gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner

Ein neues Petritor für Rostock

gmp mit Neubau an historischem Standort in Rostock beauftragt

Die mittelalterliche Stadtbefestigung von Rostock ist bis heute – sowohl auf Google Maps als auch im Stadtraum vor Ort – deutlich ablesbar und markanter Teil der Stadt. Von den ehemals 22 Stadttoren existieren heute noch vier Tore (drei Landtore und ein Strandtor), die im 20. Jahrhundert restauriert und zum Teil rekonstruiert wurden. Für den Neubau des ehemals ältesten Stadteingangs von Rostock – das Petritor – wurde 2016 ein Wettbewerb ausgelobt, den gmp Architekten von Gerkan, Mark und Partner nun gewinnen konnten.

Zwei grundsätzliche Anforderungen waren entscheidend: Zum einen sollten sich die eingereichten Entwürfe zwar an der Kubatur des Ursprungsbaus orientieren, zum anderen allerdings keine reine Rekonstruktion sein.

Der Entwurf von gmp plant für den Neubau, angesichts der historischen Rostocker Stadttore, die gesamte Bebauung in rotem Backstein zu errichten. Indem sich der einheitliche Klinkerverband partiell öffnet, werden heutige Gestaltungsmöglichkeiten des Materials das Stadttor eindeutig als Neubau erscheinen lassen. Damit können gezielte Ein- und Ausblicke mit der geschlossenen monolithischen Fernwirkung verbunden werden. Die Durchfahrt des Tores nimmt das geforderte Durchfahrtsprofil der Slüterstraße auf, während Fußgänger beidseitig am Tor vorbeigeführt werden.

Als Nutzung sind Büro-, Ausstellungs- und Veranstaltungsräume im Torgebäude und dem anschließenden Bauteil vorgesehen. Im 2. Obergeschoss steht eine offene Raumfolge mit integrierter Außenterrasse für die flexible Nutzung für Ausstellungen oder Seminare zur Verfügung und eröffnet den Blick auf die Hansestadt. Ergänzt wird das Raumprogramm durch Wohnnutzung auf einer eigenen Parzelle im Westen des Grundstücks.

Warum an diesem historischen Standort an der Petrikirche wieder ein baulich sichtbarer Stadteingang entstehen soll, ist sicher schnell verstanden. Warum welcher Entwurf von der Jury wie bewertet wurde, ist für manchen Rostocker Stadtbewohner nicht unumstritten. Der ausgewählte Lösungsvorschlag von gmp jedenfalls stellt ohne oberflächliche Nostalgie eine bewusst mehrdeutige Architektur dar, die an die Tradition des Ortes anknüpft, jedoch nicht in dessen wechselhafter Geschichte steckenbleibt, sondern sie fortschreibt.

Wenn Sie sich ein genaueres Bild machen möchten, steht Ihnen unter folgendem Link die Zusammenfassung aller Einreichungen zur Verfügung:

www.rgs-rostock.de

Entwurf: Volkwin Marg und Hubert Nienhoff mit Kristian Spencker

Projektleitung: Kristian Spencker Mitarbeiter Katja Godejohann, Davide Rosa

Bauherr: KOE Rostock — Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung der Hansestadt Rostock

BGF: 1706 m²

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