Die aktive intelligente Fassade
Auf der Suche nach der idealen Gebäudehülle-
Fassadenaufbau auf der Light+Building:...
Foto: Behnisch Architekten
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Systemdarstellung mit den funktionalen und...
Quelle: Behnisch Architekten
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Fassadenlayout, Fassadenelemente und Verteilung...
Quelle: Behnisch Architekten
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Raumlichtkonzept: Büroflächen werden großflächig...
Quelle: Zumtobel
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Autor
Stefan Behnisch, Dipl.-Ing. Arch., Hon. FAIA, studierte Philosophie und Volkswirtschaft in...
Auf der Light+Building-Fachmesse präsentierte die Firma Zumtobel Lighting ein Fassaden-, Licht- und Energiekonzept, das auf Initiative von Behnisch Architekten entwickelt wurde. Gemeinsam mit Transsolar Energietechnik, Bartenbach Lichtlabor und Zumtobel Lighting wird in Szenarien untersucht, wohin sich die Themen Licht, Strom und Raumklima in unserer gebauten Umwelt zukünftig entwickeln. Daraus werden Konzepte für das zukünftige Planen und Bauen abgeleitet. Neue und intelligent genutzte Technologien sollen dabei so angewendet werden, dass ergonomische Verbesserungen für den Nutzer und ökologische und ökonomische Effekte erzielt werden können.
Im Einzelnen sind dies:
– Einsparungen an Bauvolumen, dadurch Einsparung von Gebäudeerrichtungskosten
– ergonomisch beleuchtete Büros
– Steigerung der Nutzungsqualität
– Steigerung der Nutzungsflexibilität der Büroflächen
– bessere Lichtqualität bei reduziertem Energieverbrauch
– höhere Nutzerfreundlichkeit
– verbesserte Wartungsfreundlichkeit, geringere Unterhaltskosten
– Konzentration der komplexen Technik auf einige wenige Gewerke.
Erreicht wird dies durch neue Technologien und über indirekte Synergieeffekte wie z.B. veränderte Bauweisen, andere Materialien, direktere Konzepte in der Architektur. Das hier vorgestellte Projekt unterscheidet sich durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise (von der Energiegewinnung über die Regelung von haus- und lichttechnischen Funktionen bis hin zu ergonomischen Faktoren) von den bereits bekannten Fassadensystemen mit Energiegewinnung. Darüber hinaus werden die Einflüsse auf andere Gewerke berücksichtigt. Um die gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse angemessen auf dem Stand der heutigen technischen Möglichkeiten darstellen zu können, wurden die Firmen Sunways Solartechnik, LTG Raumlufttechnik, Okalux und Büfa Glas um Mitwirkung gebeten.
Wandel in der Architektur
Aktuelle Zeitströmungen und Inhalte verändern die Architektur im Technischen und Formalen. Die Verantwortung für unsere Umwelt veranlasst Planer, Architekten, Ingenieure und Bauherren dazu, sich mit neuen Denkweisen auseinander zu setzen. So beeinflusst das Thema „Nachhaltigkeit“ seit geraumer Zeit die Art und Weise, wie wir Architektur entwickeln, wie wir bauen.
Konsequenzen für die Raumbeleuchtung
Dies hat zur Folge, dass die bisherigen Beleuchtungskonzepte überarbeitet werden müssen. Einbauelemente und das Verlegen von Kabeln in den Decken müssen entweder weit voraus geplant werden, so dass diese im Rohbau berücksichtigt werden können, oder der Trend geht zu einer Beleuchtung unabhängig von der Geschossdecke: Wand- und Stehleuchten, Tasklights mit Raumlichtfunktion und Beleuchtung in der Fassade.
Ähnlich verhält es sich auch im Bereich der Böden. In der Vergangenheit wurden aufgeständerte Böden zur künstlichen Be- und Entlüftung und für aufwändige Installationen genutzt. Nun versucht man, darauf weitgehend zu verzichten, um die Bauteilaktivierung zu optimieren. Neue Technologien wie „wireless LAN“ machen den Verzicht auf umfangreiche Kabelschächte/-kanäle und somit aufgeständerte Böden möglich. Zukünftig kann man Kabel einbetonieren oder Bewehrungsstahl für die Stromleitung verwenden. Durch Funk- und Piezosteuerung in der Haustechnik kann mehr und mehr auf kabelgebundene Lösungen verzichtet werden. Lediglich bei Quelllüftung macht Hohlraumboden noch Sinn. Insgesamt werden die Gebäude leichter, schlanker und weniger voluminös.
Mehr Aufgaben für die Fassade
Den komplexen Gewerken kommt in der Entwicklung von technischen Lösungen für die Architektur, wie einer Fassade, eine immer größere Bedeutung zu. Die weniger komplexen Gewerke werden noch einfacher und die komplexen intelligenten Gewerke werden noch komplexer, noch intelligenter. Viele Elemente, wie Steuerung, Sonnenschutz usw., waren in der Vergangenheit schon in die Fassaden integriert. In der Zukunft werden weitere Funktionen dazukommen. So beinhaltet die ideale Fassade nicht nur Sonnenschutz, Solarpaneele zur Energiegewinnung, Umlenkelemente im oberen Fassadenbereich zur Tageslichtoptimierung und öffenbare Elemente zu Lüftung, sondern auch Beleuchtungselemente für die Grundbeleuchtung bei Nacht sowie Wärmetauscher und Elemente der mechanischen Be- und Entlüftung. Durch die Entwicklung neuer Leuchtmittel wie OLED und LED lassen sich Leuchten in so geringer Dimension realisieren, dass diese in den Glasscheiben direkt in den Fenstern untergebracht werden können. Die dezentrale Technik in der Fassade führt zu geringeren Energiekosten, auch weil die Anlagentechnik nur bei Bedarf in Betrieb ist.
