wurde 1170 geweiht, das Kloster zur Abtei erhoben. 1806 in der Säkularisation aufgehoben, im Weltkrieg 1939-45 zum großen Teil zerstört, wurde das Kloster 1959 von sieben Mitbrüdern neu besiedelt und 1994 wieder zur Abtei erhoben. 1972 erfolgte ein dreigeschossiger Anbau als Erweiterung der Klosteranlage mit Wohn- und Büroräumen nach dem Entwurf des Kölner Architekten Hans Schilling. Heute gehören der Abtei 25 Chorherren an.

Da es in Hamborn Jahr für Jahr Ordensnachwuchs gibt, wurde ein weiterer Erweiterungsbau nötig. Der Bauherr wollte „communio ad intra et ad extra“, „Gemeinschaft nach innen und außen“ auch in der Architektur erkennbar werden lassen. Der Entwurf von ASTOC Architects and Planners, Köln, Ergebnis eines Wettbewerbs von 2007, folgt den Prinzipien der Prämonstratenser. Die wollen ganz bewusst das klösterliche Gemeinschaftsleben mit dem seelsorglich-missionarischen Dienst verbinden, Gemeinschaft nach innen und außen bauen. Der neue, geknickte Riegel schließt einen zuvor nur auf zwei Seiten gefassten Gartenhof auf der dritten Seite. Er fügt den heterogenen Nachbarbauten einen selbstbewussten zeitgenössischen Bau hinzu. Dieser übernimmt das Prinzip der durch Stützen gesäumten Flurbereiche aus dem mittelalterlichen Nordflügel des Kreuzganges und dem Anbau (1973/75) von Hans Schilling. Wie gefaltet wirkt die unregelmäßige Geometrie des weiß verputzten Neubaus. Durch die Faltungen reagiert der Baukörper auf die städtebaulichen und geometrischen Vorgaben, die sich aus dem Grundstückszuschnitt und den Anschlusshöhen der umgebenden Bestandsbebauung ergeben. Die Räume des Neubaus entsprechen ganz den Vorgaben des gemeinschaftlichen Klosterlebens, das neben gemeinsamen Mahlzeiten im Refektorium und dem Chorgebet in der Klosterkirche nach Orten und Räumen der Begegnung und Kommunikation verlangt, ebenso der Stille und Anbetung.

Das neue Gebäude bietet neben dem Wohntrakt einen Sakralraum, Büros und einen Raum der Entspannung mit großen Türen zum Garten, Gesprächs- und Gruppenräume, Terrassen und einen Innenhof. Die unterschiedlichen Funktionen finden alle Platz unter einem gemeinsamen Dach. Organisiert sind die Räume entlang von liturgischen Wegen, die jeweils architektonisch umgesetzt wurden: Im Erdgeschoss ist es zunächst eine historische Kreuzigungsgruppe, die optisch die Aufmerksamkeit in den Erweiterungsbau lenkt: erst den Blick und dann die Bewegung. Der Weg, vom Gebäudebestand herkommend, führt vom romanischen Kreuzgang und damit von der Klosterkirche hin zur Kapelle am schmalen Ende des Riegels. Dieser kleine, vertikal aufstrebende Sakralraum mit Empore ist nach Osten orientiert, sodass beim Frühgebet Morgenlicht in den Raum fällt. Der Verbindung von Innen- und Außenleben folgend, hat er drei Zugänge: vom Inneren des Klosters her, vom Friedhof her und von der Straße bzw. der benachbarten Schule. Er kann zum Beispiel auch zur Aussegnung genutzt werden, für Gruppengottesdienste mit Schulklassen oder bei Einkehrtagen.

So wird jetzt die gesamte Klosteranlage von zwei sakralen Räumen gehalten, die durch die Kreuzgänge miteinander und mit dem Kloster verbunden sind. Die beiden Obergeschosse sind privater. Hier sind entlang eines zweigeschossigen inneren Laubengangs die Kemenaten angeordnet. Eine goldene Stirnwand dient als optischer Kulminationspunkt der dynamischen diagonalen Flächen, die den Raum beschreiben.

Während der Neubau auf der Gartenseite die Stützenreihe des Nachbargebäudes weiterführt, setzt er sich zur Straßenseite mit seinen weißen Putzfassaden vom rotbraunen Klinker des Nachbarn dezidiert ab. Der Neubau hat ein flaches Pultdach und ist innen wie außen in warmem Altweiß gehalten, das an das Ordensgewand der Prämonstratenser erinnert. Kontrastiert werden die weißen Flächen mit Eichentüren und -böden, gestrichenem Beton und der Metall- und Glasfassade der Eingangsseite. Der Erweiterungsbau ist hell und von Licht durchflutet – ein Hinweis darauf, dass „die Prämonstratenser sich dem Zeugnis für das Leben verpflichtet wissen“, wie Abt Albert es formuliert.

 

Fotos: Christa Lachenmaier, Köln

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