Energiegewinnung auf der Fassade
Bei den auf der Messe gezeigten Elementen handelt es sich um simulierte Ost-, West- und Südfassaden, die über künstliche Sonnen „solar“ aktiviert werden. Die Messefassade ist zur Energiegewinnung zu ca. 50 % mit PV-Modulen belegt, den so genannten Design Cells von Sunways. In den Durchsichtbereichen wurden teilweise transparente Zellen verwendet, um den Sichtbezug nach außen zu erhalten. Die ebenfalls mit Photovoltaik belegten Verschattungselemente vor der Fensterfront verändern je nach Sonnenstand ihre Neigung. In zahlreichen Ausführungen, Farben und Transparenzgraden erhältliche monokristalline und Dünnschicht-DesignSolarzellen ermöglichen die Fassadenoptimierung für verschiedene Standorte.
Amortisation der Musterfassade
Der Energiebedarf für alle in dem 20 m² großen Büroraum zusammengefassten technischen Einheiten (Licht, PC, Lüftungstechnik und Klimatisierung (Kälte/Heizung)) liegt bei 510 kWh, der größte Einzelposten entfällt mit ca. 200 kWh auf die Beleuchtung.
Tageslichtoptimierung
Im oberen Drittel ist die Fassade im Scheibenzwischenraum mit dem Lichtumlenksystem Okasolar W bestückt, das eine effizientere Tageslichtnutzung gewährleistet, auch wenn der Sonnenschutz geschlossen ist. Es wird in den tieferen Raumbereichen durch flache LED-Deckenleuchten unterstützt, die sich der Lichtintensität der Außenwelt anpassen. Wird die Lichtausbeute durch Bewölkung geringer, reagiert die Deckenbeleuchtung im hinteren Raum- oder Flurbereich entsprechend. Das Lichtverhältnis Innen zu Außen soll konstant gehalten werden, möglichst 1:1, möglichst direkt. Die Blendung durch den Kontrast zwischen hellen Fensterflächen und dunklen tieferen Raumzonen wird so verhindert oder zumindest verringert.
Klimatisierung
Auch die Elemente der Klimatisierung, das heißt Wärmetauscher, Umluftheizer und Umluftkühler, können direkt im Brüstungsbereich der Fassaden eingebaut werden. Aufwändige Installationen in den Gebäuden erübrigen sich dadurch, weil die Räume direkt aus der Fassade versorgt werden. Über die Photovoltaik können die Klimatisierungselemente direkt mit Strom betrieben werden. Überschüssiger Strom wird ins Netz gespeist. Das Medium Wasser liefert Wärme- und Kälteenergie über Bauteilaktivierung, Lüftungskanäle und Schächte entfallen. So wird ein großes Bauvolumen, aber auch der energetisch aufwändige Transport der Luft im Bauwerk überflüssig. Da es noch keine Fassadenklimatisierungsgeräte gibt, die dem auf der Messe gezeigten Fassadenmaß entsprechen, wurde hier ein angepasster „Dummy“ gezeigt. Jedoch ist es realistisch, Geräte in dieser Dimension umzusetzen.
Gleichstrom/Steuerung
So, wie sich aus energetischen Gründen innerhalb eines Gebäudes verschiedene Klimazonen mit unterschiedlichen Temperaturen durchsetzen werden, wird Strom schon in naher Zukunft in den verschiedenen Gebäudebereichen in einem zusätzlichen Niederspannung-Gleichstromnetz anliegen. Bürogeräte, Klima- und Gebäudesteuerung werden bereits mit Gleichstrom betrieben. Bisher werden praktisch alle Abnehmer in einem Büro- oder Wohnhaus über Transformatoren versorgt. Geplant ist, alle Niedrigvolt-Gleichstrom-Geräte, genau wie in Zukunft auch die Beleuchtung, über ein solches Netz zu versorgen, in das der durch die PV-Elemente gewonnene Strom eingespeist wird.
Mit der eingesetzten Zumtobel Ciria-Steuereinheit lassen sich sämtliche Raumfunktionen komfortabel von einem einzigen Gerät aus steuern: Licht, Sonnenschutz, Luftmenge und Temperatur. Dies reduziert die Zahl der Bedienungsfehler, wie sie bei unabhängig voneinander arbeitenden Einheiten auftreten könnten. Durch die Kopplung an einen Tageslichtsensor passt sich das System an die Lichtverhältnisse des Standortes an.
Abschließende Betrachtung
Das auf der Messe als „Concept car“ präsentierte Modell wird derzeit von den Beteiligten auf mögliche Produktansätze und Effizienzsteigerungen untersucht, um sie in die Serie überführen zu können. Bei den OLED wird eine Weiterentwicklung hinsichtlich Lichtleistung und Preis analog zur Entwicklungsgeschichte der LED erwartet. Ebenso kann mit Leistungssteigerungen bei den PV-Elementen gerechnet werden.Von enormer Bedeutung bei der Ausarbeitung des Energiekonzeptes ist die enge Zusammenarbeit der Planungsbeteiligten und des Bauherren. Die Zusammenführung der Gewerke in der Fassade bedarf eines Umdenkens der Ingenieure und aller am Planungs- und Realisierungsprozess Beteiligten. Natürlich hat dies auch Einfluss auf die Leistungsbilder der Planer und damit auch auf die vertraglichen Vereinbarungen.
Stefan Behnisch, Stuttgart
















